Teenager Max Verstappen: Wann schweigen die Kritiker?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Max Verstappen beim Abu-Dhabi-Test im November

Max Verstappen beim Abu-Dhabi-Test im November

Für 2016 gibt es in der Formel 1 ein Mindestalter und Mindestanforderungen, weil Max Verstappen in 75 Tagen am WM-Auftakt in Melbourne (Australien) teilnimmt – als 17-Jähriger.

Noch immer gehen die Meinungen zum Formel-1-WM-Debüt von Max Verstappen im kommenden März weit auseinander. Der Holländer wird als 17-Jähriger sein Grand-Prix-Debüt geben, und nicht alle sind davon begeistert.

Jacques Villeneuve, Formel-1-Champion des Jahres 1997, schimpft: «Das sieht doch so aus, als könnte jeder Formel 1 fahren. Während der Zeit meines Vaters wurde Piloten noch als Helden angesehen, die fast unbeherrschbare Monster bändigten.»

Der Autoverband FIA hat wegen der anhaltenden Kritik um blutjunge Fahrer wie Verstappen bei der jüngsten Weltratsitzung sogar neue Vorschriften für GP-Neulinge erlassen – künftig gibt es ein Mindestalter von 18 Jahren, ein Pilot muss überdies mehrere Jahre in Nachwuchsserien verbracht haben (Verstappen sprang vom Kart in den Formel 3 in den Formel 1).

Aber nicht alle nölen am jungen Verstappen herum, der bislang im Toro Rosso kaum Fehler gemacht und seine Ingenieure tief beeindruckt hat.

Force-India-Fahrer Sergio Pérez springt für den Holländer in die Bresche, denn der Mexikaner weiss auch: die Formel 1 hat bei den Zuschauern ein Nachwuchsproblem.

Pérez meint: «Ich verstehe die anhaltende Diskussion nicht. Red Bull hat in Max etwas Besonderes gesehen. Dieser Junge schreibt Geschichte, und das ist gewiss kein Zufall. Wenn ihm eine Firma wie Red Bull Vertrauen schenkt, wenn er das Zeug zum Formel-1-Fahrer hat, wieso soll er es dann nicht als 17-Jähriger tun? Das ist für den Sport und die Fans doch fabelhaft. Natürlich wird Verstappen unter Druck stehen, und es gilt, eine Menge zu lernen. Aber ich sehe keinen Grund, wieso er damit nicht klarkommen sollte.»

Ex-Formel-1-Pilot Martin Brundle sagt: «Für mich steht fest – die Kritiker werden erst dann schweigen, wenn Max in den Rennen die guten Ansätze bestätigt, die er bislang in den freien Trainings und bei den Testfahrten gezeigt hat.»

Das harte Leben der Wunderkinder

Doch nicht alle Formel-1-Teenies haben diesem Druck standgehalten, wie unsere kleine Übersicht zeigt. Wir wollten dabei wissen: Was ist eigentlich aus den bisher acht Piloten geworden, die in der Formel 1 als Teenager debütiert haben? (Die Werte basieren auf dem Nachschlagewerk «Grand Prix Guide» von Jacques Deschenaux.)

Jaime Alguersuari (E), 19 Jahre und 125 Tage

Debüt in Ungarn 2009 bei Toro Rosso

Erreichte als beste Ergebnisse zwei siebte Ränge (Italien und Südkorea 2011), dann wurde der Barcelonese als zu wenig entwicklungsfähig aussortiert. Konnte in der Formel 1 nicht mehr Fuss fassen. Ein GP-Rentner mit 21 Jahren ...

