Aki Ajo: «Du kannst rasch von der Spur abkommen»

Von Günther Wiesinger
Moto3
Strenger Teamchef: Der Erfolg gibt Aki Ajo recht

Strenger Teamchef: Der Erfolg gibt Aki Ajo recht

Moto3-Teambesitzer Aki Ajo spricht über sein Erfolgsrezept, seinen Ruf, manchmal ziemlich streng mit seinen Schützlingen zu sein und die Kunst, das Maximum aus einem Fahrer heraus zu kitzeln.

Der Finne Aki Ajo ist der erfolgreichste Teambesitzer in der kleinsten GP-Klasse der letzten zehn Jahre. Er gewann den 125-ccm-WM-Titel 2008 mit Mike di Meglio, 2010 mit Marc Márquez, 2012 den Moto3-WM-Titel mit Sandro Cortese und 2016 mit Brad Binder.

Dazu landete er 2011 mit Johann Zarco auf Platz 2, und 2013, 2014 und 2015 verloren seine Asse Luis Salom, Jack Miller und Miguel Oliveira den Moto3-WM-Titel erst im letzten Rennen.

Auch wenn in der Moto3-WM 2017 Honda wie schon 2015 dominiert (neun Rennen, acht Siege, in der WM auf den ersten sechs Rängen), so sorgt Aki Ajo weiter für Aufsehen. So setzte er 2015 erstmals ein Moto2-Team ein – und gewann mit Johann Zarco auf Anhieb die WM, 2016 gleich noch einmal.

Danach stieg er mit seinem Moto2-Rennstall von Kalex auf die neue Werks-KTM um, holte für die KTM-Debütsaison den Portugiesen Oliveira zurück – und verpasste zuletzt den ersten Moto2-KTM-Sieg beim deutschen Grand Prix nur um 0,067 Sekunden!


Dazu fungiert der strenge Teamchef als persönlicher Manager der Ausnahmekönner Jack Miller, die sich in der MotoGP-WM als Rookies prächtig aus der Affäre ziehen.


Aki Ajo hat in den letzten Jahren oft den richtigen Riecher gehabt. Er hat mit Fahrern gewonnen, die sonst keiner haben wollte. Mike di Meglio war in der Saison 2007 WM-Siebzehnter in der 125er-Klasse. Dann kam er zu Ajo – und wurde Weltmeister.


Jack Miller hatte noch keinen Podestplatz errungen, als er 2014 zum Ajo-KTM-Team stieß – er gewann sechs Grand Prix und verloren den Titel nur um zwei Punkte.

SPEEDWEEK.com hat mit Aki Ajo über seine Erfolge gesprochen, die ihm niemand abspricht, auch wenn Antonelli und Bendsneyder in der Moto3-Klasse bisher viel schuldig geblieben sind – und bisher keinen Podestplatz erreicht haben.


Aki, du hast in der Vergangenheit immer wieder verborgene fahrerische Schätze gehoben. Wie funktioniert das?

Ich weiß es nicht. Es gibt kein Erfolgsrezept. Im Grunde verrichten wir einfach normal unsere Aufgabe.


Aber du hast den Ruf, manchmal ziemlich streng zu sein. Du erduldest es nicht, wenn ein talentierter Fahrer nicht das Maximum aus sich herausholt.


Ob ich streng bin, weiß ich nicht. Ich bin zumindest offen und ehrlich, sagen wir es so. 


Als Sandro Cortese 2010 erstmals bei dir gefahren ist, hast du ihn nicht mit Samthandschuhen angefasst. Er war das nicht gewöhnt, im Caffè-Latte-Team von Dani Epp stand er neben Tom Lüthi drei Jahre lang kaum unter Erfolgsdruck.


Deine Frage ist schwierig zu beantworten. Mein Rezept funktioniert bei manchen Fahrern, bei manchen weniger. 


Besonders als ich jünger war, war es für mich schwierig, einen Fahrer richtig zu analysieren, richtig einzuschätzen und einen guten Plan zu entwerfen. Es fiel mir schwer, für jeden Fahrer die passende Methode zu finden. Mit den Jahren der Erfahrung ist das jetzt ein bisschen leichter. Aber es ist immer noch nicht leicht – wie man momentan in der Moto3 bei uns sieht.


Aber ich tüftle und überlege immer, welche Methode und welcher Arbeitsstil bei einem bestimmten Fahrer am besten funktionieren könnten. 


Es gibt wirklich kein allgemein gültiges Rezept. Man muss unterschiedliche Methoden anwenden. Je mehr Erfahrung man hat, desto leichter findet man für die verschiedenen Fahrer das richtige Rezept. 


Das ist der wichtigste Punkt. Es ist eigentlich simpel. 


Aber viele Fahrer sind erst bei Ajo Motorsport richtig aufgeblüht. Also machen andere Teamchefs einiges falsch? Oder können sie oft einen guten Fahrer nicht von einem mittelmäßigen unterscheiden?


Ja, es kommt vor, dass ein Fahrer nur in unserem Team eine erfolgreiche Saison erlebt, in anderen Teams scheitern sie. 


