Jorge Martin nach Sprint-Samstag: Letzte Aprilia, WM-Führung schmolz dahin
Die Voraussetzungen schienen günstig, doch zum Ausbau der WM-Führung reichte es für Aprilia-Werksfahrer Jorge Martin im MotoGP-Sprint nicht. Zu spät war der Noch-Tabellenführer ins Rollen gekommen.
«Eine ganze Menge weiterer Fahrer sind im Rennen um die Weltmeisterschaft, und die haben es alle besser gemacht als ich.» Selbstkritische Worte von Jorge Martin, die zumindest das Qualifying des MotoGP-Wochenendes am Sachsenring für den Aprilia-Werksfahrer zusammenfassen. Denn von den aktuell fünf bestplatzierten Fahrern in der MotoGP-Gesamtwertung hatte Martin am Samstag mit Rang 9 den schwächsten Startplatz zu verzeichnen.
Am Ende des Samstagsrennens sollte es mit Platz 6 zumindest noch zur Schadensbegrenzung reichen. Das verletzungsbedingte Aussetzen von Teamkollege Bezzecchi spielte dem «Martinator» damit ebenso in die Karten wie die ansteigende eigene Formkurve im Sprintrennen. Feinschliff an den Elektronikeinstellungen seiner RS-GP sei dies zum Teil zu verdanken gewesen, ebenso wie die Aggressivität des Spaniers in der ersten Runde: «Am Vormittag habe ich 3 bis 4 Zehntelsekunden auf die restlichen Aprilia-Kollegen verloren. Für den Sprint haben wir am Setup einiges verändert, denn dabei hatten wir uns verrannt.»
Veränderungen, die dem Spanier sichtbar Selbstvertrauen gaben. Drei Konkurrenten konnte der Madrilene in der ersten Runde der Samstagswettfahrt hinter sich lassen, auch dank unfreiwilliger Schützenhilfe der Konkurrenten Bagnaia, Quartararo und Morbidelli: «Ich habe gesehen, dass sie in Zweikämpfen verwickelt und darum langsamer unterwegs waren, also habe ich die Gelegenheit ergriffen.» Nicht zum ersten Mal hat der MotoGP-Weltmeister von 2024 einen so großen Sprung nach vorn im ersten Umlauf verzeichnet: «Das ist mir 2023 gegen Jack Miller und Pecco schon mal gelungen. Leider war es das einzige Positive am Samstag.»
Über eine Runde schneller als Sieger Marc Marquez
Dabei blitzte das Potenzial des Spaniers auch im Sprintrennen auch in Sachen Speed auf: Die zweitschnellste Runde drehte der Mann mit der Nummer 89 und war damit zwar langsamer als der später Drittplatzierte Fabio Di Giannantonio, jedoch flotter als Sieger Marc Marquez und entsprechend auch schnellster Aprilia-Pilot.
Eine Verbesserung, die so spät kommt, dass der Tabellenführende aber erst Arbeits-Rückstand vom bisherigen Wochenende aufholen müsse: «Mein Sprint war für mich wie das FP2, denn all meine Arbeit bis dahin war nutzlos. Ich habe freitags zu oft Probleme und werde in der zweiten Saisonhälfte Lehren daraus ziehen müssen, um den Rest des Jahres nicht immer mit Erfahrungsrückstand in die Rennen zu gehen.» Für den Sonntag des Sachsenring-Spektakels gelte es, sich auf die positiven Aspekte zu konzentrieren: «Wir haben nun einen Schritt vorwärts gemacht. Dem müssen am Sonntag weitere Schritte folgen. Mal sehen, ob wir noch mehr im Köcher haben.»
In den Grand Prix am Sonntag geht Jorge Martin mit nun 11 Punkten Vorsprung auf Marco Bezzecchi, der auch am Sonntag verletzungsbedingt aussetzen wird. Der Abstand auf Fabio Di Giannantonio ist durch dessen dritten Platz auf nur noch 13 Zähler geschmolzen. Und: Marc Marquez, bislang mit 18 Siegen über die kurze Distanz im Gleichstand mit Jorge Martin, ist nun der erfolgreichste MotoGP-Sprinter.
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