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TourenwagenKolumne

Alfasud TI Cup: Premiere mit Hindernissen

Vor 50 Jahren, am 4. Juli 1976, stellte Alfa Romeo den «Alfasud TI Cup Deutschland» vor. Eine zweifellos gute Idee, deren Umsetzung allerdings von organisatorischen Defiziten begleitet wurde.

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Premiere am Salzburgring: Erste Ausfahrt des deutschen Alfasud Cup 1976
Premiere am Salzburgring: Erste Ausfahrt des deutschen Alfasud Cup 1976
Foto: Jelinek
Premiere am Salzburgring: Erste Ausfahrt des deutschen Alfasud Cup 1976
© Jelinek

Zwar lief auch bei anderen Marken-Pokal-Rennserien im ersten Jahr nicht gleich alles rund. Wie etwa beim R5 Cup zwei Jahre zuvor oder dem im April 1976 gestarteten VW Junior-Cup. Auch hier mussten beide Ausrichter erst mal so einige Ungereimtheiten beheben, was mal mehr, mal weniger Zeit beanspruchte.

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Auch in der Debut-Saison des deutschen Alfasud TI-Cups im organisatorischen Bereich gab es so einiges nachzuschärfen. Die Frankfurter Alfa Romeo-Zentrale hatte den Cup mit Starttermin Saisonbeginn 1976 ausgeschrieben, aber die Premiere wurde immer weiter in Richtung Jahresmitte verschoben. Damit begannen bereits die ersten Verunsicherungen.

Mit dem Management hatte Alfa Romeo den erfahrenen Rennsport-Experten Klaus Steinmetz beauftragt, der als Tuner und Techniker einen durchaus guten Ruf genoss. Allerdings ließ der Cup-Chef schon ab dem ersten Rennen eine straffe Leitung der neuen Rennserie vermissen.

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Die Irritationen begannen mit einem unklar formulierten Reglement, das nach je Tageslaune des Cup-Managements ausgelegt wurde. Mal war erlaubt, was vorher ausdrücklich verboten wurde, mal wurde beanstandet, was zuvor noch als legal galt.

Durch meine Nähe zum Wiesbadener Team «Fox Alfa Racing» eröffneten sich mir zu den organisatorischen Abläufen der Cup-Führung Einblicke, die ich besser nicht gehabt hätte. Fox Racing setzte zwei rote Alfasud TI ein, im späteren Saisonverlauf sogar deren drei.

Die Salzburgring-Premiere am 4. Juli fiel mit einem guten Dutzend Startern ziemlich dünn aus. Schon die Fahrerbesprechung verlief eher eigenartig. Cup-Chef Steinmetz erklärte allen Ernstes, dass das Reglement «vor allem technisch Zug um Zug nachgebessert werden müsse» und unklare Dinge der Einfachheit halber direkt mit ihm besprochen werden sollten.

Der Zoff ums Reglement stand dann auch im Mittelpunkt der ersten Läufe, zumal der Cup-Leiter ständig auf der Suche nach Kompromissen war. So ließ er bei Fahrerbesprechungen allen Ernstes unter den Teilnehmern abstimmen, ob dieses oder jenes strittige technische Detail nun erlaubt sein sollte oder nicht.

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Solche Voting-Ergebnisse hatten allerdings nur ein oder zwei Rennen bestand, danach wollte sich der Cup-Leiter an nichts mehr erinnern. Endlos-Diskussionen und auch Disqualifikationen waren die Folge. Und wenn die Lage zu eskalieren drohte, setzte sich der Cup-Chef notfalls auch schon mal vorzeitig und diskret aus dem Fahrerlager ab. Zurück blieb eine ratlose Alfa-Gesellschaft.

Als nächstes kristallisierte sich im weiteren Saisonverlauf heraus, dass der Cup-Leiter einen ganz bestimmten Fahrer gerne als ersten Titelgewinner sehen würde. Der Wunschkandidat war auch ein wirklich schneller und dazu netter Bursche. Aber unglücklicherweise hatten auch die beiden Fox-Alfasud-Piloten noch intakte Titelchancen – und das passte nun so gar nicht in diese Pläne.

