Jens Klingmann: «Wir wollen noch Highlights setzen»

Von Felix Schmucker
ADAC GT Masters
Jubel am Red Bull Ring: Jens Klingmann (re.) und Nicolai Sylvest

Jubel am Red Bull Ring: Jens Klingmann (re.) und Nicolai Sylvest

Der BMW-Werkspilot kann auf zehn aufregende Jahre im GT-Sport zurückblicken. Jens Klingmann ist nach dem ersten Saisonsieg mit MRS GT-Racing heiß auf weitere Podiumsplätze im ADAC GT Masters.

Jens Klingmann ist im ADAC GT Masters eine feste Institution. Bereits 88 Rennen hat der in Leimen lebende BMW-Werkspilot in der 'Liga der Supersportwagen' absolviert. Dabei gelangen ihm fünf Pole-Positions und neun Siege. Den letzten Triumph konnte er im Juni am Red Bull Ring gemeinsam mit Nicolai Sylvest einfahren. Im Interview blickt Klingmann zurück auf seine Zeit im GT-Sport und erzählt, was er in der aktuellen Saison im ADAC GT Masters noch vor hat.

Herr Klingmann, Sie waren im Formelsport sehr erfolgreich, unter anderem Meister der Formel BMW 2007. Mit 18 Jahren haben Sie 2009 den Wechsel in den GT-Sport und in das ADAC GT Masters gewagt. Warum?

«Nach der Formel BMW bin ich auch noch Formel 3 gefahren. Allerdings habe ich mit 1,86 Metern kein Gardemaß für den Formelsport. Außerdem kam hinzu, dass es in Formel-Rennserien relativ schwierig ist, ohne Sponsorengelder mitzufahren bzw. Geld zu verdienen, sofern man es nicht gerade in der Formel 1 schafft. Der GT-Sport war eine super Option. Ich wollte schon immer in einem GT-Auto sitzen.»

Was war die größte Umstellung?

«Ehrlich gesagt war die Umstellung für mich kein großes Problem. Auch wenn ich anfangs meine Füße ein wenig neu sortieren musste. In der Formel 3 konnte ich mit links bremsen. In meinem ersten GT-Auto, einem Alpina B6 GT3, musste ich dann den rechten Fuß zum Bremsen nehmen, weil ich den linken noch zum Kuppeln brauchte. Natürlich sind die GT-Boliden auch viel größer und sie wiegen mehr. Zudem geht es im GT-Sport etwas kontaktfreudiger zu.»

2015 war Ihre bisher beste Saison im ADAC GT Masters mit vier Siegen. Am Ende wurden Sie Gesamtdritter, obwohl Sie das Saisonfinale wegen des Petit Le Mans in Road Atlanta verpasst haben. Der Teamtitel ging dennoch an ihren Rennstall Schubert Motorsport.

«Genau. Das war ein megacooles Jahr mit Dominik Baumann. Leider gab es die Überschneidung mit Petit Le Mans. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge bin ich dann in den USA gefahren, wo wir in der Gesamtwertung Zweiter geworden sind. Die Chance ergibt sich ja schließlich nicht jedes Jahr, im ADAC GT Masters um die Meisterschaft mitzufahren. Die Platzierung unter den Top Drei hat mich sehr gefreut. Allerdings habe ich den Pokal bis heute nicht erhalten (lacht). Der steht bei Schubert in der Vitrine.»

2018 dann das Comeback bei MRS GT-Racing nach zwei Jahren IMSA in den USA. Wie bewerten Sie die Saison?

«MRS hatte ein neues Auto übernommen und brauchte einen Werksfahrer, der ihnen sozusagen Starthilfe gibt. Die Tests liefen sehr gut, und so kam eins zum anderen. Für Oschersleben suchte das Team noch einen Fahrer, und ich bin eingesprungen. Zwischenzeitlich war klar, dass es für mich in den USA nicht weitergeht, und dann sind halt die Blancpain GT Series und das ADAC GT Masters die besten Serien für GT-Sport in Europa. Die Entscheidung fiel mir leicht.»

In der zweiten Saison läuft es für Sie bei MRS immer besser. Schon der Auftakt in Oschersleben war vielversprechend, obwohl Nicolai Sylvest erst drei Tage vor dem Auftakt zum Team gestoßen ist.

«Richtig. Die Tests bin ich größtenteils alleine gefahren. Die Verpflichtung von Nicolai erwies sich als echter Glücksgriff für uns. Er ist zwar noch jung, aber sehr lernwillig. Nicolai macht einen guten Job. Wir kommen gut miteinander klar. Und er hat gezeigt, dass er sehr schnell ist, als er das Auto am Red Bull Ring auf die Pole gestellt hat.»

Welche Bedeutung hat der Sieg am Red Bull Ring für Sie? Der erste Sieg für MRS seit 2011.

«An dem Wochenende hat mit dem Sieg am Samstag und dem vierten Platz am Sonntag einfach alles zusammengepasst. Der Sieg hat eine große Bedeutung sowohl für mich als auch für das gesamte Team. Vergangene Saison haben wir uns schwergetan. In der Vorbereitung auf diese Saison haben wir dann viel Energie investiert, um einiges umzustellen. Jetzt nehmen die Dinge Formen an. An den Erfolg am Red Bull Ring werde ich mich noch lange mit einem Lächeln zurückerinnern. Eine große Genugtuung.»

Was rechnen Sie sich für den Rest der Saison aus?

«Wir wollen immer mal ein Highlight setzen. Das heißt: Podiumsplatz. Der Kurs in Hockenheim müsste uns von den vier restlichen Strecken eigentlich am besten liegen. Am Nürburgring mit den vielen engen Kurven tun wir uns erfahrungsgemäß schwer gegenüber anderen Fabrikaten. Da wir einige Umstellungen vorgenommen haben, bin ich gespannt, was für uns beim nächsten Rennen in Zandvoort drin ist.»

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