Motorrad-Frauen-WM
Paukenschlag: Frauen-WM WorldWCR ab 2027 mit Bikes aus China unterwegs
Ohne Podestplatz steckt Yamaha in einer schwierigen Superbike-Saison. Niccolo Canepa erklärt, warum Jack Miller dennoch an die R1 glaubt – und wie der Hersteller den Anschluss schaffen will.
Die Ergebnisse der Superbike-WM 2026 liefern derzeit wenig Argumente für einen Wechsel zu Yamaha. Die R1 wartet weiterhin auf ihren ersten Podestplatz der Saison, während Ducati das Geschehen dominiert. Dennoch entschied sich Jack Miller dafür, seinen Weg mit Yamaha fortzusetzen und 2027 von der MotoGP in die Superbike-WM zu wechseln.
Wie überzeugten die Verantwortlichen den Australier von einem Projekt, das momentan weit hinter seinen eigenen Ansprüchen zurückbleibt? Beim Treffen mit SPEEDWEEK.com erklärte Yamaha-Manager Niccolo Canepa, dass Millers eigene Erfahrungen mit der R1 eine wichtige Rolle spielten.
«Er kennt die R1, weil er sie in Suzuka gefahren ist und eine R1 für sein privates Training hat. Deshalb musste ich ihm nicht viel schmackhaft machen. Er hat das Motorrad ausprobiert, er hat es eingesetzt. Er mag das Gefühl, den Motorcharakter und das Chassis. Das ist positiv», so Canepa.
Die erfolgreichen Einsätze beim 8-Stunden-Rennen in Suzuka und die privaten Trainingsrunden geben Miller eine Vorstellung davon, wie sich die Yamaha fährt. Dass die R1 in der Superbike-WM aktuell nicht konkurrenzfähig genug ist, lässt sich damit allerdings nicht ausblenden. Canepa räumte die Schwierigkeiten ein – und deutete zugleich an, dass Yamaha einen konkreten Weg aus der Krise sieht.
«Es stimmt, dass wir in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen mit den Ergebnissen zu kämpfen haben. Es klingt vielleicht albern, das zu sagen, aber wir haben einen Plan. Wir wissen, wohin wir müssen. Wir wissen, in welche Richtung sich das Reglement entwickelt, und wir wissen, was wir tun müssen, um uns zu verbessern.»
Was dieser Plan technisch beinhaltet, führte Canepa nicht näher aus. Gerade das macht seine Aussage interessant: Ein grundlegend neues Modell ist für 2027 nicht zu erwarten. Von außen betrachtet sind die Möglichkeiten deshalb begrenzt, den großen Rückstand auf Ducati kurzfristig aufzuholen.
Eine wesentliche Veränderung bringt der Wechsel von Pirelli zu Michelin. Sämtliche Hersteller müssen ihre Motorräder auf neue Reifen abstimmen. Darin liegt für Yamaha eine Chance, die Kräfteverhältnisse können sich aber ebenso zugunsten der Konkurrenz verschieben. Auch die angekündigten Anpassungen des technischen Reglements müssen erst zeigen, welche Auswirkungen sie in der Praxis haben.
Canepa verspricht deshalb keinen automatischen Aufschwung. Er betont vielmehr, dass Yamaha weiter an der R1 arbeitet und das Projekt keineswegs abgeschrieben hat. «Wir investieren, wir geben weiter Gas, wir arbeiten ständig daran und setzen alles daran, wieder um die Positionen zu kämpfen, auf denen Yamaha sein sollte. Ist das garantiert? Nein. Im Rennsport gibt es nie eine Garantie. Aber wir versuchen es.»
