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TourenwagenKolumne

Burkard Bovensiepen: Erinnerungen an den visionären «Mr. Alpina»

Burkard Bovensiepen, getrost darf man sagen Mr. Alpina, hat mit sprühenden Ideen, spitzer Zunge und Faible für das besondere Auto Zeichen gesetzt, in sportlicher wie in wirtschaftlicher Hinsicht.

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Ein Alpina-BMW auf dem Red Bull Ring 2018
Ein Alpina-BMW auf dem Red Bull Ring 2018
Foto: Grand Prix Photo
Ein Alpina-BMW auf dem Red Bull Ring 2018
© Grand Prix Photo

Im Oktober 2023 hat ein geistreicher, genialer, visionärer Perfektionist und Unternehmer die Bühne des großen Automobil-Business verlassen – Burkhard Bovensiepen. Am 1. September 2026 wäre er 90 Jahre alt geworden.

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Eines stand für den schon in frühen Jahren weitsichtigen Bovensiepen (kurz BuBo) gleich zu Anfang seines schnellen Geschäfts fest: «Rennsport war unerlässlich, um bekannt zu werden, und damit wir Zuverlässigkeit nachweisen konnten. Das Geheimnis unseres Erfolges war dann auch tatsächlich unsere relative Zuverlässigkeit. Unsere Devise ‚haltbare und schnelle Autos’ hat sich da bezahlt gemacht – im Sport wie im Geschäft.»

Damit ist die grundlegende Herangehensweise Bovensiepens an die Wechselbeziehung zwischen Geschäft und Motorsport umschrieben. Es ist nirgendwo belegt, dass Bovensiepen den Rennsport innig liebte, aber bei aller Nüchternheit, mit der er die selbstgestellten Aufgaben anging, kann davon ausgegangen werden, dass er insgeheim seine helle Freude am Wettrennen auf der Piste hatte.

Was mit vergleichsweise simplen, aber hochfeinen Vergaser-Anlagen und der Konzentration auf die Fahrzeuge der Marke BMW begann, führte über Jahrzehnte zur Adresse als eines der feinsten Häuser im Automobilbusiness.

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Und fast zu jeder Zeit zwischen jenen Gründerjahren Anfang der 60er- und den 2000er-Jahren diente der Rennsport als Aushängeschild für die besonderen Fähigkeiten, die der Name und der Begriff ALPINA (Bovensiepen legte immer großen Wert auf Versalien) vermitteln sollten.

Was Alpina unter Bovensiepens Ägide auf der Rennstrecke vollbracht hat, ist längst Motorsportgeschichte: Um dem Auftritt eine extra Portion Glamour zu verschaffen, nahm Alpina die großen Könner des Vollgas-Geschäfts unter Vertrag.

An den Volants der 1600-2, der 2002 und 2800er Coupés wechselten sich Asse wie Niki Lauda, Helmut Marko, James Hunt, Jacky Ickx und Hans-Joachim Stuck ab.

Aus der Erfolgsbilanz sticht die Saison 1973 heraus, weil der Verlauf der Tourenwagen-Europameisterschaft derartig wechselhaft war, dass sie auch in der Nachbetrachtung als eine der packendsten Rennsaisons aller Zeiten im Tourenwagen-Geschäft gilt. Das Pendel zwischen den Werksteams von Ford und BMW schlug weit aus. Und dass BMW schließlich den Titel gewann, ist zu einem guten Teil auf die Performance der Alpina-Truppe zurückzuführen: Markenmeisterschaft für die Münchner und Fahrertitel für Toine Hezemans, der zeitweise vom Werks- auf den Alpina-CSL umstieg und so sein Punktekonto verbesserte.

