Sportchef Barbier: «Pirelli hat die Luftdruckregel nie in Frage gestellt»
Regelmäßig sorgte die Regel zum Reifenluftdruck für rote Köpfe im MotoGP-Fahrerlager. Wird sich das umstrittene Thema ab 2027 mit Pirelli auflösen? Das fragte SPEEDWEEK.com Sportchef Giorgio Babier.
Aus der Sicht der meisten Beteiligten ist die gegenwärtige Regel in der MotoGP zur Kontrolle des Reifenluftdrucks eine Plage, denn ein Gewinn. Gedacht als Kontrollinstrument im Sinne der Sicherheit ist der Mehrwert der komplex zu überwachenden Regel, zumindest in der Außenwahrnehmung, nicht zu erkennen. Was auch der Tatsache geschuldet ist: Das Thema «Reifen» ist für das Publikum eine abstrakte, schwer nachvollziehbare und damit ungeliebte Materie.
Der Sachverhalt ist kaum jemandem, der unterhalb des Status eines MotoGP-Crewchiefs steht, zu vermitteln ist Entsprechend verlieren Rennen, bei denen das Resultat Stunden nach der Zieldurchfahrt nach Zeitstrafen noch einmal auf den Kopf gestellt wird, ihre Glaubwürdigkeit. So gesehen etwas beim bereits ohne Luftdruckvergehen dramatischen Catalunya-GP. Während die Medien in erster Linie damit beschäftigt waren, mehr über die Sturzopfer Alex Marquez und Johann Zarco in Erfahrung zu bringen,
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Die 2022 probeweise und 2023 permanent eingeführte wird regelmäßig kritisiert. Doch Reifenausrüster Michelin und die Technik-Gremien der MotoGP halten dagegen. Kernargument ist die eingesetzte Technologie. Laut Ausrüster ist die fraglos fantastische Leistung der Rennreifen nur in einem streng definierten Fenster aus vielen Parametern darstellbar. Abweichungen können nicht toleriert werden, wenn es um die Betriebssicherheit bei einem MotoGP-Motorrad geht, so die Sicht der Verantwortlichen.
Wenig überraschend kann man beim zukünftigen MotoGP-Reifenausrüster nachvollziehen, dass die aktuelle Regelung nicht grundlos installiert wurde und Vergehen gegen einen Fahrer mit zu geringem Luftdruck rigoros geahndet werden Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com äußerte sich Rennsportchef Giorgio Barbier auch zum dem strittigen Thema.
«Es ist nachvollziehbar, dass es kein einfaches Thema ist. Entsprechend muss man es handhaben. Von Beginn an haben wir gesagt, dass wir bereit sind, diese Regel ohne Vorbehalte akzeptieren Wenn der jetzige Ausrüster diesen Prozess gemeinsam mit der MotoGP etabliert, dann gibt es einen guten Grund dafür. Und wenn es um das Thema Betriebssicherheit in diesem Sport geht, ist das sehr ernst zu nehmen», so Barbier.
Pirelli schließt eine Abschaffung der Regel nicht aus
Der Italiener ergänzt: «Wir würden uns eine andere Sicht heute nicht anmaßen, denn wir hatten bis vor kurzem null Erfahrung mit der speziellen Technologie eines MotoGP-Bikes. Die mittlerweile existierenden Aerodynamik-Lösungen haben Einfluss auf Luftströme und Temperaturen Und dann sind da natürlich die Bremsen. Die Karbonscheiben entwickeln ganz andere Temperaturen, das sind Faktoren, mit denen wir bei den Superbikes so nicht zu tun hatten.»
Was laut Barbier aber nicht bedeutet, dass die Reifendruckregel ein Gesetz für die Ewigkeit ist. Pirelli sieht es eher als Herausforderung, MotoGP-Spitzenreifen ohne Kontrollsystem zu entwickeln. «Wir werden das System zur Luftdruckkontrolle übernehmen. Dann wird sich zeigen, ob wir damit weiterarbeiten werden, sie in Abstimmung mit der MotoGP modifizieren – oder aber wir werden in der Lage sein, sie abzuschaffen. Doch diese Aussage, die muss auch vom Team kommen. Erst einmal müssen wir alle gemeinsam durch die Lernphase. Was ich aber sagen kann: Alle bisherigen Tests mit MotoGP-Bikes haben keine Probleme in diese Richtung gezeigt.»
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