Dazu kam erschwerend, dass sich die Sympathie von Klaus Steinmetz für Team-Chef Günther Fox offensichtlich in sehr engen Grenzen bewegte. So verschlechterte sich das Klima weiter, nachdem Fox ab dem vierten Rennen in Zolder bis zum Finale trotzig noch ein drittes Auto bereitstellte, um Steinmetz zu ärgern.

Tourenwagen-Spezialist Willi Bergmeister wurde für einen Gast-Start auf dessen Hausstrecke Zolder rekrutiert, was dazu führte, dass phasenweise drei Fox-Autos an der Spitze rumturnten. In der letzten Runde zeigte dann Bergmeister, wie man von Platz vier aus alle überrumpelt und gewinnt.

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Leider hatte der schnelle Willi danach keine Zeit mehr. Nun stand VW Junior Cup-Schlitzohr Manfred Winkelhock auf der Fox-Wunschliste fürs dritte Auto. Auch er sagte sofort zu und fuhr gleich beim ersten Einsatz aufs Podium.

Manfred bewegte den Alfa wie ein junger Gott, ging keinem Zweikampf aus dem Weg und teilte dabei mächtig aus. Seine Gala-Vorstellungen ließen den Cup in seinen Grundfesten erzittern und den genervten Cup-Leiter Steinmetz nur noch mehr toben.

Nach den Plätzen 2 und 3 beim Finalrennen in Mainz-Finthen wurde Teameigner Fox dann die Endabrechnung in Form eines Wertungs-ausschlusses wegen einer technischen Regelauslegung präsentiert. Das beanstandete Detail war Wochen zuvor von Steinmetz noch ausdrücklich genehmigt worden – leider nur mündlich. Erinnern konnte er sich daran auch nicht mehr.

Fox Racing blieb dem Alfasud-Cup trotz aller Irrungen und Wirrungen auch in folgenden Jahren mit neuen Fahrern treu und rüstete sogar noch nach. Ein Trio von Cup-Spezialisten stürzte sich in den Kampf um Siege und Titel: Georg Weber wurde zum Stammpiloten berufen, Wolfgang Sander und Hans-Georg Bürger fuhren wechselweise das zweite Auto.

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Mit Ignazio di Notto kam jener begnadete Schrauber dazu, der später als gefragter Techniker in der DTM bei AMG landete. Kein Wunder, dass Fox mit Weber 1977 den deutschen Titel gewann und seine Fahrer sporadisch auch in der von Italienern beherrschten Europameisterschaft glänzten.

Unterdessen verordnete die Alfa-Zentrale in Frankfurt dem deutschen Alfasud-Cup eine neue Leitung, mit der die Wende zu einem weniger chaotischen Verlauf eingeleitet wurde. PR-Chef Antonio Cerlenizza und sein Technischer Delegierter Geatano Petralia sorgten nun vor Ort für reibungslose Abläufe.

Auch die Alfa-Zentralen in Italien, Frankreich und Österreich richteten ab 1977 eigene, gut besetzte Landesmeisterschaften aus. Dazu wurden die Autos breiter, schneller und optisch attraktiver, die Leistung stieg von knapp 80 auf 125 PS.

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Während die Starterzahlen hierzulande weiter überschaubar blieben, boomte der Cup in den Nachbarländern. Und in dem ab 1977 von Alfa Italia gemanagten Europa-Cup starteten bis zu 80 Autos und Fahrer aus sieben Nationen, unter ihnen auch der junge Gerhard Berger.

Als leitender Technik-Chef des Europa-Cups wurde der Autodelta-Werkspilot Teodoro Zeccoli an die Front geschickt. Dessen Sachkompetenz in Sachen Technik führte automatisch zu scharfen technischen Nachkontrollen, die ebenso gefürchtet wie erfolgreich waren.

„Der Zeccoli konnte schon an der Akustik der Schaltvorgänge oder der Drehzahl des Motors während eines laufenden Rennens beurteilen, ob mit dem Getriebe oder dem Motor was faul war“, so der ehemalige deutsche EM-Teilnehmer und Journalist Jürgen Zerha.

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Bis zur Einstellung der EM-Serie 1983 gab es fast nur italienische Titelträger. Der deutsche Cup, bis zum Schluss nur mäßig besetzt, wurde nach fünf Jahren Laufzeit 1980 beendet.

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