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Bovensiepens Verdienst um diesen epochalen Erfolg liegt aber noch in einem ganz anderen Bereich. Letztlich war er es, der BMW von der Notwendigkeit überzeugte, dass für größere Erfolge ein Leichtbau-Coupé hermusste. Er legte dafür ein plausibles Lastenheft vor und baute einen Prototypen, was schließlich dazu führte, dass BMW den 3.0 CSL in Serie baute, Alpina dafür sogar die Teile an BMW lieferte und so zum Initiator einer Ikone der Automobilgeschichte wurde.

Ein weiteres der vielen sportlichen Highlights war die Tourenwagen-EM 1977 mit dem knallharten Kampf der Alpina-Mannschaft gegen die leistungsmäßig klar überlegenen Werks-Jaguar. Schließlich aber hieß es doch: Meister Dieter Quester auf Alpina 3.0 CSL – unterstützt von Profis wie Gunnar Nilsson, Toine Hezemans und Tom Walkinshaw; übrigens Questers dritter von vier EM-Titeln.

Nach einer schöpferischen Pause waren die Alpina-Autos 1987 in der DTM wieder da. Krönung dieser Phase war Christian Danners Doppelsieg schon beim zweiten Saisonrennen in Hockenheim. Und Alpina hatte mit dem ersten Einsatz von Metall-Katalysatoren mal wieder eine, in diesem Fall ökologische, Duftmarke gesetzt.

Auf der Hitliste der Verkaufsschlager der Alpina-Straßenautos mit dem stets etwas besonderen Dekor – zum Beispiel den unverwechselbaren Speichenfelgen – stehen über die Jahre so eindrucksvolle Automobile mit Namen wie C1, B10, B 12, XD3 Bi-Turbo Allrad und B7 Bi-Turbo, jeweils mit den neuesten technischen Errungenschaften, ganz oben.

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Die technischen Leckerbissen, die mit diesen Fahrzeugen einhergingen, würden Seiten füllen, nur als Stichworte mögen gelten: Katalysator-Technik, Einspritzanlagen, Turbo- und Bi-Turbo-Technik, vollelektronische Computerzündung, Hochleistungs-Diesel-Motoren, jede Menge Maßnahmen zur Leistungssteigerung bei gleichzeitiger Verbrauchsreduzierung – von kultiviertester Leistungsentfaltung ganz zu schweigen.

BuBo war – entsprechend seinem allem Guten und Schönen zugewandten Wesen – ein ausgesprochener Feinschmecker. Seine kulinarischen Darreichungen, sei es auf Automobilmessen oder im Fahrerlager, sind längst Geschichte. Ein Automobilunternehmen von Weltruf und gleichzeitig der Betrieb eines riesigen Depots edelster Weine als weiteres ökonomisches Standbein – das war die Welt, in der der Genießer Burkard Bovensiepen wandelte.

Welch streitbarer Geist er immer mal wieder sein konnte, bewies Burkard Bovensiepen ein ums andere Mal. Am spektakulärsten war wohl diese Aktion: Einmal startete er für eine halbe Million DM eine bundesweite Anzeigenkampagne zur Verkehrspolitik 1985 unter der Überschrift «Liebe Bundesregierung!». In dieser geißelte er mit spitzer Feder höchstpersönlich die aus seiner Sicht begangenen Fehler des Staats in Bezug auf das Auto und den Verkehr und dass ein Tempolimit ein untaugliches Mittel sei.

Seit mehreren Jahren führen Bovensiepens Söhne Andreas und Florian die Geschäfte. Sie tun dies auch im Zuge der Neuausrichtung, die mit der Übernahme der Markenrechte durch die BMW AG einhergeht. Diese Ausrichtung war laut Alpina notwendig, weil «die Anforderungen und Risiken für Kleinserien-Hersteller deutlich zunehmen».

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Mittlerweile zeigt das neue Unternehmen mit dem BOVENSIEPEN 05 GT und dem BOVENSIEPEN ZAGATO, dass es den bemerkenswerten Weg von ALPINA in Zukunft zielstrebig fortsetzt.

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