Formel 1
Kolumne
Neues Rätsel Racing-Raritäten: Der erste Max in der Formel 1
Bei der neuen Ausgabe unseres Rätsels Racing-Raritäten sehen wir einen Mann, der einer von vier Max in der Königsklasse ist. Wer ist hier an der Arbeit? Wann und wo ist das Foto gemacht worden?
Meist aus dem Archiv unserer Foto-Partner XPB und Grand Prix Photo stellen wir jede Woche ab Dienstag ein kleines Stück Motorsport-Historie vor. Sagen Sie uns, welches Auto zu erkennen sind (Beispiel: Jo Siffert, Monza, 1970) und gewinnen Sie mit etwas Glück einen kleinen Preis. Bitte Namen, Adresse, Geburtsjahr und Telefonnummer nicht vergessen. Schicken Sie Ihre Lösung an: mathias.brunner@speedweek.com. Einsendeschluss ist jeweils Sonntag der laufenden Woche, um 24.00 Uhr.
Für das neue Rätsel gilt: Dieser Pilot war gewissermassen der erste Max in der Formel 1 – viele Jahre vor dem heutigen Red Bull Racing-Star Max Verstappen.
Unser Hinweis für die letzte Aufgabe lautete: Dieser Fahrer erhielt bei Ferrari lediglich eine Grand Prix-Chance. Dabei zog er sich durchaus anständig aus der Affäre, unter ganz widrigen Bedingungen.
Für die meisten Rätselteilnehmer war das schnell klar – zu sehen ist der Italiener Gianni Morbidelli mit seinem Ferrari im Training zum Grossen Preis von Australien 1991. Das Bild dem Training zuzuordnen, war leicht, denn im Rennen regnete es so übel, dass vorzeitig abgebrochen werden musste.
Ferrari-Reservist Morbidelli kam zum Einsatz, weil die Scuderia den Star-Fahrer Alain Prost vor die Tür gestellt hatte. Der Franzose hatte das Handling seines Ferrari mit jenem eines Lastwagens verglichen, und das wurde in Maranello der Gotteslästerung gleichgesetzt.
Morbidelli qualifizierte sich als Achtschnellster, nur einen Rang hinter Stammfahrer Jean Alesi, im Regen wurde Gianni Sechster, während Alesi durch Unfall ausschied.
Die australischen Wetterfrösche prognostizierten fürs WM-Finale 1991 in Adelaide "gelegentliche Schauer". Aus gelegentlich wurde dann eine Stunde vor dem Grand Prix ein Wolkenbruch, der so heftig war, dass der nahe Flughafen geschlossen werden musste. Die Rennleitung fand aber weiter nichts dabei, das Rennen zur geplanten Zeit zu starten!
Der unvergessene Ayrton Senna (McLaren-Honda) ging in Führung, der Brasilianer war der Einzige, der etwas erkennen konnte. In den ersten fünf Runden segelten fünf Fahrer von der Bahn. Jene, die Glück hatten, kreiselten einfach von der Ideallinie weg. Jene, die Pech hatten, fanden sich in einer Mauer wieder.
Und dann gab es jene, für die Sekunden zu Stunden wurden. Der heutige Sky-GP-Experte Martin Brundle erinnert sich: "Ich habe mich gedreht, und als ich wieder losfahren wollte, fiel mir auf: es war so wenig zu sehen, dass ich keine Ahnung hatte, ob ich in Fahrtrichtung stehe oder nicht. Mit Grausen erfüllte mich ein Gedanke – was, wenn ich meinen Gegnern jetzt entgegenfahre?"
Nach 24 Minuten hatte die Rennleitung Erbarmen und brach das Motorbootrennen ab, der damalige Rennchef Roland Bruynseraede hielt die rote Flagge heraus. Endlich war auch den Regelhütern klar geworden, wie brandgefährlich die Verhältnisse waren. Alle Pläne auf einen Neustart mussten fallengelassen werden, als der Abend kam. Senna wurde zum Sieger erklärt, aufgrund der geringen Renndistanz gab es nur halbe WM-Punkte.
