Pierre Gasly in Monza sensationell auf Pole: Woher kommt der Alpine-Speed?
Alle redeten vor der Monza-Quali von Ferrari, Mercedes, McLaren, Verstappen und wer steht auf Pole? Pierre Gasly (Alpine)! Der Franzose zur Durststrecke und den Grund für den sensationellen Erfolg.
Die Aufregung war gross, als Alpine-Steuermann Flavio Briatore 2024 entschloss: Kein Renault-Motor mehr im Alpine-Rennwagen, die Blauen werden ab 2026 Mercedes-Kunde.
«Mon dieu», war der Aufschrei in der Grande Nation, Renault nach 40 Jahren nicht mehr als Motorenbauer in der Königsklasse, aber der Erfolg gibt Briatore Recht: Der Franzose Pierre Gasly hat in Monza Fans und Fachleute zugleich verblüfft und – scheinbar aus heiterem Himmel – seine erste Pole-Position in der Königsklasse erobert.
Wir halten fest: Gasly in seiner 190. Quali endlich auf dem besten Startplatz, «nach neun Jahre Warten», wie der 30-Jährige aus der früheren GP-Rennstadt Rouen betont.
Pierre ist der 109. Fahrer in der Formel 1, der eine Pole-Position erobert und der erste seit Kimi Antonelli in China 2026.
Für den Rennstall Alpine ist dies die erste Formel-1-Pole (im 127. Abschlusstraining), die beste Platzierung zuvor war Startplatz 2 von Fernando Alonso in Kanada 2022.
Apropos Alonso: Alpine-Sitz ist ja Enstone in England, wo die Formel-1-Fachkräfte auch unter den Bezeichnungen Benetton und Renault gearbeitet haben. Die letzte Pole für die Mannschaft aus Enstone? Ungarn 2009, mit Alonso.
Wann stand Pierre eigentlich zum letzten Mal auf einer Pole-Position? Pierre verfällt ins Grübeln. «Uff, das muss in der Formel 2 gewesen sein oder so.»
Wir haben rasch nachgeschlagen: Gasly wurde GP2-Champion 2016 (Vorgängerserie der Formel 2), eroberte vor zehn Jahren auf dem Weg zum Titel fünf Poles, in Barcelona, Ungarn, Monza (aha!), Sepang und Abu Dhabi.
Für Pierre Gasly ist Monza ein Heimrennen: Er wohnt in Mailand, 2020 hat er auf der traditionsreichen Bahn seinen einzigen Grand Prix gewonnen (mit AlphaTauri, heute die Racing Bulls). Pierre meint: «Ich weiss auch nicht, was das ist mit Monza und mir.»
«Ich bin tief berührt. Ich bin so happy für die ganze Mannschaft, denn ich weiss, was sie jeden Tag leisten. Ich bin happy für mich selber, weil ich mich neun Jahre auf diesen Moment gedulden musste. Du hast nicht jeden Tag ein Auto, von dem du weisst, dass du ein Wörtchen um die Pole mitreden kannst. Heute wusste ich das, und dass wir das wirklich gebacken bekommen haben, das erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit und Stolz.»
«Was für eine Runde! Das Gefühl im Auto war von der ersten Runde fabelhaft, ich spürte, dass hier etwas in der Luft liegt. Aber ganz ehrlich: Hätte mir einer vor dem Wochenende gesagt, dass ich hier die Pole hole, ich hätte ihn wohl ausgelacht. Hätte einer das vor der Quali gesagt, hätte ich gedacht – hey, wieso nicht?»
«Als ich Schnellster im ersten Quali-Segment war, wollte ich nicht nervös werden. Ich konnte dann mit der viertschnellsten Zeit in Q2 zeigen, dass Q1 kein Strohfeuer war, aber dann? Ich war auf einmal vom Gedanken beseelt, dass ich das wirklich schaffen kann. Als es um die Wurst ging, spürte ich sofort, dass mir eine wirklich gute Runde gefahren hatte. Aber es wäre jetzt vermessen von mir zu behaupten, ich wusste, das ist die Pole. Letztlich kannst du ja noch so gut fahren, was die Gegner machen, das weisst du nicht. Und dann kam die Funkmeldung, dass wir das geschafft haben. Was für ein Gefühl! Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an den Moment denke.»
Sein erster Gedanke, als ihm gesagt wurde, er sei auf Pole: «Verdammt lang her!»
Dann gibt Pierre zu: «Um genau zu sein, habe ich irgend etwas Unverständliches in den Helm gebrüllt, ich weiss gar nicht mehr, was es war. Es ging alles so schnell. Die ganzen Emotionen brachen aus mir heraus.»
Schön dabei: An diesem Wochenende wird Pierre in Monza von seinen Eltern Jean-Jacques und Pascale begleitet.
War dies die beste Runde von Pierre Gasly in der Formel 1? Der Franzose grinst: «Ich kann mich leider nicht an alle erinnern, aber es war sicher eine der besten …»
Natürlich fragen sich alle: Pierre 2026 mit P7 als beste Startplätze (in China und Japan), zuletzt im Bereich um P10 (Belgien), zuletzt in Ungarn und den Niederlanden mit den Starträngen 12 und 11. Woher kommt nun dieser Sprung auf Platz 1?
Pierre dazu: «Ich muss ein wenig ausholen. Ich bin im ersten Monza-Training gar nicht gefahren, da sass Testpilot Paul Aron im Auto. Im zweiten Training fand ich das Handling des Autos anständig, und ich dachte – da liegt vielleicht ein Top-Ten-Platz drin.»
«Wir haben dann die Abstimmung weiter verfeinert für das dritte Training, ich tankte Selbstvertrauen, ich war Neuntschnellster und wusste, das geht noch schneller.»
«Die Abstimmung des Autos war sehr gut, aber dann hat das Team in der Quali wirklich hervorragend gearbeitet. Ich war immer zum bestmöglichen Zeitpunkt auf der Bahn, so dass ich nicht behindert wurde, so dass ich von Windschatten profitieren konnte, zuletzt hinter Hamilton. Die Fahrzeugbalance war besser denn je, ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich Eins bin mit dem Rennwagen. Es gibt also nicht einen einzigen Grund, wieso wir hier so auftrumpfen konnten, es ist eine Kombination aus mehreren Faktoren.»
Wie will Gasly im Grand Prix vorgehen? «Ich will jetzt einfach mal mit meiner Mannschaft die Pole geniessen, ich will mich nicht mit den Gedanken belasten, was im Rennen alles passieren könnte. Ich weiss, dass wir im Dauerlauf wohl nicht ganz so schnell sind wie die besten Rennwagen, aber auf der anderen Seite werde ich meine Haut natürlich so teuer als möglich verkaufen – ich will einen guten Start zeigen und in Führung gehen, und dann muss die mir erst mal einer abnehmen!»
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