Toprak musste lernen, mit Niederlagen umzugehen: «Bin direkt ins Motorhome»
In der Superbike-WM war Toprak Razgatlioglu das Siegen gewohnt. Seine schwierige MotoGP-Saison setzte dem Türken zunächst erheblich zu. Inzwischen hat er gelernt, anders damit umzugehen.
Für Toprak Razgatlioglu bedeutete der Wechsel aus der Superbike-WM in die MotoGP eine gewaltige Umstellung. Dabei musste sich der dreifache Superbike-Weltmeister nicht nur an die Yamaha und die Michelin-Reifen gewöhnen. Auch mental stellte ihn die neue Situation vor eine Herausforderung.
In der Superbike-WM war Razgatlioglu über Jahre daran gewöhnt, um Siege zu kämpfen. Rennen in Serie zu gewinnen und regelmäßig auf dem Podest zu stehen, gehörte für den Türken zum Alltag. Nach seinem Wechsel in die MotoGP änderte sich die Situation schlagartig.
Magere Ausbeute: 14 Punkte aus 13 Rennwochenenden
Mit der unterlegenen Pramac-Yamaha sammelte Razgatlioglu an den ersten 13 Rennwochenenden lediglich 14 WM-Punkte. Damit belegt er aktuell den 21. und letzten WM-Rang der vier Yamaha-Piloten. Ein Top-10-Ergebnis gelang ihm bislang nicht, Platz 13 beim Grand Prix in Le Mans ist weiterhin sein bestes Resultat.
Dass ihm der Umgang mit diesen Rückschlägen zunächst schwerfiel, räumte Razgatlioglu zuletzt in Aragon offen ein. «Es ist kein einfaches Jahr für mich. Am Anfang bin ich immer direkt ins Motorhome gegangen und dort geblieben», schilderte der 29-Jährige, wie sehr ihm enttäuschende Rennwochenenden zusetzten.
Mittlerweile hat Razgatlioglu gelernt, seine Herangehensweise zu verändern und selbst schwierigen Wochenenden positive Aspekte abzugewinnen. «Jetzt versuche ich einfach, mich auf die guten Bereiche zu konzentrieren. Okay, das Wochenende läuft vielleicht sehr schlecht, aber ich versuche, mich auf die positiven Dinge zu fokussieren.»
Eine wichtige Rolle spielt dabei sein Pramac-Team. «Ich bin meinem Team sehr dankbar, denn jeder hilft mir dabei, stark zu bleiben. Das ist sehr gut», betonte Razgatlioglu. «Ich fühle mich wie in einer Familie. Ich bin nicht allein. Alle stehen hinter mir und treiben mich an, damit ich lerne.»
Wichtiges Lernjahr vor dem Durchbruch?
Zu lernen gibt es für den Superbike-Star reichlich. Besonders die Michelin-Reifen bereiten ihm weiterhin Schwierigkeiten. «In einigen Bereichen lerne ich viel. Bei den Reifen versuche ich immer noch zu lernen. Ich habe einige Dinge verstanden, aber es fällt mir weiterhin nicht leicht, mit dem Hinterreifen umzugehen.»
Mit dem Vorderreifen kommt Razgatlioglu nach eigener Aussage besser zurecht und kann dessen Limit inzwischen einschätzen. Dennoch kämpft er speziell beim Bremsen mit mangelndem Grip und einem blockierenden Vorderrad. «Auf der Bremse kann ich das Limit gut verstehen. Aber es gibt keinen Grip und das Vorderrad blockiert. Auf dieser Strecke ist es unglaublich. In jeder Kurve und in jeder Runde blockiert mein Vorderreifen.»
Statt sich davon entmutigen zu lassen, betrachtet Razgatlioglu seine schwierige Rookie-Saison inzwischen auch als Vorbereitung auf die Zukunft. Ein wichtiger Punkt ist dabei die für ihn ungewohnte Kurvengeschwindigkeit, die in der MotoGP eine deutlich größere Rolle spielt als bei seinem bisherigen Fahrstil.
«Kurvenspeed ist nicht mein Stil. Wenn ich das in diesem Jahr lerne, brauche ich es vielleicht im nächsten Jahr», überlegte der Yamaha-Pilot mit Blick auf den Wechsel von Michelin zu Pirelli in der MotoGP. Die italienischen Reifen könnten seinem Fahrstil grundsätzlich stärker entgegenkommen.
«Natürlich könnte der Pirelli-Reifen besser zu meinem Stil passen. Aber ich brauche auch Kurvenspeed. Vielleicht hilft mir das im nächsten Jahr und in der Zukunft», erklärte Razgatlioglu.
So versucht der erfolgsverwöhnte Türke, aus seiner bislang schwierigen ersten MotoGP-Saison einen Nutzen zu ziehen. Die Umstellung fällt ihm nicht immer leicht, wie er selbst zugibt: «Ich versuche immer, ein wenig auf die positive Seite zu schauen. Manchmal ist das nicht einfach. Aber ich versuche, so zu bleiben.»
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