Beim Stöbern in meinen Büchern bin ich bei einer besonderen Story hängen geblieben, die ich heute nacherzählen möchte. Hauptdarsteller ist der britische Haudegen John Fitzpatrick (82).
Das bietet Stoff für stundenlange Diskussionen unter GP-Fans: Welcher Formel-1-Rennstall geht 2026 mit der stärksten Fahrerpaarung an den Start? Die Antwort ist ziemlich knifflig.
In unnachahmlicher Art trägt der ehemalige Profi-Rennfahrer John Fitzpatrick in seinem Buch „Fitz – my life at the wheel“ genau das zusammen, was der Titel verspricht: wunderbare Geschichten aus einer jahrzehntelangen Karriere im internationalen Motorsport – leider nur in englischer Sprache, dafür aber getragen von Formulierungen und hintergründigem Humor, wie sie nur diese Sprache hervorbringt.
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Aus der Fülle von Erzählungen habe ich heute eine herausgegriffen, die uns ein wenig von dem offenbart, was sich hinter den Kulissen der Rennschlachten so alles abspielte. In der Ausgangslage war Fitz – damals schon allererste Liga der Profi-Rennfahrer – 1971 von Ford engagiert und fuhr teils auf einem Broadspeed-Escort in England, teils auf einem Werks-Escort aus Köln in der Tourenwagen-Europameisterschaft.
Es kam zum Final-Rennen in Jarama, wo die Entscheidung über den Gewinn der Fahrerwertung zwischen dem Niederländer Toine Hezemans im Alfa Romeo und dem Deutschen Dieter Glemser im Capri fallen musste.
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Fitz und sein Compagnon Jochen Mass gelang es nicht nur, Hezemans in der kleineren Hubraumklasse unter Kontrolle zu halten und so Glemsers Titelchancen abzusichern, sondern das Feld auch vor den dicken Werks-Capris anzuführen.
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Ford-Rennleiter Jochen Neerpasch legte nach Fitzpatricks Schilderung aus verständlichen Gründen Wert auf einen Capri-Sieg und wies die schnelle Escort-Mannschaft an, die Capri gewinnen zu lassen.
Fitzpatrick: „Ich ließ Neerpasch unmissverständlich wissen, dass ich mich um den Sieg betrogen fühlen würde.“ Und das war wohl noch vornehm ausgedrückt …
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Doch die Renngötter wollten es anders, die Capri bekamen Probleme, mussten außerplanmäßig an die Box und Fitz/Mass gewannen. Für 1973 hatte Fitz gerade bei Ford unterschrieben, als er seine Reise nach Deutschland damit verband, sich in München ein neues BMW Coupé abzuholen. Dort beim Vertrieb händigte man ihm ein Papier aus, in dem der inzwischen von Köln nach München übergesiedelte Neerpasch ihn bat, er möge in seinem Büro vorbeikommen. Fitz wusste einerseits, dass BMW mit dem CSL eine Wunderwaffe gegen den Capri vorbereitete, andererseits erinnerte er sich an die seinerzeitige Kontroverse von Jarama. Deshalb konnte er mit der Einladung in das Kontor der BMW-Rennleiters nichts Rechtes anfangen. Umso überraschter war er, als er, freundlichst empfangen, mit der Offerte eines Werksvertrages für die anstehende Saison konfrontiert wurde. Zu seinem Leidwesen musste Fitz unter Hinweis auf seinen gerade unterzeichneten Ford-Vertrag dankend ablehnen. In seinem Buch übertitelt er das mit „missed opportunities“ – verpasste Chancen.
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Mit diesem Titel hat es aber noch eine weitere Bewandtnis. Wenig später, so berichtet Fitz in seinem Buch, ergab sich eine zweite Gelegenheit, die er nicht wahrnehmen konnte. Und wer weiß, schreibt er, „hätte diese meine ganze Karriere verändert“. Fitz wollte wiederum ein neues Auto, diesmal in Stuttgart, abholen, als ihm Porsche-Rennleiter Manfred Jantke ein verlockendes Angebot unterbreitete – er könne mit Porsche in einem Team mit zwei Werkswagen Le Mans und alle 1000-km-Rennen fahren. Aber genau für die hatte Fitz schon bei Ford unterschrieben. Der stets zuvorkommende, freundliche Brite mit dem bieder gescheitelten Haar war Mitglied der internationalen Tourenwagen- und Gran Turismo-Elite und ein Könner, der der Szene durch seinen knallharten, aber immer fairen Fahrstil Flair verlieh. Fitz oder „Cooling John“, wie er gern genannt wird, war zu seiner besten Zeit ein Rennsport-Söldner in des Wortes wahrer Bedeutung. Wo es gutes Material gab und wo ein zuverlässiger, schneller Mann gebraucht wurde, da war Fitz genau die richtige Besetzung.
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Ob Mini, MG, Ford, Porsche, BMW oder Jaguar – Fitz wurde stets geholt, wenn es irgendwo galt, die Rennsport-Kastanien aus dem Feuer zu holen. Die wichtigsten Titel seiner langen Karriere: British Touring Car Champion 1966, Europäischer GT-Champion 1972 & 1974, der Gewinn des Porsche Cups 1972, 1974, 1980 und IMSA-Champion 1980. Später betätigte sich John Fitzpatrick mit Porsche-Sportwagen als erfolgreicher Teamchef, und noch heute erfreut er sich und das Publikum auf bisweilen skurrilem Gerät bei historischen Rennen.
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