Aber es passiert auch anders rum. Ich muss sagen: Danny Kent leistete 2015 sehr gute Arbeit. E gewann die WM. Bei uns ist ihm das nie so perfekt gelungen.


Ende der Saison 2014 ist er bei uns auf der Husqvarna sehr stark geworden. Aber im Frühjahr 2014 hatten wir eine schwierige Phase miteinander. Er kam damals aus der Moto2 zurück...


Da spielen immer viele Dinge mit. Vielleicht fühlt sich ein Fahrer bei uns auf einem anderen Fabrikat wohler als auf dem bisherigen. Vielleicht passt einmal das Motorrad bei uns aber auch nicht zum Fahrstil des Piloten... Vielleicht findet der Fahrer nach dem Weggang bei uns einen besseren Teammanager. Das lässt sich schwer beurteilen.


Du hast jedenfalls in den letzten Jahren immer für konkurrenzfähiges Material gesorgt, auch in der Moto2-Klasse. Das gelingt auch nicht jedem Teambesitzer. Und du verfügst über gute Techniker.


Gewiss. Das ist auch wichtig.


Natürlich brauchst du zuerst talentierte Fahrer. Dann muss dein Technikpaket wettbewerbsfähig sein. Zuerst müssen alle Grundlagen für den Erfolg geschaffen werden, dann kannst du erst mit der Arbeit beginnen. 


Doch es ist einfach, das ganze Projekt ins Verderben zu führen, wenn deine Mannschaft nicht gut zusammenarbeitet, wenn sich dein Fahrer im Team nicht wohl fühlt, wenn er kein Vertrauen spürt.
Wenn dein Fahrer kein Selbstvertrauen hat, klappt gar nichts, dann spielt es keine Rolle, ob du das beste Motorrad, die besten Ingenieure hast und den größten Sponsor hast.


Der Fahrer muss sich im Team zuhause fühlen, er muss Vertrauen in die Arbeit der Crew haben. Es reicht nicht, wenn der Fahrer happy ist. Er muss Zuversicht ausstrahlen, er muss sich rundherum wohl fühlen.


Es geht also darum: Wie vermittle ich dem Fahrer dieses Vertrauen? Und wie entlocke ich dem Fahrer dann die bestmögliche Performance? 


Wie schwer fällt es dir, als Teamchef so streng zu sein, die Fahrer unter Druck zu setzen, das Maximum aus ihnen heraus zu kitzeln?


Ich habe nicht das Gefühl, dass ich so hart und gnadenlos bin. Viele Leute sagen mir das nach. Gut, manchmal habe ich auch den Eindruck, ich sei streng. Aber in erster Linie bin ich ehrlicher zu den Fahrern als andere Teamchefs. Das ist wichtig. Ich beobachte ja viele Fahrer. Manche sind zu sich selbst nicht ehrlich genug.


Nimm Mika Kallio zum Beispiel. Vielleicht wird sich da jetzt jemand ärgern... Aber Mika beschwert sich 2015 bei Italtrans in der Moto2-Klasse dauernd in den Medien über irgendwelche technischen Probleme. Er klagte über sein Motorrad, er sagte, die 2015-Kalex ist nicht so konkurrenzfähig. 
Meiner Meinung nach lag die Wahrheit ganz woanders: Mika hatte das Vertrauen verloren. Es bezweifelt ja niemand, dass Mika Kallio ein wirklich talentierter Fahrer ist.

Jeder Fahrer braucht einen professionellen Hintergrund. Da rede ich vom Management, von der Familie, es muss Menschen geben, die dich in die richtige Richtung steuern.

Wenn in deinem Umfeld jemand nur nach Ausreden sucht und sich dauernd beschwert, kannst du rasch von der richtigen Spur abkommen.


Dann gelingt es dir nicht, deine Arbeit und deine Ergebnisse zu verbessern.


Wenn schon das Umfeld nicht ideal stimmt, müssen wenigstens im Team Leute vorhanden sein, die wirklich ehrlich zu dir sind und dir sagen: Jetzt ist es höchste Zeit, sich auf die richtige Dinge zu besinnen.


Im Ajo-Team sind wir alle professionell, wir haben viel Erfahrung. Wir wissen: Wenn ein Fahrer wie Kallio, der 2014 noch vier Moto2-WM-Rennen gewonnen hat und Vizeweltmeister war, wenn er dann auf demselben Fabrikat ein Jahr später dauernd 25. ist, kann dieses Abschneiden nicht nur technische Ursachen haben.


Ich vermute, das Problem liegt in erster Linie im Kopf des Fahrers.

Motorradsport ist Teamwork, mehr als im Fußball.

Das gesamte Team muss dieselben Ziele verfolgen. Jedes einzelne Teammitglied muss verstehen, welche Details wichtig sind und worauf wir uns konzentrieren müssen.

Du brauchst in jedem Rennstall Leute, die verantwortlich sind und einen Fahrer notfalls klarmachen: 'Hey, du bist auf dem Irrweg. Lass’ uns da gemeinsam wieder rausfinden.'


 

 

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