Domi Aegerter: Wie der Kalex-Deal versäumt wurde

Von Günther Wiesinger
Moto2
Domi Aegerter bestreitet die fünfte Moto2-Saison, immer auf Suter. Der WM-Dritte wollte im Herbst auf Kalex umsteigen. Sein Team versäumte die Bestellfrist.

Nach Rennen wie Le Mans kommt Domi Aegerter ins Grübeln. Wenn er als bester Suter-MMX2-Pilot im Feld auf Platz 6 landet, hinter fünf Kalex-Fahrern.

Oder nach Rennen wie in Mugello, wo er 8,1 Sekunden auf Sieger Tito Rabat einbüsste und als Fünfter ins Ziel kam, wieder hinter vier Kalex.

Dann grübelt der schnelle Schweizer auch darüber nach, ob es im Herbst 2013 ein verhängnisvoller Fehler des Technomag-CarXpert-Managements war, keine Kalex zu bestellen. Das Schweizer Team hatte einfach die Bestellfrist des deutschen Herstellers übersehen.
Nach dem fünften WM-Rang von 2013 mit Platz 3 in Assen hatte sich Aegerter für die Saison 2014 sehr viel vorgenommen. Er will seinen ersten GP-Sieg feuern, konstant aufs Podest fahren, seinen letztjährige WM-Position verbessern.

In der WM-Tabelle liegt er nach sechs Rennen mit 69 Punkten gleichauf mit Maverick Viñales (Kalex). Und dess Markenkollegen Rabat (124 Punkte) und Kallio (102 Punkte) liegen in der WM uneinholbar voran.

Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com äusserte sich Domi Aegerter über die Materialsitation.

Domi, dein Team wollte für 2014 auf Kalex umsteigen. Aber es wurde die Bestellfrist versäumt?

Ja, wir haben bei den Rennen in Misano oder Aragón angefragt, das war in der zweiten Saisonhälfte, also ein bisschen spät. Deshalb hat uns Kalex gesagt, es seinen schon alle Moto2-Motorräder für 2014 vergeben.

Warum wolltest du damals umsteigen? Weil Suter im Vorjahr nur vier von 17 Rennen gewonnen hat? Weil du in der WM als Fünfter von vier Kalex besiegt worden bist?

Ja... Ich sage jetzt mal, die Suter ist kein schlechtes Motorrad. Man kann damit auch gewinnen. Aber Le Mans war schon ein Tiefschlag.

Stefan Bradl ist nach der Saison 2010 von Suter auf Kalex umgestiegen udn dann Weltmeister geworden. Er sagte, man finde mit der Kalex schneller ein brauchbares Set-up. Anscheinend ist bei Suter die Bandbreite, in der das Motorrad einwandfrei funktioniert, schmaler als bei Kalex.

Ja, das hört man allgemein. Das kann man ein bisschen so sagen. Wir haben zum Beispiel in Le Mans nach dem Freitag-Training Änderungen gemacht, danach waren wir eine halbe Sekunde langsamer. Oder noch mehr.
In Mugello war es ähnlich. Am Freitag ging nichts. Ich war Fünfzehnter, mit zwei Sekunden Rückstand.

Auch Tom Lüthis Team überlegte Ende 2012 einen Wechsel von Suter zu Kalex. Aber dann wurde ihm der Nr.-1-Status zugesichert. Du hast guten Support von Suter?

Ja, die probieren schon alles Mögliche, damit wir schnell sind. Aber man muss immer schauen: Wo ist die erste Suter?
Ich bin bei den letzten drei Rennen der beste Suter-Fahrer gewesen. Aber ich habe nicht gewonnen.
Klar, die Kalex-Fahrer sind schnell unterwegs. Ich war in Mugello schon im Qualifying als Fünfter bester Suter-Pilot... Es fehlten 0,3 Sekunden. Die Spitzengruppe war viel zu schnell. Ich konnte unmöglich mithalten.

Wo verlierst du gegenüber den Kalex-Piloten die Zeit?

Von Gefühl her, denke ich, beim Rollenlassen.

Ist der Unterschied mit neuen Reifen stärker als mit gebrauchten?

Der Unterschied ist etwa gleich.

Es würde dich sicher reizen, mal eine Kalex zu testen, höre ich da heraus?

Ja. Aber was willst du machen? Ausgeschlossen ist nichts.
Aber was bringt es, wenn du testen gehst, dann hast du ein gutes Gefühl, musst aber die restlichen Rennen mit der Suter weiterfahren... Das wäre ganz schlecht.

Bei Kalex gibt es jetzt keine zahlenmässigen Einschränkungen mehr. Sogar das Forward-Team kriegt Support und Ersatzteile. Wenn es kein Budgetproblem wäre, könntest du auch während der Saison umsteigen?

Nein. Wir haben jetzt am Dienstag in Mugello mit Suter getestet. Es wird weitere Entwicklungsschritte geben. Wir müssen schauen, dass wir mit Suter wieder vorne mitfahren können.
Aber es sind viele Spitzenteams umgestiegen. Zuerst Kiefer, dann Italtrans, Marc-VDS, zuletzt Idemitsu, AGR, SAG, Petronas und Forward.
Was du siehst, ein Cortese, ein Folger, ein Salom, ein Viñales, die sind hoch gekommen – und: bamm – sind sie schnell gewesen. Klar, das sind keine schlechten Fahrer. Aber ch fahre die fünfte Moto2-Saison auf Suter; ich habe genug Erfahrung, ich habe den Speed, um eigentlich vor denen zu fahren. Aber...

Wie schwierig ist es, sich mit dieser Situation abzufinden? Es sind noch zwölf Rennen zu fahren?

Schlecht ist einfach... Die ersten zwei sind weit weg. Aber es ist noch nichts entscheiden. 50 Punkte kann man schnell mal einholen. Oder verlieren...
Ich bin punktegleich mit dem Drittplatzierten. Ich werde versuchen, Platz 3 zu verteidigen.

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