Alex Lowes: In seiner Blütezeit hätte Jonathan Rea auch mit Yamaha gewonnen
Jonathan Reas Yamaha-Kapitel wurde zum Desaster. Alex Lowes erklärt, warum der sechsfache Weltmeister scheiterte – und weshalb er dennoch an dessen Klasse glaubt.
Als Jonathan Rea zur Superbike-WM-Saison 2024 von Kawasaki zu Yamaha wechselte, galt der sechsfache Weltmeister als Hoffnungsträger des traditionsreichen Herstellers aus Iwata. Rea wollte mit der Yamaha R1 erneut um Siege und den WM-Titel kämpfen – so wie es Toprak Razgatlioglu tat. Doch das Projekt entwickelte sich schnell zur Enttäuschung.
Der Nordire kam mit der Yamaha nie wirklich zurecht, kämpfte immer wieder mit Verletzungen und blieb sportlich weit hinter den Erwartungen zurück. Nach Rang 13 in der Weltmeisterschaft 2024 rutschte Rea 2025 sogar bis auf WM-Rang 16 ab. Sein einziges Podium mit Yamaha erreichte er im Sprint-Rennen von Donington 2024.
Für seinen ehemaligen Kawasaki-Teamkollegen Alex Lowes kam diese Entwicklung überraschend. Im exklusiven Gespräch mit SPEEDWEEK.com erklärte der Brite, dass er nie mit einer derart schwierigen Kombination aus Fahrer und Motorrad gerechnet hätte.
Auch Lowes hatte Rea bei Yamaha mehr zugetraut
«Nein, ehrlich gesagt habe ich das nicht erwartet», erklärte Lowes, der in der Vergangenheit auch für Yamaha antrat und 2019 WM-Dritter wurde. «Ich mochte die Yamaha damals eigentlich ganz gern. Als ich zu Kawasaki kam, habe ich meinen Fahrstil etwas angepasst, aber nicht drastisch. Deshalb hätte ich nie gedacht, dass er sich auf dem Motorrad so unwohl fühlen würde.»
Aus Sicht von Lowes nahm die schwierige Beziehung zwischen Rea und Yamaha allerdings schon früh ihren Lauf. «Ich habe das Gefühl, dass seine Beziehung zur Yamaha fast schon vorbei war, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte», meinte der Kawasaki-Pilot. Bereits beim ersten Test in Australien stürzte Rea heftig. Danach folgten weitere Rückschläge, darunter die schwere Daumenverletzung in Magny-Cours sowie eine Beinverletzung zu Beginn der zweiten Saison.
«Wenn du das Vertrauen ins Motorrad verlierst oder solche Verletzungen hast, dann ist es schwierig, zurückzukommen», erklärte Lowes. Trotzdem hält der Brite weiterhin extrem große Stücke auf seinen ehemaligen Teamkollegen. «Johnny Rea in seiner besten Zeit war einer der besten Fahrer überhaupt. Das war unglaublich», schwärmte Lowes. Besonders beeindruckt habe ihn Reas Fähigkeit, Probleme während eines Rennwochenendes auszugleichen.
«Manchmal lief die Kawasaki überhaupt nicht gut und Johnny änderte dann zwischen Samstag und Sonntag oder sogar mitten im Rennen seinen Fahrstil komplett», erinnerte sich Lowes. «Ich dachte oft, dass er vielleicht Fünfter wird – und plötzlich kämpfte er um den Sieg oder wurde Zweiter.»
Lowes: Rea hätte in seiner Blütezeit auch mit Yamaha gewonnen
Genau deshalb war Lowes vom Scheitern bei Yamaha überrascht. Gleichzeitig räumt er aber ein, dass Rea mittlerweile nicht mehr derselbe Fahrer sein könnte wie noch vor einigen Jahren. Zudem hat die Konkurrenzfähigkeit der R1 über die Jahre nachgelassen. Nach Razgatlioglus WM-Erfolg in der Saison 2021 ging es schrittweise bergab. «Vielleicht ist Johnny nicht mehr derselbe wie vor fünf oder sechs Jahren. Er fährt schon sehr lange in Weltmeisterschaften und vermutlich spürt er das selbst auch», sagte Lowes.
An Reas außergewöhnlichem Talent zweifelt Lowes jedoch bis heute nicht. «Ich habe keinen Zweifel daran, dass Johnny in seiner besten Zeit auch mit der Yamaha gewonnen hätte», betonte er. «Aber es hat eben nicht funktioniert.»
Lowes sieht dabei Parallelen zur aktuellen Situation von Toprak Razgatlioglu, der in der MotoGP ebenfalls mit unterlegenem Material kämpft. «Wenn du das Vertrauen verlierst, dann verlierst du schnell diesen Schwung», erklärte Lowes. «Trotzdem glaube ich weiterhin: Johnny auf seinem besten Niveau hätte auch mit der Yamaha gewonnen.»
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