Mike Thackwell (NZ), 19 Jahre und 183 Tage
Debüt in Kanada 1980 bei Tyrrell

Musste in Montreal seinen Wagen nach Rennabbruch an Team-Leader Jean-Pierre Jarier abgeben. Erhielt danach nie die Möglichkeit, ein richtig gutes Auto zu fahren. Kam nur auf zwei GP-Starts und nie ins Ziel. In der Formel 2, in Japan und im Sportwagen ein absoluter Topmann. Zog sich Ende 1988 desillusioniert aus dem Motorsport zurück und arbeitete als Hubschrauberpilot, Goldschürfer und Lehrer. Lebt zurückgezogen an der englischen Südküste.

Ricardo Rodriguez (MEX), 19 Jahre und 224 Tage
Debüt in Italien 1961 bei Ferrari

Die Teenager-Sensation aus Mexiko (Motorrad-Spitzenpilot mit 14, Sportwagen-Ass mit 15). Es dauerte nicht lange, bis Enzo Ferrari auf ihn aufmerksam wurde. Vierter im Belgien-GP 1962. Im gleichen Jahr erlaubte Enzo Ferrari einen Start beim nicht zur WM zählenden Grand Prix von Mexiko. Der junge Rodriguez stürzte in der überhöhten Peraltada-Kurve mit einem Lotus zu Tode.

Fernando Alonso (E), 19 Jahre und 219 Tage
Debüt in Australien 2001 bei Minardi

Entwickelte sich zu einem der herausragendsten Formel-1-Piloten der Neuzeit. Nach dem Debüt mit Minardi folgte ein Jahr Pause (Testfahrer bei Renault, ab 2003 Stammfahrer), errang in Ungarn 2003 seinen ersten Sieg. Wurde Weltmeister 2005 und 2006 mit Renault. Heute Ferrari-Star mit insgesamt 32 GP-Siegen. WM-Gesamtzweiter 2010, 2012 und 2013.

Esteban Tuero (RA), 19 Jahre und 322 Tage

Debüt in Australien 1998 mit Minardi

Erhielt den Formel-1-Führerschein namens Superlizenz auf höchst umstrittene Weise, weil ihm gute Rennergebnisse aus Nachwuchsklassen fehlten. War in der Formel 1 überfordert. Schloss sich teilweise heulend in sein Hotelzimmer ein und musste überredet werden, überhaupt zum Training zu erscheinen. Zog sich am Schluss der Saison bei einem Crash eine Wirbelverletzung zu und wurde nie wieder in Europa gesichtet.

Daniil Kvyat (RU), 19 Jahre und 324 Tage
Debüt in Australien 2014 mit Toro Rosso

Äusserst eindrucksvolle Saison des GP3-Champions von 2013, beim Debüt gleich Neunter (so wie später in England). Hat sich so gut geschlagen, dass er als Nachfolger von Sebastian Vettel zu Red Bull Racing nachgezogen wird.

Chris Amon (NZ), 19 Jahre und 337 Tage
Debüt in Belgien 1963 mit Lola

Wenn Stirling Moss der beste Rennfahrer ist, der nie Weltmeister wurde, dann ist Chris Amon der beste Racer, der nie einem Formel-1-WM-Lauf gewann. Der Neuseeländer siegte mit allem, was vier Räder hatte, auch im F1-Renner, aber eben nur bei nicht zur WM zählenden Läufen. Galt als ewiger GP-Pechvogel. Zog sich 1976 nach 96 Grands Prix zurück, um Bauer zu werden. Er hatte zu viele Wegbegleiter verloren.

Sebastian Vettel (D), 19 Jahre und 350 Tage
Debüt in USA 2007 mit Sauber-BMW

Wie viele Fahrer mit grosser Karriere eroberte Vettel auf Anhieb einen Punkt (als Achter). Wurde Mitte der Saison 2007 zu Toro Rosso geholt, und der Rest ist – wie es so schön heisst – Renngeschichte: Erster GP-Sieg 2008 in Monza, im strömenden Regen, auf 2009 Wechsel zu Red Bull Racing, von 2010 bis 2013 vierfacher Formel-1-Champion mit 39 Siegen.

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