Pierre Gasly erlöst Frankreich: Andere leiden weiter

Von Mathias Brunner
Formel 1
Pierre Gasly geniesst seinen Aufenthalt auf dem Siegerpodest von Monza 2020

Pierre Gasly geniesst seinen Aufenthalt auf dem Siegerpodest von Monza 2020

​Fahrer aus 23 Nationen haben in der Formel 1 gewinnen können. Pierre Gasly hat nach mehr als 24 Jahren Frankreich wieder einen Sieg geschenkt. Welche Nationen müssen weiterhin leiden?

Als Pierre Gasly beim Grossen Preis von Italien als Sieger über die Ziellinie fuhr, gab es bei AlphaTauri kein Halten mehr – zweiter GP-Triumph des Rennstalls aus Faenza, seltsamerweise erneut in Monza, wo Sebastian Vettel 2008 im Regen triumphiert hatte, als das Team noch Scuderia Toro Rosso hiess.

Der 24jährige Gasly ist der 109. Fahrer der Formel-1-WM-Historie, der einen Lauf gewinnen konnte. Davor die ersten Sieger: Charles Leclerc in Belgien 2019, Max Verstappen in Barcelona 2016, Pastor Maldonado in Barcelona 2012. Wir sehen: Premierensieger sind eine seltene Sache.

Pierre Gasly hat Frankreich erlöst: Mehr als 24 Jahre lang mussten die französischen Fans auf einen Sieger aus ihrem Land warten, damals hatte Olivier Panis mit seinem Ligier völlig überraschend einen verrückten Grand Prix von Monaco gewonnen. Es ist der 80. Sieg eines französischen Piloten, 13 Fahrer aus der «Grande Nation» haben mindestens einmal gewinnen können.

Wie sieht es eigentlich in der Nationenwertung der Formel 1 aus?

Grossbritannien wird als Wiege der Formel 1 bezeichnet, und das macht sich in der Siegerbilanz der Nationen stark bemerkbar: Dank des bärenstarken Lewis Hamilton hat Grossbritannien die Führung bei den Siegen ausgebaut, auf 293.

Rang 2 in der Nationenwertung: Deutschland mit 179 Siegen. Michael Schumacher hat davon 91 errungen. Verblüffend: Wäre Schumi eine Nation, so würde er in der Landeswertung Rang 4 einnehmen!

GP-Sieger – die Nationenwertung

1. Grossbritannien, 293 Siege mit 19 Fahrern
(Lewis Hamilton 89, Nigel Mansell 31, Jackie Stewart 27, Jim Clark 25, Damon Hill 22, Stirling Moss 16, Jenson Button 15, Graham Hill 14, David Coulthard 13, James Hunt 10, Tony Brooks und John Surtees, je 6, John Watson 5, Eddie Irvine 4, Mike Hawthorn, Peter Collins und Johnny Herbert, je 3, Innes Ireland und Peter Gethin, beide 1)

2. Deutschland, 179/7
(Michael Schumacher 91, Sebastian Vettel 53, Nico Rosberg 23, Ralf Schumacher 6, Heinz-Harald Frentzen 3, Wolfgang von Trips 2, Jochen Mass 1)

3. Brasilien, 101/6
(Ayrton Senna 41, Nelson Piquet 23, Emerson Fittipaldi 14, Rubens Barrichello und Felipe Massa, je 11, Carlos Pace 1)

4. Frankreich, 80/13
(Alain Prost 51, René Arnoux 7, Jacques Laffite 6, Didier Pironi 3, Maurice Trintignant, Patrick Depailler, Jean-Pierre Jabouille und Patrick Tambay, alle 2, François Cevert, Jean-Pierre Beltoise, Jean Alesi und Olivier Panis, alle 1)

5. Finnland, 55/5
(Kimi Räikkönen 21, Mika Häkkinen 20, Valtteri Bottas 8, Keke Rosberg 5, Heikki Kovalainen 1)

6. Italien, 43/15
(Alberto Ascari 13, Riccardo Patrese 6, Giuseppe Farina und Michele Alboreto, beide 5, Giancarlo Fisichella 3, Elio de Angelis 2, Luigi Fagioli, Piero Taruffi, Luigi Musso, Giancarlo Baghetti, Lorenzo Bandini, Ludovico Scarfiotti, Vittorio Brambilla, Alessandro Nannini und Jarno Trulli, alle 1)

