Jesko Raffin: Fehlendes Fahrkönnen? Falscher Pass?

Kolumne von Günther Wiesinger
Moto2
Aragón-GP 2017: Jesko Raffin mit Teamchef Fred Corminboeuf

Aragón-GP 2017: Jesko Raffin mit Teamchef Fred Corminboeuf

​Trotz Platz 4 beim Moto2-WM-Lauf auf Phillip Island durfte der Schweizer Jesko Raffin 2018 nicht an der Moto2-WM teilnehmen. Fehlte es am Können? Oder hat er den falschen Pass? Jetzt führt er haushoch in EM!

Das passiert auch nicht alle Tage: Der Schweizer Jesko Raffin glänzte am 22. Oktober 2017 beim Moto2-WM-Lauf auf Phillip Island mit dem makellos erkämpften vierten Platz – und bekam für 2018 keinen Platz mehr im 30-Fahrer-Feld. Wegen mangelnder Fahrkunst, wie das Selektions-Komitee feststellte.

Der Kalex-Pilot aus dem Garage Plus Interwetten-Team lag nach dem Australien-GP in der WM-Tabelle an 19. Stelle – mit 25 Punkten. Raffin wurde im Vorjahr im September vor dem Misano-GP vom Selektionskomitee wegen «mangelnder fahrerischer Kompetenz» ausgesiebt. Genau dort, wo er jetzt am Wochenende mit dem SAG-Team auf der Kalex ein WM-Comeback feiert, war er im Rennen auf Platz 9 gelandet. Aber nach dem Urteil der Selektionäre durfte Raffin für 2018 auch von keinem anderen Moto2-WM-Team nominiert werden.

Der Belgier Xavier Siméon ist sieben Jahre älter – und hielt sich mit 16 Punkten aus 16 Rennen auf dem 23. WM-Rang. Auch vom Belgier wusste man damals schon: Auch er wird in der Moto2-WM 2018 nicht mehr zu sehen sein.

Denn er hat sich mit 700.000 Euro Sponsorgeld bei Avintia Ducati eingekauft – in der Königsklasse!

Klar, Raffin hat 2017 nach dem 14. Platz 14 in Katar und dem 13. Platz in Argentinien bis Misano im September keine Punkte mehr geholt. Er blieb in seiner dritten GP-Saison hinter den Erwartungen.

Aber Jesko machte damals eine schwere Zeit durch. Sein Vater saß vorübergehend in Untersuchungshaft, seine Ex-Frau hatte ihn nach einem Scheidungskrieg wegen eines angeblichen Mordauftrags angezeigt. Vater Raffin wurde jedoch freigesprochen.

Raffin, in Misano Neunter und in Phillip Island, hatte zwar für 2018 einen gültigen Vertrag mit dem Schweizer CGBM-Team von Fred Corminboeuf, er hätte aber im Herbst seine Rennfahrerkarriere im Herbst mit 21 Jahren beinahe beenden müssen. Er überlegte es sich anders – und führt jetzt mit 50 Punkten Vorsprung (bisher drei Siege) souverän in der Moto2-EM. Er fährt im Junior-Team von Swiss Innovative Investors, geführt von Corminboeuf.

Raffin ist alles andere als talentfrei. Er hat 2011 den deutschen Yamaha-Cup gewonnen und danach die internationale FIM CEV-Repsol-Moto2-Meisterschaft, das war der Vorläufer der heutigen EM.

Aber das Schweizer CGBM-Evolution-Team, das in der WM für 2018 von Kalex auf KTM umstieg, bekam nur noch zwei statt drei Startplätze. Sogar ein «commercial entry» mit Raffin als drittem Fahrer wurde von der Teamvereinigung IRTA abgelehnt.

«Andere Fahrer mit einem anderen Pass fahren seit langem in der Moto2 mit. Sie werden nicht hinterfragt», wundert sich Raffin-Manager Marco A. Rodrigo.

Das galt nicht nur für Siméon, sondern auch für Axel Pons, der in der Moto2-WM seit 2010 nie über den 16. Gesamtrang hinausgekommen ist und der erst nach 2017 aussortiert wurde.

Auch Isaac Viñales durfte trotz jämmerlicher Ergebnisse 2018 weiter bei SAG eine Kalex fahren. Inzwischen wurde er dort entlassen und bei Forward engagiert, seine Erfolglosigkeit demonstriert er auch dort mit Nachdruck. Er ist zwar zwei Jahre älter als Raffin, er hat aber mit Maverick einen berühmten Cousin und ist ebenfalls Spanier.

Ebenfalls unverständlich: Federico Fuligni hat in der WM nichts verloren. Er kaufte sich aber 2018 bei Tascaracing ein und geht 2019 zum Nieto-KTM-Team von Aspar Martinez. Niemand hindert ihn daran, auch das Selektions-Komitee nicht.

In der Schweiz hat sich für 2018 die Anzahl der Moto2-WM-Fahrer innerhalb von zwei Jahren von fünf (Lüthi, Aegerter, Krummenacher, Raffin, Mulhauser) auf einen (Aegerter) reduziert. In Spanien stieg sie an auf sieben: A. Márquez, Navarro, Vierge, Lecuona, Fernandez, Mir und Isaac Viñales.

In Deutschland blieb 2018 mit Marcel Schrötter auch nur ein Moto2-Fahrer, weil Sandro Cortese keinen Platz mehr fand. 2019 steigt Philipp Öttl in die Moto2-WM auf, Lukas Tulovic macht sich Hoffnungen auf einen Platz bei Kiefer.

In der MotoGP-Klasse traten 2017 sogar zehn Spanier an, 2018 waren es immerhin noch neun.

Da Tom Lüthi aus der MotoGP-Klasse in die Moto2-WM zurückkehrt und wenn Aegerter wieder einen Platz in der Mittelgewichtsklasse findet, erleben wir 2019 wieder drei Moto2-Schweizer am Start.
Dabei haben die Schweizer keine Rennstrecke, es gilt sogar ein Rundstreckenverbot und eine wahre Schweizer Meisterschaft existiert eigentlich auch nicht mehr.

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