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MotoGP

Kolumne

Valentino Rossi: Was steckt hinter seinen Vorwürfen?

Valentino Rossi ruderte auch nach dem Valencia-GP keinen Millimeter zurück. Er wetterte gegen Márquez und Lorenzo. Aber damit wird er sich langfristig keinen Gefallen tun.

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Das Podest in Valencia: Sieger Jorge Lorenzo neben Márquez und Pedrosa
Das Podest in Valencia: Sieger Jorge Lorenzo neben Márquez und Pedrosa
Foto: Gold & Goose
Das Podest in Valencia: Sieger Jorge Lorenzo neben Márquez und Pedrosa
© Gold & Goose

Das Porzellan zwischen Valentino Rossi und Marc Márquez ist zerschlagen. In Zukunft wird dieses Verhältnis nicht mehr zu kitten sein.

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Denn der Italiener hat den Spanier seit dem Australien-GP in Verdacht, die Weltmeisterschaft zugunsten seines Landsmanns Jorge Lorenzo beeinflusst zu haben.

Und Marc Márquez tat in Malaysia gar nichts, aber schon gar nichts, um diesen Vorwurf zu entkräften.

Und wenn er mit Rossi in Sepang neunmal in einer Runde die Positionen gewechselt hat, dann ist es doch seltsam, dass er in den 30 Rennrunden von Valencia keinen einzigen ernsthaften Überholversuch gegen den führenden Lorenzo gestartet hat.

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Das sah sehr verdächtig nach einem Stillhalteabkommen aus.

Rossi sprach auf Italienisch wörtlich von einem "biscotto", das ist eine heimliche Absprache zwischen zwei Parteien, meist zum Nachteil eines Dritten. Dieser Begriff wurde auch beim italienischen Bestechungsskandal im Fussball gebraucht.

Valentino Rossi machte nach der WM-Niederlage in Valencia aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Rossi sagte zwar, Marc Márquez repräsentiere die Zukunft des MotoGP-Sports, denn er sei schnell und stark, er werde noch viele Rennen und Titel gewinnen.

Aber er bezeichnete ihn als Lügner, weil er nicht eingestehen will, dass er bei den letzten drei Grand Prix Einfluss auf die WM-Entscheidung genommen hat.

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Rossi: Vorwürfe gegen Lorenzo

Rossi, MotoGP-Vizeweltmeister 2014 und 2015, wetterte über den spanischen Repsol-Honda-Fahrer, weil der sich angemasst habe, die WM-Niederlage von ihm, Rossi, herbeizuführen. Er schimpfte, Márquez sprenge alle Limits, auf und neben der Piste.

Nach dem Rennen sagte Rossi zu Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta: "Da hast du die Bescherung. Es ist genau das passiert, was ich dir am Donnerstag prophezeit habe." Das italienische Fernsehen hat dieses Gespräch mitgeschnitten.

Rossi verschonte in seinem heiligen Zorn auch seinen Teamkollegen Jorge Lorenzo nicht. "Auf der Piste ist Jorge schnell und ein korrekter Rennfahrer", hielt der neunfache Weltmeister fest. "Aber entweder ist er dumm oder er hat ein schlechtes Gewissen. Denn seine Aussagen lassen mich vermuten, er habe etwas zu verbergen."

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"Diese ganzen Vorkommnisse sind sehr schlecht für den Sport", stellte Valentino fest. "Aber der wahre Leidtragende bin ich."

Es lässt sich schwer abschätzen, ob Rossis Behauptungen teilweise oder vollumfänglich den Tatsachen entsprechen.

Klar, Marc Márquez hat sich noch nie so friedlich mit einem zweiten Platz abgefunden wie an diesem herrlichen November-Sonntag in Valencia. Aber hat er sich bei den letzten drei Rennen wirklich von Lorenzo als Leibwächter missbrauchen lassen?

Die Wahrheit lässt sich schwer ergründen. Beweisen lässt sich gar nichts. Wir bewegen uns im Bereich der Spekulation und auf dem Boden von Mutmassungen.

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Bei Halbzeit in Valencia pendelte der Abstand zwischen Lorenzo zwischen 0,3 und 0,6 Sekunden.

Hielt sich Marc Márquez absichtlich zurück, wie es Rossi vermutet?

Wir wissen es nicht.

Blicken wir zurück zum Indianapolis-GP. Dort blieb Márquez auch lange brav hinter Jorge. Aber in Indy ist die Gerade etwas länger als in Valencia, also konnte er dank des besseren Top-Speeds irgendwann vorbeischlüpfen und gewinnen.

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Wir haben 2015 alle möglichen Rennsituationen erlebt. Wir haben gesehen, wie Márquez beim Versuch an Jorge Lorenzo dranzubleiben stürzte. Zum Beispiel in Aragón. Wir haben gesehen, wie Márquez beim Duell gegen Rossi stürzte. Zum Beispiel in Argentinien. Und wir haben gesehen, wie Marc 2014 in Australien mit 4-Sekunden-Vorsprung in Führung liegend stürzte.

Aber in diesem Jahr hat Marc Márquez sicher weniger Selbstvertrauen als im Vorjahr, Jorge Lorenzo dagegen sehr viel mehr.

Rossi liess den Emotionen freien Lauf

Randy Mamola sah sich das Rennen in Turn 13 gemeinsam mit der Formel-1-Gilde Adrian Newey, Mark Webber und Martin Brundle an. "Wir konnten alle nicht glauben, wie schnell Jorge unterwegs war – trotz all dieses Drucks", sagte Randy.

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Rossi wetterte, Marc Márquez sei nicht voll gefahren, deshalb habe Dani Pedrosa im Finish aufgeschlossen.

Tatsächlich kam Dani plötzlich zwei, drei oder vier Zehntel pro Runde näher. Aber das hatte auch damit zu tun, dass Lorenzos Reifen nachliessen, ausserdem konnte er plötzlich seine Pace von 1:31,5 min nicht mehr halten.

"Warum regt sich Valentino auf? Er ist kaum jemals unter 1:32 min gefahren im Rennen", sagt Randy Mamola. "Und Jorge ist halt am Schluss auf diese Pace zurückgefallen. Vielleicht konnte auch Marc nicht mehr schneller fahren."

Valentino Rossi ist in den letzten zwei, drei Wochen mehrmals explodiert, er hat seinen Emotionen freien Lauf gelassen.

Jetzt muss der Superstar aufpassen, dass dieser Schuss nicht nach hinten losgeht.

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Marc Márquez und Jorge Lorenzo sind andere fahrerische Kaliber als Max Biaggi und Sete Gibernau. Und sie sind mental stärker.

Sie werden sich nicht unterkriegen lassen.

Rossi wird sich für den Rest seines Lebens einer starken spanischen Armada gegenüber sehen.

Márquez und Lorenzo sind starke Persönlichkeiten. Sie werden sich durch gutes Zureden der Funktionäre von FIM und Dorna nicht von ihren Weg abbringen lassen. Die Saison 2016 wird mit unerbittlicher Härte geführt werden.

Die Race Direction wird 2016 ein strenges Auge auf die Geschehnisse werfen müssen. Denn niemand von den Akteuren wird klein beigeben.

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"Ich mache mir etwas Sorgen", seufzte Rossi. "Denn wenn sich ein Fahrer entscheidet, einem anderen übel mitzuspielen. Wo ist dann die Grenze?"

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