Filmreifer US-Auftritt: Lotte van Drunen holt nach irrer Aufholjagd Podium
Was WMX-Weltmeisterin Lotte van Drunen in den USA erlebte, war nicht der 'american dream'. Es herrschte pures Chaos. Trotz der Umstände schaffte sie es aufs Podium – mit einer filmreifen Geschichte.
Würde man die Geschichte von Lotte van Drunen Hollywood anbieten, käme das Skript vermutlich mit dem Vermerk zurück: zu unrealistisch, zu viel Drama. Doch die besten und dramatischsten Geschichten schreibt noch immer das Leben selbst.
Holeshot nach bitterer Enttäuschung
Nach ihrem ersten US-Rennen in Thunder Valley war die Niederländerin schwer enttäuscht und den Tränen nahe. Nach dem brutalen, aber völlig unverschuldeten Abflug beim Deutschland-Grand-Prix hatte sie sich gerade wieder etwas erholt. Platz 5 mit einem 4-6-Ergebnis in Thunder Valley waren natürlich nicht schlecht, aber sie hatte den Eindruck, dass sie ihr Potenzial nicht zeigen konnte.
Unerwartete Probleme
Einerseits war Lotte glücklich, dass sie in den USA starten konnte, andererseits musste sie aber hier gegen die starke und gut ausgerüstete Konkurrenz mit einer Serien-Yamaha antreten - und das in 1.600 Metern Höhe, wo man jede einzelne Pferdestärke dringend benötigt.
Kompromisslos am Start
Wer mit unterlegenem Material in den USA startet, braucht einen perfekten Start. Eine Woche später in High Point legte sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf den Start und wurde am Freitag im ersten Lauf Zweite hinter der 17-jährigen WMX-Sensation Mayla Herrick, die bei ihrem Pro Motocross-Debüt auf Anhieb gewinnen konnte – ebenfalls filmreif! Mayla Herrick hatte erst wenige Tage zuvor ihr 17. Lebensjahr erreicht und war damit erst startberechtigt geworden. Sie kam, sah und siegte. Lotte ging volles Risiko, startete gut und wurde hinter Mayla Herrick Zweite.
Drama am Samstag
«Ich musste das Bike so kompromisslos in den Start werfen, dass ich entweder den Holeshot zog oder ganz hinten landete», meinte Lotte vor dem Start zum zweiten Lauf am Samstag. «Nun, ich bin das Risiko eingegangen und zog den Holeshot.» Lotte hämmerte ihr Motorrad an die Spitze, doch der Starthaken gab die Vordergabel nicht wieder frei. Mit eingehängter Gabel kam sie natürlich weder um die Kurven und schon gar nicht über die Sprünge. «Ich versuchte, den Starthaken wegzukicken, merkte aber schnell, dass es nicht ging.» So wurde sie zur leichten Beute ihrer Verfolger, doch in der ersten Kurve nach dem Start war es zu einem Massencrash mit mehreren Mädchen gekommen und ausgerechnet die Freitags-Sensation Mayla Herrick musste versorgt und ins Krankenhaus gebracht werden. Das Rennen wurde mit roter Flagge abgebrochen.
Chaos vor dem Neustart
Lottes Mechaniker versuchte erfolglos, den Starthaken zu reparieren. Während sich das Team um dieses Thema kümmerte, entdeckte Lotte, dass ihr Motor plötzlich Öl verlor! Die Ölablassschraube hatte sich gelöst und war abgefallen. «Mein Mechaniker rannte um sein Leben, um mir rechtzeitig Öl zu besorgen.» Damit konnte zwar Öl eingefüllt werden, aber die Ablassschraube fehlte trotzdem. Der Mechaniker von Charlie Cannon hatte diese Schraube zum Glück dabei und half Sekunden vor dem Start noch aus.
Start ohne Starthaken
Da die Reparatur hinter dem Startgatter stattfand, hatten sich zwischenzeitlich alle Mädchen wieder am Gate für den Neustart aufgestellt. Für Lotte blieb in dieser Situation nur der schlechteste Startplatz übrig. Der Motor hatte wieder Öl, die Ablassschraube war drin, aber der Starthaken ging nicht. Also musste sie ohne 'holeshot device' starten und hatte natürlich am Start nicht den Hauch einer Chance. In die erste Kurve bog sie als Letzte ein.
Sensationelle Aufholjagd aufs Podium
Die Rennen in den USA gehen nur über 12 Minuten plus eine Runde. Das ist nicht viel Zeit, um das gesamte Feld von hinten aufzurollen. «Ich musste vom letzten Platz starten, diesmal ohne holeshot-device», erinnert sich Lotte. Sie fuhr in einem furiosen Rennen bis auf Platz 4 nach vorne und erreichte damit das Podium. «Einige von euch haben es heute gesehen: Ich gebe wirklich niemals auf.»
Ergebnis WMX High Point:
-
Charli Cannon (AUS), Honda, 5–1
-
Lachlan Turner (USA), Yamaha, 3–2
-
Lotte van Drunen (NL), Yamaha, 2–4
-
Mikayla Nielsen (USA), Honda, 4–3
-
Jordan Jarvis (USA), Yamaha, 6–5
-
Taylah McCutcheon (AUS), Kawasaki, 7–6
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach