Fred Vasseur: «Sauber wird kein B-Team von Ferrari»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sauber-Teamchef Fred Vasseur

Sauber-Teamchef Fred Vasseur

​Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur spricht über den kommenden Kostendeckel im Formel-1-Sport. Und er sagt, wieso er die Zukunft des Schweizer Rennstalls nicht als B-Team von Ferrari sieht.

Viel steht auf dem Spiel: Es geht um die Zukunft des Formel-1-Sports, wenn FIA und Grossaktionär Liberty Media den Teams ihre Vorstellungen davon präsentieren, was in Sachen Motoren ab 2021 passieren soll und wie im Formel-1-Sport die Kosten runterkommen sollen. Entsprechende Sitzungen finden kommende Woche statt.

Auch Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur ist gespannt darauf, was den Rennställen da vorgeschlagen wird.

Es ist davon die Rede, dass mittelfristig ein Kostendeckel kommen soll. Im Fahrerlager von Mexiko geistert die Zahl von 150 Millionen Dollar Jahresbudget herum.

Fred Vasseur differenziert: «Das ist alles nicht so einfach. Wenn das wirklich so käme, dann wäre es für uns einfach, mit dem Kostendeckel auszukommen. Wir könnten gut mit 150 oder 170 Millionen leben. Aber wie soll das bei einem Top-Team gehen? Die haben rund 1000 Fachleute an der Arbeit, da kann doch nicht auf einen Bruchteil des heutigen Budgets zurückgehen und ihnen sagen, ihr müsst auf 400 Angestellte herunterfahren. Das ist doch nicht realistisch. So etwas muss ein Prozess sein, der mindestens vier Jahre dauert.»

«Wir müssen einen Weg finden, der für alle machbar ist. Es wäre für den Sport ganz schlecht, wenn die Formel 1 nur noch wegen des Kostendeckels in den Schlagzeilen ist und wie der reguliert werden soll. Eines ist klar: Die Kosten müssen runter. Für mich steht hier auch gar nicht die Zahl im Mittelpunkt – 150 Millionen, 170 oder 200. Es geht darum, in welche Richtung wir uns als Sport bewegen sollen.»

«Es ist schwierig, da eine Lösung zu finden, die alle glücklich macht. Jeder denkt doch immer nur an sich selber. Aber auch die Teams müssen längerfristig denken und über den eigenen Tellerrand hinaus.»

Wieso Honda nicht in Frage kam

Die erste Amtshandlung von Vasseur als Teamchef: Er hat die Absichtserklärung mit Honda platzen lassen, wonach Sauber 2018 drei Jahre lang mit japanischen Motoren gefahren wäre. «Da gab es für mich zu viele Fragezeichen. Nehmt nur das Getriebe. Wir haben bei uns nicht die Kapazität, ein Getriebe zu bauen. Wie hätte das mit Honda gehen sollen, wo doch eine Trennung von McLaren in der Luft lag? 2018er Motoren von Honda, letztjähriges Getriebe von McLaren? Nein, das passte für mich alles nicht zusammen.»

Daher arbeitet Ferrari weiter mit Ferrari und wird 2018 den aktuellen Motor samt Getriebe der Italiener verwenden. Sauber muss sich also nicht mehr mit Vorjahresmotoren abmühen wie in dieser Saison.

Die Frage ist, wie es in Sachen Ferrari weitergeht. Es ist davon die Rede gewesen, dass Sauber zum Vorgehen von Haas tendiere, dass also auch weitere Teile von Ferrari gekauft werden.

Fred Vasseur dementiert: «Nein, das sehe ich nicht so. Natürlich ist Ferrari ein hervorragender Partner. Ich will aber auch, dass wir eine gewisse Expertise hier im Hause Sauber behalten. Ich will nicht die Fähigkeit des Teams riskieren, Teile wie Querlenker zu bauen.»

«Für 2018 war das ohnehin kein Thema. Weil die Arbeit im Windkanal für das nächstjährige Auto weit fortgeschritten ist. Technikchef Jörg Zander und seine Truppe sind mit Volldampf an der Arbeit. Du kannst da nicht einfach Teile eines anderen Rennwagens einpassen, das ist wenig ideal. Es ist schon knifflig genug, einen anderen Motor ins Auto einzupassen als ursprünglich geplant.»

«Klar können wir uns überlegen, ob wir die Kooperation mit Ferrari in der Zukunft ausbauen. Denn über 2018 hinaus besteht keine Unsicherheit in Sachen Motorpartner. In Sachen Teile gilt es, eine gesunde Balance zu finden. Wenn du als Team jedoch Fortschritte machen willst, musst du auf eigenen Beinen stehen. Wir haben eine gute Infrastruktur, die will ich bewahren.»

«Generell bin ich nicht davon überzugt, dass Sauber eine Art B-Team von Ferrari werden sollte. Wir müssen unser eigenes Ding durchziehen.»

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