Ducati-Sportchef Grassilli zu Marquez-Verhandlungen: «Schwierige Monate»
Später als erwartet stand fest, dass MotoGP-Champ Marc Marquez auch 2027 für Ducati antreten wird. Mauro Grassilli, sportlicher Direktor bei Ducati Corse, exklusiv über die Verhandlungen mit «MM93».
Es war der 23. Juni, als Ducati Corse offiziell den Korken aus der Flasche entließ:
Kaum hatte Marquez mit einem überragenden Comeback überzeugt, stand nun das Karriereende zur Debatte. OP-Tisch und Reha, statt Schaulaufen. Vor einer Unterschrift musste sichergestellt werden, dass sich Marc Marquez wieder zum MotoGP-Dienst einfinden kann. Mauro Grassilli, als sportlicher Direktor bei Ducati Corse für die Vertragswerke mit den Piloten zuständig, musste einen neuen Zeitplan erstellen.
Gegenüber SPEEDWEEEK.com sagte Grassilli: «Ducati verfolgt seit längerem eine klare Strategie. Unser Ziel ist immer, den Weltmeister so schnell es geht für die nächste Vertragsperiode zu sichern. So hatten wir es zuletzt mit Pecco gemacht. Direkt nach dem Titelgewinn 2023 haben wir daran gearbeitet, dass er 2025 und 2026 bei uns fährt.»
Der erste Vertrag mit Marc war einfacherMauro Grassilli
Entsprechend wurde der damalige Champion als erster Athlet der MotoGP vom Markt geholt. Das Prinzip «Weltmeister first» klappte zwei Jahre später nicht, denn der Startschuss fiel mitten in die erste Behandlungsphase nach dem Unfall in Indonesien. Grassilli: «Um ehrlich zu sein, wir haben wirklich schwierige Monate hinter uns. Es war wesentlich einfacher für uns, den ersten Vertrag mit Marc zu schließen. Als er Ende 2024 von Gresini zu Ducati Lenovo wechselte, ging alles unkompliziert.»
Der Italiener weiter: «Die Situation im letzten Winter war alles andere als leicht. Ich bin ehrlich – wir hatten keinerlei Plan B. Was Marc angeht, haben wir alles darangesetzt, mit ihm weiterzumachen, und während der ganzen Zeit – wir reden von Monaten – hat Ducati daran festgehalten. In dieser Zeit gab es für uns keine Alternative, es ging immer nur um Marc.»
Was wagemutig klingt, ist nachvollziehbar. Denn objektiv hätte die Position von Ducati zum Beginn der spannenden Transferphase nicht besser sein können. Das Werks-Team hatte nahezu alle Trümpfe in der Hand, denn der Weggang von Bagnaia war wie der Zugang von Youngster Acosta aus dem KTM-Lager beschlossene Sache. Wäre es zur Katastrophe (für die gesamte MotoGP) gekommen und Marc Marquez hätte aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt eingereicht, so wäre der Champion zwar sportlich für alle verloren gegangen, doch mit Fabio Di Giannantonio, Alex Marquez, Fermin Aldeguer und Nicolo Bulega hätten gleich vier Alternativen parat gestanden.
Doch eine späte Umplanung blieb dem Ducati-Management mit Boss Giggi Dall’Igna, Mauro Grassilli und Davide Tardozzi erspart. Mit dem Doppelschlag beim Ungarn-GP war allen klar, dass der Siegeswille von Marc Marquez noch nicht gestillt ist. Mauro Grassilli ließ den Vertrag von «MM93» unterschreiben – und atmete tief durch.
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