Gigi Dall’Igna über Aprilia: Es ist besser, von Freunden besiegt zu werden
Vor dem MotoGP-Wochenende in Indonesien sprach Ducati-Corse-CEO Gigi Dall’Igna über die Titel-Chancen von Marc Marquez. Wie es sich für ihn anfühlt, gegen seine eigene Vergangenheit zu kämpfen.
Vor den letzten sechs MotoGP-Events 2026 haben Ducati und Aprilia in der Konstrukteurs-Wertung exakt gleich viele Punkte (469) auf dem Konto. Die beiden italienischen Werke kämpfen in diesem Jahr aber nicht nur um die Hersteller-Krone, auch in der Fahrer-WM liegen die beiden Marken dicht beieinander. Aprilia-Ass Jorge Martin (333) und Ducati-Pilot Marc Marquez (331) trennen nur zwei Punkte. Nach 16 Grands Prix ging es noch nie so eng zu in der Königsklasse.
Ducati gewann zuletzt vier Fahrer- und sechs Konstrukteurs-Titel in Folge. In diesem Jahr könnten weitere Titel dazukommen. Die Chancen stehen gut, denn Champion Marquez befindet sich momentan in einer sehr guten Phase. Bei den letzten sechs Grands Prix holte er vier Doppelsiege.
Wie schwierig ist die MotoGP-Saison 2026 im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren? «Jede Meisterschaft ist anders und dies ist möglicherweise die schwierigste», meinte Ducati-Corse-CEO Gigi Dall’Igna, der wie Aprilia-Rennchef Massimo Rivola am Donnerstag vor dem Indonesien-GP zu einer speziellen Pressekonferenz eingeladen war. «Wir sind sehr nah dran an unseren Konkurrenten. Klar, wir haben bei den letzten Events einige Rennen gewonnen, aber unser Rivale ist sehr schnell. Es wird nicht einfach sein, die Krone zu holen.»
Nach dem Mugello-Wochenende lag MM93 in der Gesamtwertung 102 Punkte hinter dem WM-Führenden. Damals sagte der Spanier, dass er dieses Jahr wohl keine Chance hat, die Meisterschaft erneut zu gewinnen. Hat es damals Ducati auch so gesehen? «In Mugello lagen unsere Konkurrenten sehr viele Punkte voraus – es war damals schwierig, daran zu denken, am Ende der Saison den Titel erneut zu holen», musste Dall’Igna zugeben. «Unser Job ist es aber, daran zu glauben und jeden voranzutreiben. Marc ist darin der Beste! Er pushte uns enorm, und er glaubte daran. Nun sind wir hier!»
Dall'Igna: «Jorge ist ein Fahrer, der normalerweise im Saisonfinish keine großen Fehler macht»
Jorge Martin und Marco Bezzecchi sind beides ehemalige Ducati-Piloten – Dall’Igna kennt somit die Konkurrenz sehr gut. «Jorge ist ein Fahrer, der normalerweise im Saisonfinish keine großen Fehler macht – das ist ein Vorteil für ihn», räumte der Ingenieur ein. «Aber auch Marc ist es gewohnt, um die Meisterschaft zu kämpfen. Er weiß, was zu tun ist.»
Auch Aprilia ist Gigi Dall’Igna aus seiner Vergangenheit bestens bekannt. Der Italiener arbeitete 20 Jahre für den Hersteller aus Noale, bevor er Ende 2013 zu Ducati wechselte. Ein italienischer Journalist fragte ihn in der Pressekonferenz, wie es sich anfühle, gegen seine Vergangenheit zu kämpfen? «Das stimmt! Es ist meine Vergangenheit, was die Marke und auch die Fahrer angeht. Ich denke nicht sehr über das nach, aber es ist mit Sicherheit eine interessante Frage», antwortete der 60-Jährige. «Ich habe sehr viele Freunde bei Aprilia und wenn uns schon jemand besiegt, dann ist es besser, dass es Freunde sind.» Dall’Igna schaute danach zu Rivola rüber – beide mussten lachen.
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