Martin über Bezzecchi: «Manchmal siehst du nicht das, was du sehen willst»
Im Grand Prix in Brünn belegte MotoGP-Ass Jorge Martin (Aprilia) trotz doppelter Long-lap Rang 9. Welches Problem er derzeit mit der RS-GP hat und wie er die Aktion von Marco Bezzecchi beurteilt.
Nach dem von ihm im Ungarn-GP verursachten Startchaos bekam Jorge Martin für den Grand Prix in Brünn eine doppelte Long-lap aufgebrummt. Das Ziel für den Aprilia-Piloten am Sonntag war somit, Schadensbegrenzung zu betreiben und so viele Punkte wie möglich mitzunehmen.
Dazu kam, dass sich der «Martinator» in Brünn selbst in eine noch schlechtere Ausgangslage brachte – im Qualifying reichte es nämlich nur für Startplatz 10. Da Teamkollege Marco Bezzecchi für den Grand Prix gesperrt war, rückte Martin in der Startaufstellung auf Position 9 nach vorn.
Im Rennen über 21 Runden erwischte Martin einen soliden Start. Er konnte eine Position gut machen und lag in der ersten Runde auf Platz 8. Danach kämpfte er mit Joan Mir (Honda) um Rang 7. In der dritten Runde bekam Martin die Information auf sein Dashboard eingeblendet, dass er seine beiden Long-laps zu absolvieren hatte. In der Zwischenzeit wurde Martin von Aldeguer überholt – er war nur noch Neunter. Doch der Weltmeister von 2024 konterte umgehend. In Runde 5 führte er dann seine erste Long-lap aus, er reihte sich danach auf Position 10, unmittelbar vor Franco Morbidelli, wieder ein. Eine Runde später folgte die zweite Long-lap – Martin lag danach auf Rang 13, direkt vor den KTM-Piloten Brad Binder und Maverick Vinales und hinter Enea Bastianini.
Die Strategie für die Long-laps
Martin fuhr am Ende seiner beiden Long-laps jeweils über die grüne Markierung auf die Strecke zurück. «Es war der sicherste Weg, um zurückzukommen, ohne in eine riskante Situation zu kommen. Es war sicherer und einfacher für alle», erklärte der 28-Jährige. Dafür kassierte er aber auch jeweils eine Track-Limits-Warnung. «Ich wusste, dass ich zwei weitere Track Limits habe, und weil ich auf dieser Strecke woanders normalerweise nicht über die Begrenzung hinausfahre, war es für mich kein Problem. Meine Strategie war es, auf den grünen Bereich hinauszufahren. Die Long-laps waren sehr gut und ich habe nicht so viel Zeit verloren.»
Danach konnte sich Martin auf seine Aufholjagd konzentrieren, doch er hing viele Runden lang hinter Bastianini fest. Am Ende der zehnten Runde konnte er den Italiener schlussendlich überholen. Einen Umlauf später schnappte er sich Franco Morbidelli, drei Runden vor Schluss ging er an Rookie Diogo Moreira (LCR Honda) vorbei. Nach dem Ausfall von Pedro Acosta (KTM) in der letzten Runde überquerte Jorge Martin als Neunter die Ziellinie.
«Mit dem Wochenende bin ich ganz zufrieden, denn in jedem Training konnte ich mich ein wenig verbessern», meinte Martin zu seinem Rennwochenende. «Ich denke aber, dass wir momentan weit weg von Ducati sind. Ich habe kein Vertrauen in das Vorderrad, ich habe immer das Gefühl, dass ich gleich stürze. Wir haben den richtigen Weg verloren, ich weiß aber nicht warum. Wir müssen verstehen, weshalb das so ist. Ich hoffe, dass Assen für uns ein guter Ort sein wird. Die Strecke dort ist viel flüssiger, was der Aprilia und meinem Fahrtstil entgegenkommt.»
Aprilia feierte im Grand Prix in Mugello noch einen Doppelsieg, danach folgten in Ungarn und Tschechien zwei enttäuschende Events. Hat sich Ducati bei den letzten beiden Rennwochenenden so stark verbessert? «Ich denke nicht, dass wir dort (in Mugello, Anm.) die Besten waren, ich glaube aber auch nicht, dass wir jetzt die Schlechtesten sind», grübelte Martin. «Wir hatten an zwei Rennwochenenden unsere Probleme, jetzt gehen wir an Orte, die besser zur Aprilia passen sollten. Ich hoffe, dass wir zu dem gewohnten Level zurückkehren. Ich sagte aber schon zu Saisonbeginn, dass Ducati nicht weit weg ist. Sie haben einfach nicht alles zusammenbekommen und Marc war nicht bei 100 Prozent. Jetzt sind beide Bikes auf einem ähnlichen Level. Das Spiel geht weiter und wir werden bis zum Ende eine schöne Meisterschaft haben, was gut für alle ist.»
Basis-Setup fehlt
Martin fehlt immer noch das richtige Basis-Setup bei seiner RS-GP – auch nach neun Rennwochenenden in der Saison 2026. «Es gab einige Rennen, beispielsweise in Le Mans, wo ich mit einem Setup gefahren bin, aber dies funktioniert auf andere Strecken nicht. Es ist schade, dass ich mein Basis-Setup noch nicht gefunden habe. Ich würde gerne einen Test haben, aber das haben wir nicht», bedauerte Martin. «Ich werde somit beim Rest der Saison einige Freitage als Testtage nutzen. Ich werde neue Dinge ausprobieren und versuchen, das gute Gefühl für den Vorderreifen zurückzuerlangen. Sobald ich dieses wieder habe, werde ich wieder vorne mitkämpfen können.»
Jorge Martin hat in der Gesamtwertung nach dem Tschechien-GP nur noch acht Punkte Rückstand auf Marco Bezzecchi. Dieser erlebte in Brünn mit dem Sturz im Sprint und dem Startverbot im Grand Prix ein Desaster. Was sagt Martin zur Aktion von «Bez» und zur Strafe? «Das ist schwer zu beurteilen. In der Hitze des Moments hat Marco getan, was er getan hat», meinte Martin. «Ich denke aber, dass er das nach dieser Strafe nicht wieder tun wird. Marshals sind da, um uns zu helfen. Aber du siehst manchmal, nachdem du gestürzt bist, nicht das, was du sehen willst. Dann wirst du wütend.» Findet er die harte Strafe für gerechtfertigt? «Das müsst ihr die Stewards fragen», antwortete Martin in der Medienrunde.
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