MotoGP-Teammanager: Warum Talent allein längst nicht mehr ausreicht
Früher konnte außergewöhnliches Talent den Unterschied machen. Heute müssen MotoGP-Piloten Topathleten, Entwicklungshelfer und zugleich Profis im Umgang mit Medien und Sponsoren sein.
Die Anforderungen an einen erfolgreichen MotoGP-Piloten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Außergewöhnliches Talent auf dem Motorrad bleibt zwar die wichtigste Voraussetzung, reicht im modernen Grand-Prix-Sport allein aber längst nicht mehr aus. Neben körperlicher Fitness und akribischer Arbeit mit den Ingenieuren spielen inzwischen auch Verpflichtungen abseits der Rennstrecke eine immer größere Rolle.
Pablo Nieto, Teammanager des VR46-Ducati-Teams, hat diese Entwicklung aus nächster Nähe miterlebt. Der Spanier wuchs als Sohn des 13-fachen Weltmeisters Angel Nieto im Grand-Prix-Fahrerlager auf, bestritt selbst jahrelang Rennen in der Motorrad-WM und arbeitet heute auf der anderen Seite der Box.
«Der Sport wurde immer professioneller. Früher reichte natürliches Talent aus, um außergewöhnliche Ergebnisse zu erreichen. Das ist nicht mehr ausreichend», stellte Nieto in einer Talkrunde von MotoGP.com fest. «Man muss auf dem Motorrad talentiert sein und hart arbeiten. Man muss intensiv mit dem Team arbeiten, aber auch außerhalb der Rennen.»
MotoGP-Piloten sind Topathleten und Medienprofis
Vor allem die körperlichen Anforderungen haben sich enorm erhöht. Die heutigen MotoGP-Piloten absolvieren längst ein Trainingspensum, das dem anderer Spitzensportler in nichts nachsteht. «Der Sport ist körperlich sehr anstrengend geworden. Man muss ins Fitnessstudio gehen, mit dem Motorrad trainieren, Motocross fahren und auf seine Ernährung achten», zählt Nieto auf.
LCR-Honda-Teamchef Lucio Cecchinello sieht die gleiche Entwicklung. Der Italiener, der selbst viele Jahre als Grand-Prix-Pilot aktiv war, verweist dabei auf die jüngere Fahrergeneration. «Der Sport hat sich entwickelt. Talentierte Fahrer wie Manuel Gonzalez oder David Alonso sind richtige Athleten. Sie sehen aus wie Olympioniken.»
Doch Fitness und fahrerisches Können sind nur ein Teil des Anforderungsprofils. Durch die zunehmende Professionalisierung müssen die Piloten auch außerhalb der Strecke immer mehr Aufgaben übernehmen. Kommunikation mit den Ingenieuren, Medienarbeit und Auftritte für Sponsoren gehören heute selbstverständlich zum Beruf.
Zahlreiche Stunden in Flugzeugen und bei PR-Events
«Früher musste man nur Motorrad fahren, das war alles», erinnert sich Nieto. «Jetzt muss man ein Profi sein im Umgang mit den Medien, seinen Ingenieuren und den Sponsoren. Ein MotoGP-Pilot muss pro Jahr mindestens 20 Tage einplanen, um weltweit Sponsoren- und Medientermine wahrzunehmen.»
Für die Teams ist das Auftreten ihrer Fahrer längst auch ein wirtschaftlicher Faktor. Sponsoren erwarten nicht nur sportliche Erfolge, sondern Piloten, die ihre Partner professionell repräsentieren. «Wenn ich einen Fahrer habe, der nicht gut im Umgang mit den Sponsoren ist, dann kann mein Sponsor sagen, dass er diesen Fahrer nicht mag», erklärt Nieto. «Wir müssen den Fahrern von Beginn an zeigen, wie wichtig dieser Bereich ist.»
Damit hat sich auch das Idealbild eines MotoGP-Piloten gewandelt. Pures Naturtalent kann noch immer die Grundlage für eine große Karriere bilden. Um sich dauerhaft an der Spitze zu etablieren, braucht es heute jedoch das komplette Paket: Geschwindigkeit, körperliche Fitness, technisches Verständnis, Disziplin und Professionalität – auf und neben der Rennstrecke.
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