Supersport-Regel, um Ducati zu stoppen? BMW sieht «keine Notwendigkeit»
Ducati dominiert die Superbike-WM trotz Fuel-Flow-Limitierungen mit erdrückender Dominanz. Die Balance-Werkzeuge verfehlen ihre Wirkung, ein Wechsel zum Format der Supersport-WM wäre eine Alternative.
Ein Blick auf den Zwischenstand der Superbike-WM nach fünf von zwölf Rennwochenenden verdeutlicht, wie dominant Ducati mit der neuen Panigale V4R ist: Nicolo Bulega gewann alle 15 Rennen, in der Fahrerwertung liegen fünf Ducati-Piloten vorn und bei den Herstellern hat Ducati mehr als doppelt so viele Punkte wie der erste Verfolger.
Dabei wurde die Panigale V4R im maximalen Spritfluss bereits zwei Mal um 0,5 kg Sprit pro Stunde limitiert. Doch die Balance-Werkzeuge verfehlen ihre Wirkung. Auch nach der jüngsten Einbremsung dominierte Ducati.
BMW lehnt das Supersport-Format in der Superbike-WM ab
Im Fahrerlager werden einige Stimmen laut, die einen Wechsel zur Balanceregel der Supersport-WM fordern. In der Supersport-WM kämpfen seit dem Wechsel zum Next-Gen-Format sehr unterschiedliche Bikes gegeneinander, die auf Augenhöhe fahren und spannenden Rennsport bieten. Die verschiedenen Motorräder werden durch die Drosselklappenöffnung und verschiedene Mindestgewichte angeglichen.
Diese Regel würde in der Superbike-WM vor allem den deutlich weniger auf Rennsport ausgerichteten Motorrädern von Yamaha und Kawasaki helfen, gegen die moderneren Superbikes der europäischen Marken zu kämpfen.
Wir haben das Thema mit BMW-Technikdirektor Chris Gonschor besprochen, der allerdings wenig Interesse an einem Wechsel der Balance-Werkzeuge zeigt. «Ich sehe keine Notwendigkeit», stellte Gonschor gegenüber SPEEDWEEK.com klar und begründete: «Wir haben eine starke Meisterschaft mit starken Herstellern. In den beiden zurückliegenden Jahren gewann ein bayrisches Motorrad die Meisterschaft. In diesem Jahr führt ein italienisches Motorrad die Meisterschaft an. Zudem gibt es einen weiteren Hersteller – Bimota mit Kawasaki-Triebwerk –, der wettbewerbsfähig ist. Wir sind auch weiterhin stark. Deshalb ist es eine Meisterschaft, an der es nichts zu rütteln gibt.»
Die Philosophie hinter der Supersport-Balanceregel passt laut Gonschor nicht zur Superbike-WM, in der alle Hersteller mit 1000er-Vierzylindern gegeneinander antreten. «Ich bin durch und durch Ingenieur, aber noch mehr bin ich Sportler. Ich mache jeden Tag Sport. In der Bundesliga spielen 18 Vereine. Bei der Auslegung der Spielregeln richtet man sich auch nicht an den 16., 17. und 18., die absteigen, während der FC Bayern gewinnt. Man nimmt den Bayern weder das Budget noch die Spieler weg. Deshalb sage ich: Man muss sich anstrengen, um nach vorne zu kommen. Man darf nicht nach hinten schauen, sondern muss nach vorne schauen. Das ist in jedem Sport die Maßgabe.»
Der große Wunsch von BMW: Stabile Regeln
Gonschor wünscht sich für die kommenden Jahre stabile Regeln. Das hilft den Ingenieuren dabei, ihre Motorräder zu verbessern. Dass die aktuelle Fuel-Flow-Limitierung als Balance-Werkzeug unpassend ist, sieht Gonschor nicht so. Doch die für den Algorithmus entscheidende Performance ergibt sich durch die gemessenen Rundenzeiten und nicht anhand der Topspeeds. Das hatte zur Folge, dass die auf den Geraden unterlegene Bimota vor dem Rennwochenende in Assen eingebremst wurde, was für viele verdutzte Gesichter gesorgt hat.
«Wenn die beiden Hersteller den anderen leicht voraus sind, dann erschließt sich die mathematisch korrekte Reduktion der Durchflussmenge», verteidigte Gonschor das aktuelle Format. «Es hat die letzten Jahre funktioniert und es wird auch in diesem Jahr funktionieren. Niemand möchte eine Limitierung, kein Hersteller will einen Vorteil für einen anderen Hersteller. Schlussendlich haben wir aber alle das gleiche Reglement vor uns. Es ist stabil und das ist eine gute Sache.»
«Das Fuel-Flow-Limit wurde 2024 angestrebt und 2025 umgesetzt. Seitdem haben wir eine Konstante. Jeder Hersteller kennt die Rahmenbedingungen und es gibt keine Überraschungen. Es gibt dazu keine Meinungen, es ist ein Regelwerk, an dem sich alle orientieren müssen», stellte Gonschor abschließend klar.
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