Charles Leclerc über Vettel-Crash: «Nie wieder!»

Von Mathias Brunner
Charles Leclerc

Charles Leclerc

​Sebastian Vettel fehlt nach der Geburt seines Sohnes in Abu Dhabi. Also redet Charles Leclerc alleine über die Ferrari-Blamage von Brasilien und über die Kollision mit Vettel: «Das passiert nie wieder.»

Klar gibt die Kollision im Brasilien-GP zwischen den Ferrari-Piloten Sebastian Vettel und Charles Leclerc auch in Arabien zu reden. Aber die Erklärungslage ist einseitig – Sebastian Vettel ist nach der Geburt seines Sohnes noch nicht in Abu Dhabi. Er reist erst Donnerstagnacht an. Es liegt also an Charles Leclerc, über die Blamage von Ferrari zu reden.

Der 22jährige Monegasse sagt: «Wir haben uns die Videoaufnahmen in Ruhe angeschaut. Ich wollte herausfinden, wie wir so etwas in Zukunft verhindern können. Ich fand, das alles war extrem unglücklich, denn die Berührung war nur sachte, die Auswirkung aber gravierend. Als Stallgefährten müssen wir in Zukunft versuchen, weniger aggressiv miteinander zu sein, denn so etwas darf nie wieder passieren. Das war für das Team nicht gut, für uns Fahrer nicht gut, für die Fans nicht gut.»

Wie kann sich Leclerc beim Kampf junger Löwe gegen Platzhirsch da so sicher sein, dass das nie wieder passiert? Wurden in Maranello neue Richtlinien erlassen? Dürfen Leclerc und Vettel einander überhaupt noch attackieren?

Charles meint: «Ja, daran hat sich nichts geändern, wir dürfen einander angreifen. Jeder weiss, wie ehrgeizig Seb und ich sind, beide wollen die Nase vorn haben. Aber uns ist klar: Wir fahren fürs gleiche Team und müssen eine gesunde Balance finden. Ein solches Duell kann nur dann besser enden, wenn wir uns Raum lassen. Für uns ist die Sachlage simpel – wir müssen sicherstellen, dass so etwas wie in Brasilien nicht noch einmal passiert.»

Steht seitens der Team-Führung im Raum, bei einer weiteren Kollision eine Strafe zu verhängen? Wurde gar die Drohung ausgesprochen, einen Fahrer auf die Strasse zu stellen? Leclerc: «Nein, darüber wurde keine Silbe gesprochen.»

Wie sieht Charles die Schuldfrage? «Wir haben beide Schuld. Sebastian hätte seinen Wagen nicht nach links tragen lassen dürfen, und ich hätte mir mehr Mühe geben müssen, ihm auszuweichen. Aber ganz wichtig ist für mich – die Luft mit Seb ist geklärt, wir haben uns ausgesprochen und blicken nach vorne.»

Wie schätzt Leclerc die Ferrari-Saison ein? «Ein merkwürdiges Jahr», findet der zweifache GP-Sieger. «Wir haben die Saison gewiss nicht auf jenem Niveau begonnen, auf welchem wir uns im Testwinter wähnten. Die Probefahrten in Barcelona waren sehr ermutigend verlaufen, dann kamen wir nach Australien und waren sofort im Hintertreffen. Nachher haben wir schöne Fortschritte gemacht, vielleicht mit einem Hänger in Austin, den wir im Detail bis heute nicht verstehen. In Brasilien haben wir zum alten Speed zurückgefunden. Für mich ist wichtig, dass wir im Laufe der Saison Boden gutgemacht haben. Nun freue ich mich auf 2020 – ich werde zum ersten Mal überhaupt ein zweites Jahr im gleichen Team bleiben.»

Wie sieht Leclerc mittelfristig seine Karriere? Charles: «Ich bin ein Verfechter der Ansicht – mit harter Arbeit kannst du im Leben fast alles erreichen. Was den Job des Formel-1-Piloten angeht, so ist es ganz wichtig, welche Entscheidungen zu triffst, was dein Team angeht. Und du brauchst auch eine schöne Portion Glück, um Erfolge einzufahren. Ich denke kaum über so etwas nach. Ich konzentriere mich auf meinen Job, der Rest kommt von alleine.»

Wie sieht Leclerc das kommende WM-Finale? «Für mich geht es um den dritten Platz gegen Max Verstappen. Es ist nicht ganz einfach, einen Rückstand von elf Punkten wettzumachen, aber unmöglich ist das nicht, und ich werde es ganz sicher versuchen. Ich möchte meine erste Saison für Ferrari mit einem Podestplatz abschliessen.»


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