Vinales: Steigt die Leuchtrakete «Top Gun» wieder in den MotoGP-Himmel?
Vor einem Jahr sah KTM-Tech3-Pilot Maverick Vinales wie der neue Steuermann des RC16-Projekts aus. Doch eine Verletzung änderte alles. Die MotoGP-Karriere von «Top Gun» hängt an einem dünnen Faden.
Mangelnde Geduld kann man KTM und der eng verbundenen MotoGP-Einheit von Tech3 nicht vorwerfen. Seit genau elf Monaten beschäftigt der Verletzungsfall Vinales das Projekt der Österreicher, solange schon läuft die MotoGP-Mission nur auf 75 Prozent. Am 12. Juli 2025 hatte der Spanier gleich in der ersten Runde des Q2 auf der nassen Sachsenring-Piste in der Beschleunigung eine Streckenmarkierung erwischt und war per Highsider abgeflogen. Die linke Schulter wurde bei dem Crash verletzt.
Was begann, war eine Phase der Rehabilitation, die zwar aus der Sicht der Mediziner abgeschlossen, in der sportlichen Realität des Athleten Vinales weiter andauert. Mit voller Rückendeckung des Managements wurde das finale Comeback auf den Catalunya-GP gelegt. Körperlich wieder in sehr guter Verfassung schlug sich Vinales gemessen an der letzten Auszeit von drei Events akzeptabel.
Sportliche Tiefschläge in Mugello und Balaton Park
Im ersten Zeittraining nach Monaten fehlte exakt eine Sekunde auf die Bestzeit. Vinales fuhr Sprint und GP durch und nahm in der Heimat immerhin fünf WM-Punkte mit. Entsprechend hoch waren die Erwartungen für den Trip nach Mugello – jener Piste, auf der «Top Gun» bereits in seinem Debüt-Jahr Podest-Speed hatte, im GP aber von VR46-Pilot Morbidelli abgeräumt wurde.
Doch Vinales fuhr hinterher, Startplatz 19. Im Großen Preis von Italien wurde der Routinier auf dem gleichen Bike, das Acosta zum Kampf um WM-Rang 3 befeuert, von Yamaha-Rookie Razgatlıoglu geschlagen. Und doch war kein böses Wort aus der Tech3-Garage zu hören, zu einem Zeitpunkt, als der MotoGP-Fahrermarkt für 2027 nur wenig Spielraum für beide Seiten offenließ.
Dann also Balaton. Doch wieder zündete die Rakete Vinales nicht. Startplatz 21. Nur Senior Cal Crutchlow war 0,8 Sek. langsamer um den Kurs gekommen. Dass Vinales die Strecke nicht kannte, greift als Argument nur bedingt. Moto2-Pilot Senna Agius fuhr bei seinem Debüt in Ungarn in Startreihe 1.
Im Rennen gab es einen WM-Punkt für Platz 15, nachdem Jorge Martin nahezu die gesamte Elite der Klasse aus dem Rennen geholt hatte. Auch abzüglich der 16-Sekunden-Strafe, die es für zu geringen Luftdruck gab, war Maverick Vinales auf dem letzten Platz der Stammfahrer ins Ziel gekommen.
Die Situation ist verzwickt. Denn bekanntermaßen kann ein Vinales, der in jeder Hinsicht in Bestform ist, das Feld in Grund und Boden fahren. Mit 31 Jahren zählt er zwar zu den Routiniers, doch Kollegen wie Johann Zarco und auch Marc Marquez zeigen, dass man auch im Jahr 2025 mit Mitte 30 noch konkurrenzfähig sein kann.
Noch hat man bei KTM und Tech3 die gemeinsame Absicht, dem einstigen Hoffnungsträger die Stange zu halten. Nicht vergessen ist die Phase zwischen Katar und Mugello 2025, als Vinales mit seinem Input jene Technik-Basis legte, die auch Pedro Acosta wieder zurück auf die Erfolgsschiene brachte.
Eine schnelle Runde könnte die Karriere retten
Dennoch wird auch Maverick Viñales keinen neuen Vertrag erhalten, wenn sich der Pilot nicht sportlich zurückmeldet. Eine Leuchtrakete, und sei es nur eine einzige entschlossene Runde mit einer Top-Zeit – nur das kann den einzigen Piloten im Feld, der 2026 die Chance hat, als erster Pilot der MotoGP-Geschichte für vier Hersteller zu siegen, auch für 2027 ins Fahrerlager bringen.
Noch setzt man beim Tech3 für 2027 auf einen MotoGP-Routinier und einen Newcomer. Dass der Neuling Senna Agius heißt, ist mehr als nur vorstellbar. Ob der Routinier auch Vinales heißt, dafür muss der Pilot selbst sorgen. Eine harte Deadline gibt es dabei nicht.
Der Markt in der Königsklasse hat sich bereits so weit gefunden, dass stand heute keine Piloten aus der ersten Reihe verfügbar sind. Ausnahme: Trackhouse-Fahrer Raul Fernandez. Der Sieger des Sprints in Mugello und bis zum Abschuss durch Martin am vergangenen Sonntag noch Fünfter der WM hat noch keinen Vertrag für 2027 auf dem Tisch.
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