Luca Marini (8.) versteht HRC nicht: «Warum sollten wir Zeit verschwenden?»
Luca Marini fuhr beim MotoGP-Spektakel auf dem Sachsenring als bester Honda-Pilot auf Rang 8. Er fordert von HRC mehr Mut, schon in dieser Saison neue Teile zu testen.
Von Startplatz 13 aus arbeitete sich Luca Marini im 30-Runden-Rennen auf dem Sachsenring nach vorne. Bereits in der ersten Runde kassierte er Teamkollege Joan Mir und Franco Morbidelli (Ducati). Danach hing der Italiener lange hinter Jack Miller (Yamaha) fest, an dem kein Vorbeikommen war – bis dem Australier gegen Ende der Reifen einging. Dank mehrerer Ausfälle vor ihm spülte es Marini auf Rang 8 vor, 18,6 Sekunden hinter dem «Sachsenring-König» Marc Marquez. Damit war Marini bester Honda-Pilot. Im japanischen Herstellerduell lag nur Yamaha-Pilot Fabio Quartararo vor ihm.
Honda verliert gegen Yamaha im «Japan-Cup»
Für Marini war Rang 8 das Maximum: «Wir haben das Beste erreicht, was im Moment möglich war. Das ist das Potenzial, das wir in dieser ersten Saisonhälfte gezeigt haben. Besser als P8 ist schwierig, abgesehen von speziellen Gelegenheiten.» Nach dem Sprint, bei dem er nicht in die Punkte fuhr, habe man das Setup des Bikes komplett auf den Kopf gestellt. «Mir gefiel die Abstimmung nicht. Also sind wir für das Rennen zu meinem Basis-Setup zurückgekehrt, und das war der beste Kompromiss.»
Der Sonntag sei ohnehin die schwierigste Session. Nach dem Moto2-Rennen, bei hohen Temperaturen und mit dem harten Hinterreifen mit weniger Grip. Auf dem Sachsenring habe nicht nur das Heck Probleme bereitet: «Ich hatte viel Untersteuern und Bewegung an der Front, es war nicht leicht, in die Kurven einzulenken.» Zum Duell mit den Yamaha sagte Marini, Miller sei zunächst schnell gewesen, dann aber von einer Runde zur anderen deutlich langsamer geworden. «Es sah aus, als hätte er ein Problem gehabt.» Er hatte genügend Zeit, die Konkurrenz zu analysieren: «Die Yamaha-Fahrer lenken sehr gut ein. Für uns ist das im Moment nicht so einfach, wir kämpfen damit mehr.» Sein Fazit im Duell zwischen Honda und Yamaha fällt zugunsten des anderen Herstellers aus. «Yamaha war das ganze Wochenende etwas besser als wir. Wir haben den Japan-Cup verloren. Das ist ein Punkt für sie.»
Marini bester Honda-Mann: Trotzdem auf dem Abstellgleis
Deutliche Worte fand Marini beim Blick auf die Entwicklung. Man habe in der ersten Saisonhälfte alles probiert, «und am Ende sind die Probleme immer dieselben.» Nun brauche es mehr Druck: «Wir müssen die Ingenieure und die Japaner mehr pushen, damit sie uns für die Zukunft ein paar schärfere Teile bringen.» Warum warten, fragt er, wenn ein Teil, das jetzt komme, auch 2027 nutzbar sei? «Dann sammelt man einfach mehr Daten. Warum also Zeit verschwenden? Wir sind mit P8 nicht zufrieden. Letztes Jahr waren wir an diese Position gewöhnt, wir wollten mehr erreichen. In dieser ersten Saisonhälfte war es nicht möglich.»
In der WM ist Marini mit 79 Punkten in die Top-10 vorgerückt – deutlich besser als zum selben Zeitpunkt vor der Sommerpause im Vorjahr. Eine Zukunft bei HRC hat er trotz konstanter Leistungen dennoch nicht: Als Nachfolger im Werksteam sind andere Namen gesetzt und im Gespräch. Marini wird stattdessen bei KTM Tech3 gehandelt, wo er als Routinier an der Seite eines Moto2-Piloten von Intact GP fahren könnte.
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