Adelaide 1991 wurde zum kürzesten WM-Lauf: mit 24 Minuten, 34 Sekunden und 899 Hundertsteln. Es ist auch jenes Rennen, bei welchem die Schutzengel zuhauf unterwegs waren, um die Fahrer vor Verletzungen zu bewahren.
Ayrton Senna meinte später: "Da war unfassbar viel Wasser auf der Bahn, der Wagen schwamm einfach von der einen auf die andere Pistenseite. Zum Teil kam ich gar nicht mehr über den zweiten Gang hinaus."
Gerhard Berger schäumte: "Wir Fahrer sind uns des Risikos bewusst, aber die Streckenposten solchen Gefahren auszusetzen, das ist unverantwortlich und nicht akzeptabel."
Heute würde ein Grand Prix bei solchen Verhältnissen gar nicht oder nur hinter dem Safety-Car freigegeben. Wenn Streckenposten arbeiten, wird entweder die virtuelle Safety-Car-Phase ausgerufen (wenn die Fahrer niedrige Geschwindigkeit halten müssen) oder das Rennen gestoppt.
Bis zur Farce von Belgien 2021 (nur wenige Runden hinter dem Safety-Car) blieb Australien 1991 der kürzeste WM-Lauf der Formel-1-Historie, also fast dreissig Jahre lang.
Gianni Morbidelli zeigte eine anständige Karriere (Formel-3-Meister, 67 Formel-1-GP, WM-14. des Jahres 1995, mehrfacher Tourenwagen-Champion), geriet 2022 jedoch aus skurrilen Gründen in die Schlagzeilen.
In Minutenschnelle verbreitete sich in Italien – Gianni Morbidelli leide an einem Blasentumor! Zahlreiche Publikationen übernahmen diese Meldung der Tageszeitung "Il Resto del Carlino" aus Bologna. Natürlich machten sich die Fans von Gianni Morbidelli enorme Sorgen.
Danach hing der frühere Formel-1-Fahrer von Scuderia Italia, Minardi, Ferrari, Footwork und Sauber stundenlang am Telefon, um die Gemüter zu beruhigen. Denn, was viele beim flüchtigen Lesen der Carlino-Geschichte übersehen hatten: Es handelt sich beim Erkrankten zwar durchaus um Gianni Morbidelli, aber eben nicht um den Rennfahrer, sondern um einen anderen Mann gleichen Namens!
Entwarnung für Morbidelli-Fans also: Dem Drittplatzierten des Australien-GP 1995 geht es gut. Der langjährige Ferrari-Testfahrer weilte im Ausland, als ihn erste Nachrichten über die angebliche Erkrankung erreichten. Der Rennfahrer war verärgert, wie seine Familie und Freunde durch die Verwechslung in Angst und Schrecken versetzt wurden.
Morbidelli galt nach seinem Formel-3-Titel 1989 in Italien als grosse Hoffnung, damals gewann er sieben von zwölf Läufen. Das führte zu einem Vertrag als Testfahrer bei Ferrari. 1991 sprang er wie erwähnt im Werks-Rennstall für den gefeuerten Alain Prost ein, beim Grossen Preis von Australien.
Auf diesem Strassenkurs in Adelaide erreichte Morbidelli 1995 mit seinem Footwork-Rennwagen sein bestes Formel-1-Ergebnis – Rang 3 hinter Damon Hill (Williams) und Olivier Panis (Ligier).
Nach Abschluss seiner GP-Karriere 1997 mit Sauber wurde Morbidelli zu einem der erfolgreichsten Tourenwagenfahrer seines Landes. Der heute 58-Jährige aus Pesaro holte von 2007 bis 2013 sieben Titel in verschiedenen Serien.
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