Für diesen Weg wollten die Verantwortlichen einen Fahrer, der den Wechsel in die Superbike-WM als sportliche Herausforderung versteht. Laut Canepa bestand bei der Auswahl kein Zweifel, dass Miller der richtige Kandidat ist. «Es gab einige Fahrer, die keinen Platz mehr in der MotoGP hatten und für die kommende Saison verfügbar gewesen wären. Wir hatten also die Möglichkeit, auszuwählen. Das ist immer eine gute Situation. Und wir haben uns ohne jeden Zweifel direkt für Jack entschieden, genau aus diesem Grund: Wir sahen in ihm den Fahrer mit dem größten Engagement und dem größten Willen, zu beweisen, dass er Weltmeister werden kann.»
Miller wurde 2014 Moto3-Vizeweltmeister und stieg anschließend direkt in die MotoGP auf. Dort gewann er Rennen, ein WM-Titel blieb ihm jedoch verwehrt. Canepa glaubt, dass dieser unerfüllte Wunsch ein entscheidender Antrieb ist. «Obwohl er ein extrem talentierter Fahrer ist, habe ich das Gefühl, dass er sein wahres Potenzial im Kampf um einen WM-Titel nie zeigen konnte. Und dieses Feuer brennt noch immer in ihm. Er sagt: Ich will Weltmeister werden. Er ist also keiner, der nur noch die letzten Jahre seiner Karriere absolvieren und dann aufhören möchte. Er will allen zeigen, dass er gewinnen kann.»
Canepa kennt Miller auch aus der gemeinsamen Arbeit abseits des MotoGP-Paddocks: «Soweit ich verstanden habe, hatte er auch andere Möglichkeiten in der Superbike-WM. Er entschied sich dafür, bei Yamaha zu bleiben, wahrscheinlich auch wegen seiner aktuellen Beziehung zu Yamaha und Pramac in der MotoGP sowie der 8 Stunden von Suzuka. Wir kennen uns aus den vergangenen beiden Jahren in Suzuka, weil ich dort war und ein wenig mit ihnen gearbeitet habe.»
«Ich würde sagen, dass das sehr gut zusammenpasst. Als wir uns für ihn entschieden, hatte er mehrere Optionen. Er entschied sich für uns. Damit zeigte er sein Engagement und seine Motivation, etwas zu erreichen», kommentierte Canepa.
Ein prominenter Fahrer wie Miller könnte außerdem helfen, das Superbike-Projekt wirtschaftlich zu stärken. Auf die Frage, ob sich mit ihm leichter zusätzliche Mittel gewinnen lassen, antwortete Canepa zunächst knapp: «Hoffentlich!» Konkrete Aussagen über neue Sponsoren oder ein höheres Budget wollte er aber noch nicht treffen.
«Dafür ist es eindeutig sehr früh. Wir haben Jack erst vor Kurzem unter Vertrag genommen. Die Bekanntgabe erfolgte unmittelbar nach der Unterschrift. Yamaha und das Team haben begonnen, daran zu arbeiten. Wir haben aber auch eine sehr langfristige Beziehung zu Pata. Wir sind seit elf Jahren zusammen. Dahinter steckt sehr viel Leidenschaft. Pata hat uns in guten und schlechten Zeiten geholfen, wir haben viele unserer Titel gemeinsam gewonnen. Das müssen wir für die kommende Saison berücksichtigen», schilderte der Yamaha-Manager.
«Wir glauben auf jeden Fall, dass Jack gut für die Meisterschaft, gut für die Superbike-WM insgesamt und auch gut für Yamaha ist. Hoffentlich hilft uns das beim Budget. Im Moment ist das aber schwer zu sagen. Es ist ohnehin nicht der Grund, warum wir Jack verpflichtet haben.»
Miller bringt die Motivation mit, Yamaha verspricht einen Plan. Entscheidend wird sein, ob aus dieser Kombination eine R1 entsteht, mit der der Australier seinen Titelambitionen tatsächlich näherkommt. Seine Begeisterung für das Motorrad ist eine gute Ausgangsbasis. Den Anschluss an Ducati müssen jedoch die Yamaha-Ingenieure herstellen.
Newsletter
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach
Die aktuellsten News rund um die Uhr, von Experten analysiert und kommentiert und exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Hier schreiben Fans für Fans.