Classic-EM: Das goldene Zeitalter des Motocross kehrt nach Sverepec zurück
Wer sich mit Wehmut an die Motocross-Rennen von Namur erinnert, sollte sich das Motocross-Areal von Sverepec (Slowakei) merken. Auf der einst modernsten Strecke der Welt findet das ECMX-Finale statt.
Sverepec gehört zu den schönsten Naturstrecken Europas. Obwohl sie durch einen Wald führt, ist sie von den Zuschauerhängen gut einsehbar. Sie verfügt über lange und steile Auf- und Abfahrten, wie man sie heute auf 'modernen' Strecken nicht mehr findet. Am kommenden Wochenende wird in Sverepec wieder Motocross-Geschichte gelebt, beim Europameisterschafts-Finale des Classic MX Cups 2026.
Prestigeobjekt der Tschechoslowakei
Sverepec liegt in der Slowakei, in der Nähe der Kreisstadt Povážská Bystrica. Die Anlage wurde 1973 errichtet und 1980 massiv ausgebaut und erweitert. Das Motocross-Areal wurde in den 1980er-Jahren zur modernsten Motocross-Strecke der Welt. Der Motocross-Sport spielte für die Tschechoslowakei zu jener Zeit eine wichtige ökonomische Rolle, denn die Marken JAWA und CZ beteiligten sich weiterhin an internationalen Wettbewerben im Offroadbereich. Sportliche Erfolge waren also entscheidend für den kommerziellen Erfolg, für den Export und das Erwirtschaften von Devisen.
Gewaltige Stahlkonstruktion überragt die Strecke
Mit einer für damalige Verhältnisse gewaltigen Stahlkonstruktion für Zeitnahme, Reportage und Rennleitung, überdachten Zuschauertribünen, angesiedelten Versorgungsgebäuden und Werkstätten sowie einem komplett asphaltierten (!) Fahrerlager entstand in Sverepec die modernste Motocross-Arena jener Zeit.
Motocross-Areal im politischen Wandel
1981 fand in Sverepec der erste WM-Lauf der 500er-Klasse statt. Beide Läufe wurden vom tschechoslowakischen Staatsfernsehen live übertragen. Der Franzose Jean-Jacques Bruno gewann hier seinen einzigen 500er-Grand-Prix auf Suzuki. 1989 fiel der 'Eiserne Vorhang' und damit der Ostblock. 1991 wurde der RGW aufgelöst ('Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe'), das Gegenstück zur EU (damals noch EWG). Im selben Jahr wurde auch der Warschauer Vertrag aufgelöst, das Gegenstück zum westlichen Militärbündnis NATO. 1993 erklärte die Slowakei ihre Unabhängigkeit. Die CSSR zerfiel in zwei Staaten, Tschechien und Slowakei. Damit entfiel aber auch die staatliche Förderung der Motocross-Anlage. Erstens befanden sich die tragenden ökonomischen und politischen Säulen des Motorradsports zum überwiegenden Teil im tschechischen Teil der früheren CSSR und zweitens wurde mit der Einführung der Marktwirtschaft die gesamte Sportförderung umstrukturiert. Motocross spielte für die Slowakei keine so wichtige Rolle mehr.
Sverepec MXoN, das Gesellenstück von Giuseppe Luongo
Das Motocross-Areal von Sverepec war aber in malerischer Landschaft vorhanden und die Infrastruktur war vorbildlich. Das erkannte auch der umtriebige Giuseppe Luongo. 1995 organisierte und vermarktete er in Sverepec das Motocross der Nationen und diese Veranstaltung wurde zu einem großen Erfolg. Die FIM war begeistert, das MXoN wurde zu Giuseppe Luongos Gesellenstück. Team Belgien gewann damals mit Stefan Everts, Joel Smets und Marnicq Bervoets vor Team USA und Frankreich.
Der Zahn der Zeit nagte
Ein solch großes Motocross-Areal muss natürlich auch unterhalten und gepflegt werden und genau dieses Thema wurde nach der Unabhängigkeit der Slowakei zum Problem. An der einst modernsten Motocross-Anlage des Globus nagte der Zahn der Zeit: Rost setzte sich an der Stahlkonstruktion an. Die letzten WM-Läufe fanden 2008 im Rahmen der MX3 WM statt.
Totgesagte leben länger
Der Motorsportclub Sverepec um Jozef Drozda stellte sich der Aufgabe, das Motocross-Areal zu retten und weiterzuentwickeln. Drozda hat das 'Nationale Motokrosove Centrum Sverepec' gegründet. Auf der traditionsreichen Anlage sollen auch künftig nationale und internationale Wettbewerbe ausgetragen werden.
Sounds und Technik der goldenen Ära
Am kommenden Sonntag (21. Juni) wird auf der legendären Strecke wieder der Sound der Maschinen zu hören sein, welche Motocross-Geschichte geschrieben haben. Motorräder aus den 1970er-, 80er- und 90er-Jahren, der Geruch von Zweitakt-Motoröl, harte Duelle und eine Atmosphäre, die an die goldenen Zeiten des Motocross erinnert, ohne Lärmverordnungen und ohne Limits: In Sverepec steigt das große Finale des ECMX-Cups 2026, Motocross in seiner reinsten Form.
Die Essenz des Motocross
Mehr als 250 Fahrer aus 14 Nationen werden am kommenden Sonntag in Sverepec mit ihren ikonischen Maschinen und starken Geschichten dabei sein. Es wird die Rückkehr in eine Zeit, in der Motocross mit Herz und Mut gefahren wurde. Hier gibt es Technik, bei der so mancher Fan stehen bleibt, hinschaut, lächelt und sich sagt: Genau das war Motocross!
MX Open am Start
Das Rennen in Sverepec wird aber nicht nur eine Reise in die Vergangenheit sein. Im Rahmenprogramm der Classic Europameisterschaften werden die Piloten der slowakischen MX Open mit modernen Bikes starten und zeigen, dass der slowakische Motocross eine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hat. Hoffen wir, dass das Motocross-Areal in Sverepec erhalten bleibt und die eindrucksvolle Naturstrecke eine Zukunft hat!
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach