Johann Zarco (10.) verblüfft beim MotoGP-Comeback: «Das tut meinem Ego gut»
Nach dreieinhalb Monaten Pause meldete sich Johann Zarco bei der MotoGP in Aragon eindrucksvoll zurück. Der LCR-Honda-Pilot zog am Freitag direkt ins Q2 ein und war auf Anhieb bester Honda-Pilot.
Mit einer solchen Rückkehr hatten wohl nur wenige gerechnet. Johann Zarco bestritt am Freitag in Aragon seinen ersten MotoGP-Einsatz seit seinem schweren Sturz in Barcelona Mitte Mai. Von einer langen Eingewöhnungsphase war beim 36-jährigen Franzosen jedoch nichts zu sehen.
Zarco konnte den FP1-Start kaum erwarten
Der Tag für Zarco mit einer kleinen Kuriosität. Der Franzose war am Freitagmorgen der erste Fahrer, der auf die Strecke ging. «Es war schön, heute Morgen als Erster rauszufahren. Ich war selbst überrascht und hatte das gar nicht geplant. Vielleicht wollte ich einfach zu viel und bin deshalb zu früh aus der Box gefahren», scherzte der zweifache Moto2-Weltmeister.
Viel wichtiger war Zarco jedoch, dass er vom ersten Moment an schnell war. «Der Speed war sofort da, und das war sehr cool. Ich hatte dabei ein etwas anderes Gefühl als vor meiner Pause. Das war sehr angenehm, denn es ist ein Zeichen dafür, dass es bei diesem Motorrad noch einige Schlüssel zu finden gibt, um sich zu verbessern», berichtete Zarco.
Wie sein Körper auf die Beanspruchung reagierte
Auch körperlich überstand der Rückkehrer den ersten Tag ohne größere Schwierigkeiten. Schmerzen bereitete ihm sein linkes Knie nicht. Allerdings muss sich die Muskulatur erst wieder an die Belastungen auf dem MotoGP-Bike gewöhnen. «Ich bekomme ziemlich schnell leichte Krämpfe. Darum habe ich mich nach der Session gekümmert und werde am Abend noch eine gute Massage bekommen. Die Krämpfe könnten sonst zum Problem werden.»
Im Zeittraining wurde Zarco dann wieder mit der vollen Intensität der MotoGP konfrontiert. «Am Nachmittag war das Tempo sofort höher und intensiver. Da dachte ich mir: Wow, das ist intensiv», gestand der Honda-Pilot. Bei seinem ersten Angriff auf die Bestzeit hatte Zarco mit Alex Marquez einen schnellen Referenzfahrer vor sich. Doch der Gresini-Pilot war zu schnell. «Ich konnte ihm nicht folgen und dachte, dass es dadurch schwierig werden würde, in die Top-10 zu kommen.»
Auch vor seinem letzten Versuch war Zarco nicht besonders optimistisch. «Ich dachte: Okay, ich probiere es, aber vielleicht ist die Chance schon weg. Dann habe ich versucht, alles richtig zu machen – und es hat funktioniert.»
Zarco erkannte bereits beim Fireblade-Test: Der Speed ist noch da!
Dass er nach dreieinhalb Monaten ohne MotoGP-Rennwochenende derart schnell wieder konkurrenzfähig war, kam für Zarco dennoch nicht völlig unerwartet. Seine Trainingsfahrten mit dem Honda-Superbike hatten ihm bereits gezeigt, dass die Geschwindigkeit weiterhin vorhanden ist.
«Deshalb war es gut, nur drei Monate und nicht sechs Monate auszufallen», meinte Zarco. Gleichzeitig sieht er in der unfreiwilligen Pause möglicherweise sogar einen Vorteil. «Es ist möglich, dass eine Pause vor allem für den Körper, aber auch für den Kopf und die Seele etwas Gutes sein kann.»
Stolz auf seine Vorstellung wollte Zarco dennoch nicht sein. «Stolz? Nein. Aber ich bin sehr glücklich, wieder hier zu sein. Wir vergleichen uns immer mit den anderen Fahrern, und es ist schön, zurückzukommen und sagen zu können: Okay, ich bin da. Das tut meinem Ego natürlich gut», schmunzelte der Franzose.
Nach dem überraschenden Q2-Einzug steigen für Samstag die Ansprüche. Zarco möchte im Qualifying noch weiter nach vorn und strebt einen Platz in den ersten beiden Startreihen an. Dafür dürfte allerdings eine Rundenzeit im Bereich von 1:45 min notwendig sein – und genau dort hat der Honda-Pilot Zweifel an den Möglichkeiten der RC213V.
«Ich würde morgen gerne in den ersten beiden Reihen stehen, um eine Chance auf einen guten Sprint zu haben. Aber ich weiß nicht, wie wir eine 1:45er-Zeit schaffen», räumte Zarco ein. Hoffnung macht ihm das veränderte Gefühl auf der Honda. «Ich bin glücklich darüber und möchte daran arbeiten, um vielleicht einen weiteren Schritt zu machen, den wir bislang noch nicht kennen. Aber nach dem, was ich bisher gefahren bin, frage ich mich, ob eine 1:45er-Zeit überhaupt möglich ist.»
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