Entgegen der Vernunft: Trackhouse geht das Risiko ein
Lediglich ein Pflaster zeugt von der Verletzung an Raul Fernandez’ linker Hand, doch die OP ist erst sechs Tage her. Wie sich Trackhouse-MotoGP-Manager Davide Brivio überzeugen ließ, ihn in Buriram testen zu lassen.
Mit verletzten oder operierten Rennfahrern haben wir schon die unglaublichsten Geschichten erlebt, damit ließen sich Bücher füllen. Im Vergleich mit anderen Lädierten, die trotzdem auf ihre Rennmaschine stiegen, ist die Verletzung an Raul Fernandez’ linker Hand glimpflich. Nichtsdestotrotz war ein Mittelhandknochen gebrochen und musste vom hochgelobten Dr. Mir wieder geradegerückt und zusammengeschraubt werden. Die Operation war am 6. Februar, vor gerade einmal sechs Tagen. Die meisten Menschen würden mit einer frisch operierten Hand kein Fahrrad besteigen, Fernandez will beim MotoGP-Test in Buriram am Mittwoch und Donnerstag aber unbedingt dabei sein.
Nicht jeder teilte seinen Optimismus, letztlich ließ sich aber auch Teammanager Davide Brivio überzeugen. "Mit solchen Verletzungen steckst du immer in dem Dilemma, ob sich der Fahrer mehr Zeit nimmt um fit zu werden, oder ob er die schnellstmögliche Rückkehr anstrebt", erzählte der Italiener beim Treffen mit SPEEDWEEK.com in der Trackhouse-Hospitality in Buriram. "Meistens ist es der Fahrer, der entscheidet, was er tun möchte. Oder der meint zu wissen, was er tun sollte. Raul hat sehr viel Druck ausgeübt, um hier dabei zu sein. Wir wollten sicherstellen, dass das auch Sinn macht. Alle Ärzte stimmten zu und gaben grünes Licht, also entschieden wir uns, seine Bitte zu akzeptieren."
"Trotz allem Gesagtem ist es wichtig, dass er bei diesem Test dabei ist", unterstrich Brivio. "Wir haben hier die Möglichkeit viel Arbeit zu erledigen, die normal im FP1 am Freitag des Grand Prix ansteht. So kann er sich besser an die Elektronik gewöhnen und an der Abstimmung des 25er-Bikes arbeiten. Das sind alles Dinge, mit denen wir am Freitagmorgen des Rennwochenendes besser gerüstet sein werden."
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Fernandez beurteilt sein Comeback, das er am Mittwoch mit 1,791 sec Rückstand auf den Schnellsten Marc Marquez (Ducati Lenovo) auf Platz 19 unter 21 Fahrern beendete, mit gemischten Gefühlen.
"Ich bin zerstört", hielt der Madrilene fest, der auch eine Zehe gebrochen hat. "Das war mein erster kompletter Tag auf dieser MotoGP-Maschine, körperlich bin ich nach dem Sturz noch nicht so gut aufgestellt. Glücklicherweise gibt es hier wenige Linkskurven, in denen kann ich nicht pushen – wegen des Fingers und der Zehe links. Deshalb kann ich auf dem Bike nicht meine normale Position einnehmen, das ist nahezu unmöglich. Ich kann nicht entspannen und muss mit dem Fuß die ganze Kurve vorsichtig sein, das macht mich fertig. Deshalb werte ich meinen ersten Tag als positiv, meine Pace war gut, das ist das Wichtigste. Ich weiß, dass die anderen bereits einen Punkt erreicht haben, an dem sie das Potenzial ihres Motorrads aufdecken wollen. Bei mir ist das nicht so, ich muss auf meine Arbeit mit gebrauchten Reifen schauen."
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Fernandez geht davon aus, dass sich sein Zustand bis zum Saisonstart auf gleicher Strecke am ersten März-Wochenende deutlich bessert: "Bis dahin will ich wieder bei 100 Prozent sein. Ich ließ mich operieren, um beim Test dabei zu sein. Aber auch, um das Rennen fahren zu können. Wäre ich jetzt nicht dabei, könnte ich wohl auch das Rennen nicht fahren. Ich denke aber eher an die Gegenwart als an die Zukunft."
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