Moto3

Wie Max Biaggi Aron Canet zum Moto3-Titel führen will

Von - 28.09.2019 10:32

Aron Canet kann dem Max Racing Team im Debütjahr in der Moto3-WM den Titel bescheren. Max Biaggi spricht über seine Emotionen, seine Herangehensweise und Teamteilhaber Peter Öttl.

Aron Canet erlebte in den vergangenen Moto3-Rennen ein wahres Wechselbad der Gefühle: In Brünn kam er mit einem Sieg aus der Sommerpause zurück, darauf folgten Rang 10 in Spielberg, ein Sturz und Platz 13 in Silverstone und schließlich ein Nuller in Misano. In Aragón meldete sich der KTM-Pilot aus dem Max Racing Team von Max Biaggi und Peter Öttl im Titelkampf aber eindrucksvoll zurück – nach einem souveränen Sieg trennen ihn nur noch zwei Zähler von WM-Leader Lorenzo Dalla Porta (Honda).

Biaggi litt vor allem in Misano besonders mit seinem Schützling, als Canet an die Box fahren und nach einem zweiten Versuch das Rennen wegen eines kaputten Kabels der Einspritzdüse schließlich ganz aufgeben musste.

«Als ich selbst noch Rennen gefahren bin und mir ähnliche Dinge passiert sind, nahm die Wut oft Überhand, aber weil ich allein mein Schicksal in die Hand nehmen kann, habe ich die Ärmel hochgekrempelt und weiter gepusht, und versucht alle Imperfektionen auszumerzen. Das war ein aufwendiger Job, aber es hat mir nichts weiter ausgemacht, weil ich von einer tiefen Liebe für diesen Sport angetrieben wurde», erzählte der vierfache 250er- und zweifache Superbike-Weltmeister anschließend auf seiner Facebook-Seite.

«Heute ist meine Rolle eine andere. Als ich gesehen habe, dass Aron an die Box kam, habe ich mich in seine Situation hineinversetzt. Ich wusste genau, was er fühlte, und ich hätte in dem Moment gerne an seinen Emotionen teilgehabt, um ihn von der ganzen Frustration zu befreien. Ich fühlte mich machtlos. Ich habe seinen Blick und seine Gesten gesehen und hätte mir einfach nur gewünscht, dass sich das Problem in einem Augenblick in Luft auflösen würde», schilderte der 48-jährige Italiener. «In dem Moment habe ich verstanden, wie schwierig der Job des Rennfahrers für diese Jungs ist, die im Grunde erst 19 Jahre alt sind. Mann muss sie unterstützen, ihnen helfen und sie verstehen – und das immer.»

Auf psychologischer Ebene sei es sicher einfacher, ein Teamchef als ein erfolgreicher Fahrer zu sein, bestätigte Biaggi kürzlich in einem Interview mit «Motosprint». Deshalb war für ihn ein Aspekt besonders wichtig: «Als ich diese Mannschaft aufgestellt habe, war die Idee dahinter, sie rund um den Fahrer aufzubauen. Die großen Namen der MotoGP zum Beispiel bringen oft ihre Techniker und Ingenieure mit, denen sie vertrauen. In der Moto3 ist es fast nie so: Der Fahrer kommt in das Team, das schon zusammengestellt wurde, ohne an den Fahrer zu denken. So riskiert man aber, Fehler zu machen. In meiner Rolle versuche ich, ein Bindeglied zu sein: Ich nutze meine Erfahrung, um zu verstehen, was ein junger Fahrer braucht – aus menschlicher und professioneller Sicht.»

So wurden für Canet ein Dateningenieur und zwei Techniker aus Spanien in das Max Racing Team geholt: «Mit dem Ziel, die Kommunikation in Momenten, in denen es darauf ankommt, zu vereinfachen und zu beschleunigen.»

Als Max Biaggi das Joint-Venture mit Peter Öttl einging, sei er von Anfang an davon überzeugt gewesen, dass der Deutsche der richtige Partner war: «Er ist immer dabei, er reist mit dem Team und kümmert sich um die Logistik, wenn ich fehle, bin ich beruhigt, weil er sich um alles kümmert. Peter ist einer der wenigen verlässlichen Leute im Paddock, außerhalb der MotoGP ist es wirklich schwierig, diese zu finden. Ich mag kohärente Menschen, weil sie dir das Leben in einer so frenetischen Welt einfacher machen», unterstrich der Italiener, der unter anderem als Aprilia-Botschafter viel beschäftigt ist.

Die Rechnung scheint aufzugehen, denn fünf Rennen vor Schluss liegt Canet auf dem zweiten Rang der Moto3-WM. Als WM-Dritter von 2017 erlebte der bald 20-jährige Spanier im Vorjahr eine enttäuschende Saison, umso größer sei die Genugtuung beim Saisonauftakt 2019 gewesen, erzählte Biaggi: «Das Debüt war die größte Freude: Wir haben uns als neues Team präsentiert, mit einem Fahrer, der Mühe hatte, und einem Motorrad, das für ihn neu war. Wir haben am Samstag die Pole-Position geholt und am Sonntag Platz 3, zwei Meter hinter dem Sieger. Das beweist, dass alles möglich ist, wenn man sich bemüht.»

Moto3-WM-Stand nach 14 von 19 Rennen:

1. Dalla Porta 184. 2. Canet 182. 3. Arbolino 155. 4. McPhee 126. 5. Ramirez 123. 6. Antonelli 118. 7. Masia 96. 8. Vietti 90. 9. Ogura 86. 10. Suzuki 85. 11. Foggia 81. 12. Kornfeil 72. 13. Fenati 67. 14. Rodrigo 67. 15. Migno 52. 16. Toba 51. 17. Fernandez 51. 18. Sasaki 50. 19. Lopez 45. 20. D. Binder 44.

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