Nach zwei WM-Titeln mit Razgatlioglu: Die Ansprüche bei BMW sind gestiegen
Was Toprak Razgatlioglu für BMW in der Superbike-WM geleistet hat, ist außergewöhnlich. Motorsport-Direktor Sven Blusch verrät exklusiv, wie sich dadurch das Selbstverständnis im Team verändert hat.
Zweimal Weltmeister, 39 Siege und 58 Podestplätze in 66 Rennen: Toprak Razgatlioglu hat BMW in seinen beiden Jahren bei den Weiß-Blauen zum erfolgreichsten Hersteller gemacht. «Jedem ist bewusst, dass das ein spezieller Abschnitt für BMW Motorrad Motorsport war», sagte Rennchef Sven Blusch im Exklusiv-Interview von SPEEDWEEK.com.
«Von unserer Seite war der wichtigste Punkt das Thema Motorsport auf eine Ebene zu heben, wo wir zeigen, dass wir um den Titel mitfahren und ihn auch gewinnen können», so Blusch. «Jetzt fangen wir wieder bei null an, aber das hast du jedes Jahr. Das ist bei uns auch so in den Köpfen drin: Als wir in Jerez über die Ziellinie gefahren sind und den Titel geholt hatten, ging der erste Gedanke an das nächste Jahr. Wir alle wissen: Stillstand ist der Tod. Wir wussten, dass mit dem Abgang von Toprak und der Veränderung für Mickey (van der Mark – der Autor) eine Lücke entsteht, die möglichst schnell gefüllt werden muss. Wir haben extrem wenig Vorbereitungszeit für das erste Rennen und im Winter viel gearbeitet – die Ansprüche bei uns sind gestiegen. Wir haben das Thema Motorrad-Motorsport im Unternehmen sehr hochgepusht und uns einen Namen gemacht. Dementsprechend sind die Erwartungen, dass wir weiter erfolgreich bleiben. Darauf versuchen wir alles auszurichten.»
BMW in der Superbike-WM: Vor Toprak nur einmal Top-3
2009 trat BMW erstmals mit einem Werksteam in der Superbike-WM an, bis zur Verpflichtung von Razgatlioglu war der dritte Gesamtrang von Marco Melandri 2012 das beste Ergebnis. Nach zwei Titelgewinnen mit dem Türken hat sich auch das Selbstverständnis innerhalb des Teams verändert.
«Solche Titel gewinnst du nur, wenn du auf allen Ebenen bei 100 Prozent bist», verdeutlichte Blusch. «Wir haben ja auch gesehen, wie knapp es am Ende war. Dieser letzte Tag hat bewiesen, dass wir alle Weltmeister sind. Nach dem Crash von Toprak im Sprint war ich in der Box und auf Topraks Seite stand ein Chassis und ein Motor und es waren nur noch zwei Stunden bis zum Rennen. Dann hast du gesehen, wie jedes Rädchen ineinandergreift. Jeder in der Box hatte eine Aufgabe. Mickey sprach sich mit Toprak ab, wie sie es in der Einführungsrunde machen, falls etwas passiert. Das Team von Toprak hat am Bike gearbeitet, das Team von Mickey hat sie unterstützt. Es gab niemanden, der sich in dem Augenblick nicht seiner Aufgaben angenommen und gepusht hat. Als das Motorrad in der Startaufstellung stand, an dem immer noch gearbeitet wurde, dieser Moment hat mich sehr stolz gemacht. Der Puls war auf 180, dann kamen Sprüche, dass wir ja eh nur Zwölfter werden müssen. So etwas musst du ausblenden, weil wir alle nicht wussten, ob das Motorrad hält.»
Toprak als der Superstar fehlt, aber fast alle anderen sind noch da.
Sven Blusch
Der Norddeutsche weiter: «Toprak musste wieder in die richtige Denkweise gebracht werden, da war Kenan Sofuoglu Gold wert vor Ort, zusammen mit Can und Deniz Öncü. Jeder wusste, welche Aufgabe er hatte, das hat dieses Meisterteam ausgemacht. Ja, Toprak als der Superstar fehlt, aber fast alle anderen sind noch da. Darauf aufzubauen, an uns zu glauben, dass wir das wiederholen können, ist der wichtigste Punkt. Dafür müssen wir Danilo Petrucci und Miguel Oliveira so schnell wie möglich an Bord holen. Aber ich glaube, es war ein super Anstoß für alle, dass wir gesehen haben, dass wir es können. Das ist definitiv in allen Köpfen.»
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