Mika Häkkinen: «Das sind die Fehler von Ferrari»

Von Rob La Salle
Formel 1
Mika Häkkinen

Mika Häkkinen

​Der zweifache Formel-1-Champion Mika Häkkinen glaubt: «Ferrari hat das schnellste Auto. Aber Lewis Hamilton führt die WM an. Das liegt an Fehlern von Ferrari in Sachen Führungsstil und Strategie.»

Es ist schon paradox: Die meisten Insider im Formel-1-Fahrerlager sind davon überzeugt, dass Ferrari derzeit das beste Auto hat. Aber Lewis Hamilton geniesst in der Fahrer-WM einen üppigen Vorsprung von dreissig Punkten auf Sebastian Vettel. Auch Mika Häkkinen wundert sich. In seiner Kolumne für den Wettanbieter Unibet prangert der Weltmeister der Jahre 1998 und 1999 an, was derzeit bei Ferrari falsch läuft.

Der 20fache GP-Sieger sagt: «Lewis führt die WM aus drei Gründen an. Erstens aufgrund seines natürlichen Talents, besonders auf nasser Bahn. Er hat Ferrari jedes Mal aus dem Konzept gebracht, wenn es geregnet hat. Dann aufgrund seines Verhaltens im Rennen. Er macht keine Fehler wie Sebastian Vettel. Und drittens kann Hamilton von der Partnerschaft mit Valtteri Bottas profitieren.»

«Auch in Italien hat Hamilton alles richtig gemacht, brillant unterstützt von Bottas. In Monza haben wir zwei Mercedes-Fahrer erlebt, die füreinander fahren – und zwei Ferrari-Piloten, die gegeneinander fahren.»

«Die Pole-Position war gut für Kimi Räikkönen und schlecht für Sebastian Vettel. Ich höre, in ihren Verträgen steht: Wer Pole hat, bekommt Vorfahrt. Sollte das wahr sein, zeugt das von Fehlern in Sachen Führung und Strategie. Da hätte man sich doch am Samstagabend mit den Piloten an einen Tisch setzen und das Vorgehen für Sonntag besprechen müssen!»

«Der Kampf in die ersten Kurve war wirklich unnötig, und als sich Kimi verteidigt hat, sein gutes Recht, war Vettel neben der Spur. Also konnte sich Verfolger Hamilton in der Curva Grande seinen WM-Rivalen prima zurechtlegen.»

«Hätten die Ferrari-Piloten zusammengearbeitet, wäre das für Hamilton viel schwieriger geworden. Stattdessen ermöglichten sie Lewis die Chance auf einen Angriff, und Sebastian Vettel drehte sich obendrein.»

«Von da an hiess es zwei gegen einen – Hamilton mit Bottas gegen Räikkönen. Mercedes weiss genau, wie in solchen Situationen am besten vorzugehen ist. Hamilton wurde auf der Bahn gelassen, als Räikkönen frische Reifen abholte, Bottas fuhr sogar noch länger, damit wurde Räikkönen ins Mercedes-Sandwich gesteckt. Da Kimi seinen Reifen zu viel zumutete, war der Sieg von Hamilton logisch.»

«Wir haben jetzt noch sieben Rennen. Ferrari kann es sich nicht länger leisten, dass sich die eigenen Piloten beharken. Und Vettel darf sich keine Fehler mehr erlauben. Um Lewis, Valtteri und Mercedes zu schlagen, muss Ferrari jetzt ein perfektes GP-Wochenende nach dem anderen zeigen – und gleichzeitig hoffen, dass Mercedes auch mal Probleme hat.»

«Ich erwarte, dass die Ferrari in Singapur sehr schnell sein werden. Aber die Italiener müssen sich endlich mal darüber klarwerden, wer ihr Gegner ist. Der Gegner von Vettel heisst nicht Räikkönen.»

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