Geheimnis des Marquez-WM-Triumphs? Öhlins und Ducati mit Spezial-Federbein
2025 war die Comeback-Saison des Marc Marquez. Der Spanier fuhr mit fahrerischer Klasse zum MotoGP-Titel – doch unterstützt auch durch eine geheime Exklusiv-Fahrwerks-Entwicklung mit Ausrüster Öhlins.
Nach dem Andockmanöver ins offizielle Ducati-Werksteam 2025 fuhr Spaniens MotoGP-Ikone Marc Marquez phasenweise in einer anderen Liga. Während Teamkollege Pecco Bagnaia in Dauerproblemen mit der GP25-Ducati steckte, ließ Marc Marquez auf der Rennstrecke keine Fragen offen.
Bei zehn der ersten 14 MotoGP-Events holte «MM93» jeweils die maximale Punktezahl. Der Titelgewinn durch das einstige Honda-Aushängeschild war nur eine Frage der Zeit. In Japan wurde schließlich gejubelt – und damit zehn Rennen vor der Saison-Zielflagge in Valencia hieß der neue alte Champion Marc Marquez auf Ducati.
Die fahrerische Kompetenz des neunfachen GP-Champions steht außer Frage, doch sicher ist auch, dass auch ein Marc Marquez siegfähige Technik braucht um von Sieg zu Sieg zu hetzen. Die war in der Struktur von Ducati Corse in jedem Fall vorhanden. Noch vor der Ankunft des Spaniers wurden die Weichen gestellt.
Im Rahmen eines Media-Events des schwedischen Fahrwerks-Giganten am Firmensitz in Upplands Väsby kam eine durchaus bemerkenswerte Technik-Hintergrundgeschichte ans Licht. Jonas Torstensson, verantwortlich für die Motorrad-Rennaktivitäten der Schweden, berichtete gegenüber SPEEDWEEK.com und weiteren ausgesuchten Pressevertretern von einem gemeinsamen Projekt mit Ducati Corse. «Ducati trat an uns heran mit einer Problemstellung – und zusammen haben wir an einer Lösung gearbeitet. Und die haben wir für die konkrete Aufgabenstellung auch gefunden. Was losging mit einer Optimierung des Startvorgangs, führte schließlich zu einer exklusiven Innovation, die auch während des Rennens zum Einsatz kam.»
Konkret? Torstensson: «Es ging darum, einen Weg zu finden, das Heck des Bikes über das Device maximal abzusenken – und dabei gleichzeitig ein Absacken des Hecks über den Stoßdämpfer zu verhindern Nach einer ersten Diskussion entschieden wir uns für ein gemeinsames, exklusives Entwicklungsprojekt. Herausgekommen ist dabei ein neuer Stoßdämpfer, dessen Besonderheit eine hydraulische Vorrichtung ist, welche den Hub begrenzt. Dadurch wird das volle Einfedern begrenzt, die Performance der Dämpfung kann auch bei abgesenktem Heck abgebildet werden.»
Die Lösung ist einfach genial, aber nicht unbedingt genial einfach. Denn um die Funktion zu gewährleisten, musste die Corse-Mannschaft um Gigi Dall’Igna eine hydraulische Kammer mitsamt Steuerung einbringen und den entsprechenden Bauraum für den neuen Dämpfer mit der «Stroke Limiting Device SLD 76» getauften Innovation schaffen.
Techniker und Motorradsportchef Torstensson mit weiteren Einzelheiten. Wir reden bei einem «normalen» Stoßdämpfer in der MotoGP von rund 60 mm Federweg. Wenn der Pilot das SLD aktiviert, wird der Federweg auf 25 mm begrenzt. Das geschieht über eine Plattform, die nach oben fährt und so den Arbeitsweg begrenzt – deaktiviert wird die Plattform mechanisch, zwei vorgespannte Federn holen den Begrenzer zurück.»
Tatsache ist, so verriet der Öhlins-Manager, dass die Entwicklung rund vier Monate in Anspruch nahm und dann exklusiv in der Hand von Ducati Lenovo und in den Bikes von Marc Marquez und Pecco Bagnaia im Einsatz war. Erst mit dem Ende der Saison 2025 endete die Exklusivvereinbarung. Bemerkenswert: Das Federweg-Device wurde von Öhlins nicht patentiert. Der Lösungsansatz steht seit Ende 2025 allen Kunden der Schweden und damit der großen Mehrheit aller Teams zur Verfügung. Lediglich KTM vertraut auf die Technologie von WP Suspension.
Dass Öhlins die Entwicklungsgeschichte des SLD 76 zum jetzigen Zeitpunkt offenlegt, ist nachvollziehbar. Zum einen verliert die schwedisch-italienische Innovation mit dem Verbot des Ride-Height-Device 2027 ihren Einsatzbereich. Zum anderen ist das System in dieser Form bis auf Weiteres nicht relevant für den Einsatz in einem käuflichen Großserienprojekt.
Ob der Einsatz des Spezialdämpfers für die Erfolge 2025 mitentscheidend war, ist in der Rückschau so nicht klar zu beantworten. Bekanntlich kämpfte speziell Pecco Bagnaia mit einer «gefühllosen Front» und aktuell über Gripprobleme am Heck. Die Entwicklungsgeschichte belegt aber auch, dass in der MotoGP selbst für den kleinsten Vorteil auch Berge versetzt werden.
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