Dr. Angel Charte über Marquez und Martin: «Sie sind sehr kühle Typen»
MotoGP-Chefarzt Dr. Angel Charte spricht über die Unterschiede zwischen den Fahrern in der Motorrad-Weltmeisterschaft. Welche Besonderheiten Marc Marquez und Jorge Martin aufzuweisen haben.
In den ersten beiden Teilen des Interviews von SPEEDWEEK.com mit MotoGP-Arzt Dr. Angel Charte sprach der Spanier über die Verbesserung der medizinischen Versorgung auf der Rennstrecke und die Ideen für die Zukunft. In Teil 3 geht der Mediziner auf die Unterschiede zwischen den Fahrern der MotoGP, Moto2 und Moto3 ein.
Angel, gibt es einen Unterschied zwischen den Fahrern der Moto3, Moto2 und MotoGP? Zweifellos. Ich glaube, der Unterschied ist sehr groß, vor allem auf mentaler Ebene. Wir sehen es jeden Tag in ihren Gesichtern. Die Moto3-Fahrer müssen sich ihren Lebensunterhalt hart erarbeiten und sich weiterentwickeln, um in die Moto2 aufzusteigen, und die Moto2-Fahrer müssen das tun, um in die MotoGP zu kommen.
Auf mentaler Ebene ist das sehr wichtig. Ich habe in den ersten Runden nur wenige schwere Stürze gesehen. Sehr wenige. Die Fahrer meistern diese Situationen perfekt. Man muss zudem bedenken, dass sich ein 15- oder 20-Jähriger, der in die Moto3 einsteigt, schwer verletzen kann. Auch eine Moto3-Maschine kann sehr gefährlich sein.
Medizinisch gesehen behandeln wir jedoch alle genau gleich. Für mich erhalten Marquez und der letzte Moto3-Fahrer genau die gleiche medizinische Versorgung.
Liegt der grundlegende Unterschied also in der Erfahrung? Ja. Die Motorräder sind unterschiedlich, haben verschiedene Hubräume und alles ändert sich, aber mental entwickeln sie sich jeden Tag weiter. Sie lernen immer besser zu fahren, entwickeln sich mental weiter und sammeln Erfahrung im Umgang mit dem Motorrad.
Wenn man Fahrer wie Martin oder Marquez von außen betrachtet, strahlen sie eine enorme Gelassenheit und Kontrolle aus. Glaubst du, dass die schweren Verletzungen, die sie erlitten haben, sie mental auf eine neue Stufe gebracht haben könnten? Ich weiß nicht, ob genau diese Aussage richtig ist. Was ich jedoch weiß, ist, dass beide sehr ausgeprägte Fahrstile haben. Ich kenne sie auch außerhalb dieses Kontexts und habe sie auch schon nach dem einen oder anderen Sturz gesehen. Sie sind sehr, sehr kühle Typen, und ich glaube, sie haben bestimmte Fähigkeiten, die sie beim Fahren stark weiterentwickelt haben. Das heißt nicht, dass sie keine Fehler machen. Beide machen sie.
Aber diese Gelassenheit, die wir von außen sehen, bedeutet nicht, dass sie innerlich ruhig sind. Ihr Puls kann bei 140 oder 150 liegen und sie können eine enorme Menge Adrenalin im Körper haben.
Können ein schwerer Unfall, eine schwere Verletzung oder eine lange Genesungsphase die Perspektive eines Fahrers verändern, wenn er wieder ins Renngeschehen zurückkehrt? Natürlich. Eine schwere Verletzung kann ihre Einstellung verändern. Es gibt Fahrer, die von einer schweren Verletzung so stark betroffen sind, dass sie in bestimmten Bereichen gebremst werden. Es ist eine Sache, als Testfahrer zu arbeiten, und eine ganz andere, im Wettkampf anzutreten.
Crutchlow zum Beispiel erlitt in Australien eine sehr schwere Verletzung. Das muss natürlich in gewisser Weise einen Einfluss haben, wenn er danach wieder auf das Motorrad steigt. Und wir haben Fahrer gesehen, die sich durch eine schwere Verletzung verändert haben.
Fortsetzung folgt …
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