7. Australien, 42/4
(Jack Brabham 14, Alan Jones 12, Mark Webber 9, Daniel Ricciardo 7)

8. Österreich, 41/3
(Niki Lauda 25, Gerhard Berger 10, Jochen Rindt 6)

9. Argentinien, 38/3
(Juan Manuel Fangio 25, Carlos Reutemann 12, José Froilán González 2)

10. USA, 33/15 *
(Mario Andretti 12, Dan Gurney 4, Phil Hill 3, Bill Vukovich und Peter Revson, je 2, Johnnie Parsons, Lee Wallard, Troy Ruttman, Bob Sweikert, Pat Flaherty, Sam Hanks, Jimmy Bryan, Jim Rathmann, Richie Ginther, alle 1)
* In den 50er Jahren gehörte das Indy 500 auch zur Formel-1-WM

11. Spanien, 32/1
(Fernando Alonso 32)

12. Kanada, 17/2
(Jacques Villeneuve 11, Gilles Villeneuve 6)

13. Neuseeland, 12/2
(Denny Hulme 8, Bruce McLaren 4)

13. Schweden, 12/3
(Ronnie Peterson 10, Jo Bonnier und Gunnar Nilsson, je 1)

15. Belgien, 11/2
(Jacky Ickx 8, Thierry Boutsen 3)

16. Südafrika, 10/1
(Jody Scheckter 10)

17. Niederlande, 9/1
(Max Verstappen 9)

18. Schweiz, 7/2
(Clay Regazzoni 5, Jo Siffert 2)

18. Kolumbien, 7/1
(Juan Pablo Montoya 7)

20. Mexiko, 2/1
(Pedro Rodríguez 2)

20. Monaco, 2/1
(Charles Leclerc 2)

22. Polen, 1/1
(Robert Kubica 1)

22. Venezuela, 1/1
(Pastor Maldonado 1)

Frankreich ist dank Gasly erlöst, aber in vielen Ländern geht die Durststrecke der Fans weiter.

Argentinien ist nun 39 Jahre lang ohne Sieg, Belgien 30. Mexikanische Fans warten seit mehr als 50 Jahren auf einen neuen Triumph, die Neuseeländer seit 1974. Schweden konnte seit 1978 nicht mehr über einen GP-Sieger jubeln, die Schweiz nicht mehr seit 1979. Da haben es die Österreicher besser, aber auch hier geht der letzte Sieg schon auf 1997 zurück.

Für GP-Freunde aus den USA (Mario Andretti 1978) und aus Südafrika (Jody Scheckter 1979) dauert die Durststrecke ebenfalls ziemlich lang.

Hier die Liste im Detail (Nation, letzter GP-Sieg, Fahrer)

Argentinien: Belgien 1981 (Carlos Reutemann)
Australien: Monaco 2018 (Daniel Ricciardo)
Belgien: Ungarn 1990 (Thierry Boutsen)
Brasilien: Italien 2009 (Rubens Barrichello)
Deutschland: Singapur 2019 (Sebastian Vettel)
Finnland: Österreich 2020 (Valtteri Bottas)
Frankreich: Italien 2020 (Pierre Gasly)
Grossbritannien: Belgien 2020 (Lewis Hamilton)
Italien: Malaysia 2006 (Giancarlo Fisichella)
Kanada: Luxemburg 1997 (Jacques Villeneuve)
Kolumbien: Brasilien 2005 (Juan Pablo Montoya)
Mexiko: Belgien 1970 (Pedro Rodríguez)
Monaco: Italien 2019 (Charles Leclerc)
Neuseeland: Argentinien 1974 (Denny Hulme)
Niederlande: Grossbritannien 2020 (Max Verstappen)
Österreich: Deutschland 1997 (Gerhard Berger)
Polen: Kanada 2008 (Robert Kubica)
Schweden: Österreich 1978 (Ronnie Peterson)
Schweiz: Grossbritannien 1979 (Clay Regazzoni)
Spanien: Spanien 2013 (Fernando Alonso)
Südafrika: Italien 1979 (Jody Scheckter)
USA: Niederlande 1978 (Mario Andretti)
Venezuela: Spanien 2012 (Pastor Maldonado)

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