Ducati stoppt Entwicklung: Testpilot Pirro erklärt Folgen für MotoGP 2026
Die 1000er-Ära der MotoGP geht ihrem Ende entgegen. Ducati-Testpilot Michele Pirro bestätigt: Neue Teile für die aktuelle Desmosedici GP26 sind kaum noch vorgesehen.
Die MotoGP-Saison 2026 markiert das Ende einer Ära. Zum letzten Mal kommen die 1000-ccm-Prototypen zum Einsatz, bevor 2027 das neue Reglement mit 850 ccm greift. Spätestens seit der Sommerpause konzentrieren die Hersteller einen großen Teil ihrer Entwicklungsarbeit auf die Motorräder für die kommende Saison.
Das hat auch Auswirkungen auf die Kräfteverhältnisse im letzten Teil der laufenden Saison. Ducati-Testpilot Michele Pirro bestätigte gegenüber GPOne, dass für die aktuelle Desmosedici praktisch keine großen Entwicklungsschritte mehr vorgesehen sind. Stattdessen fließen die Ressourcen bereits in das komplett neue 850er-Projekt. Was bedeutet das für den WM-Kampf gegen Aprilia? Zuletzt bot die RS-GP das stärkste Paket.
«Der Plan sieht nicht viele Dinge vor, die es zu testen gibt, weil wir bereits an der 850er-Ära tüfteln», erklärte Pirro. Damit muss Ducati die verbleibenden Rennen im Wesentlichen mit dem vorhandenen technischen Paket bestreiten.
WM-Kampf: Marc Marquez gegen drei Aprilias
Das könnte vor allem deshalb interessant werden, weil Aprilia zuletzt zur dominierenden Kraft avancierte. In der Meisterschaft liegen drei Aprilia-Piloten vorn. Jorge Martin ist Gesamtführender mit 240 Punkten. Aprilia-Teamkollege Marco Bezzecchi hat 209 Zähler auf seinem Konto und Trackhouse-Pilot Ai Ogura liegt bei 203 Punkten. Auch Silverstone-Sieger Raul Fernandez zählt mit 184 Zählern noch zu den potenziellen WM-Anwärtern.
Ducati hingegen hatte auf einigen Strecken erkennbare Schwierigkeiten. Mit Marc Marquez (200 Punkte) und Fabio di Giannantonio (199) befinden sich noch zwei Ducati-Piloten im Kampf um die WM. Ducati-Testpilot Pirro erwartet allerdings nicht, dass sich das grundsätzliche Bild für den Rest des Jahres dramatisch verändert.
«Im Vergleich zu den ersten zwölf Rennen wird sich nichts ändern. Es wird also mehr oder weniger so laufen, wie es in den ersten Rennen lief», prognostizierte der langjährige Ducati-Testfahrer. Eine eindeutige Hierarchie erwartet er dennoch nicht: «Wir müssen auf Sicht fahren. Jede Strecke wird eine eigene Geschichte sein.»
Wie unterschiedlich die Kräfteverhältnisse ausfallen können, zeigte zuletzt Silverstone. Dort hatte Ducati Probleme, während Aprilia mit Trackhouse-Pilot Raul Fernandez den Grand Prix gewann. «Es wird Strecken wie Silverstone geben, auf denen wir zu kämpfen haben. Es wird aber auch Strecken geben, auf denen wir weniger Probleme haben», stellte Pirro mit Blick auf den restlichen Saisonverlauf klar.
Ducati-Fahrer sollten nicht auf Updates hoffen
Eine schnelle technische Antwort auf die zuletzt aufgetretenen Schwierigkeiten ist angesichts des Entwicklungsstopps nicht zu erwarten. «Es gibt keine sofortige Lösung für die Probleme», erklärte der Italiener und verwies gleichzeitig auf die besondere Situation der laufenden Saison: «Wir müssen festhalten, dass sich dieses Projekt dem Ende nähert.»
Entsprechend wichtig werden die jeweiligen Charakteristika der noch ausstehenden Strecken. Pirro rechnet damit, dass Ducati auf passenden Kursen weiterhin den Maßstab setzen kann. Besonders optimistisch blickt er auf Aragon. Das MotorLand war in der Vergangenheit eine der Paradestrecken der Desmosedici und von Weltmeister Marc Marquez.
«Ich erwarte, dass wir in Aragon wieder die Referenz sind. Marc kann dort die Benchmark sein», so Pirro. Beim anschließenden Wochenende in Misano erwartet er hingegen starke Gegenwehr von Aprilia und Marco Bezzecchi. «Dann folgt Misano, wo es schwierig wird, weil Bezzecchi stark ist. Er war dort bereits im letzten Jahr stark. Doch vielleicht ist Marc dran», meinte der Ducati-Testpilot. Eine Woche nach Misano geht es in Spielberg weiter, bevor der MotoGP-Tross in Richtung Asien weiterzieht. Das letzte Saisonrennen und auch das finale Rennen der 1000er-Ära findet am 29. November in Valencia statt.
Wichtiger als Siege: Entscheiden Fehler die WM?
Damit könnte sich im letzten Teil der 1000er-Ära ein stark streckenabhängiges Kräfteverhältnis entwickeln. Während die Hersteller ihre technischen Ressourcen bereits auf 2027 konzentrieren, könnten Tagesform, Streckencharakteristik und vor allem Fehler eine noch größere Rolle spielen.
Pirro ist überzeugt, dass sich genau das auch auf den Kampf um die Weltmeisterschaft auswirken kann. «Fehler könnten die WM entscheiden. Wir haben gesehen, wie klein das Limit ist.»
Trotz der eingeschränkten Weiterentwicklung will Ducati bis zum Saisonfinale eine entscheidende Rolle spielen. «Wir hoffen, dass wir ein Wörtchen mitreden können, wenn wir in Valencia ankommen», hielt Pirro fest.
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