Team Italia: Neue Fahrer 2016 – sogar ein Ausländer!

Von Günther Wiesinger
Moto3
Schnelle italienische Moto3-Piloten sind rar geworden. Deshalb will das Team Italia 2016 mit einem Ausländer antreten – und zu KTM wechseln. Philipp Öttl ist ein Kandidat.

Der Italiener Alfredo Mastropasqua betreibt für den italienischen Verband FMI seit Jahren das San-Carlo-Team Italia, das 2012 mit Romano Fenati einen fulminanten Moto3-Saisonstart (Platz 2 in Dohar, Sieg in Jerez) hinlegte und sich damals Titelchancen ausrechnete.

Aber HRC leistete für die neue 250-ccm-Viertakt-Maschine NSF 250R keine Entwicklungsarbeit, die Teams mussten wegen des nicht konkurrenzfähigen Chassis auf FTR-Fahrwerke umsteigen.

Maverick Vinales war damals als Titelanwärter so sauer, dass er im Blusens-Team sozusagen den Malaysia-GP boykottierte.

Trotzdem fuhr das Team Italia auch 2013 auf FTR-Honda, doch Fenati sackte auf den zehnten WM-Rang ab, 2012 wurde er als Rookie WM-Achter. Also wechselte er deshalb für die Saison 2014 enttäuscht ins neue Sky-VR46-Team von Valwntino Rossi, wo er eine Werks-KTM erhielt, er gewann vier WM-Rennen und schaffte den sauberen fünften WM-Rang.

Das Team Italia schlug sich 2014 mit Matteo Ferrari und Andrea Locatelli durch, man war auf Mahindra umgestiegen, jetzt sitzen Matteo Ferrari und Stefani Manzi auf den Mahindra MGP30-Maschinen.

Fast jedes Jahr seit Ende 2012 verhandelt Mastropasqua mit KTM-Rennchef Pit Beirer wegen Material aus Österreich für sein Moto3-Team, es hat bisher nie geklappt.

Für 2015 erhielt das Team Italia keine KTM-Motorräder, weil die Österreicher die Anzahl der in der WM eingesetzten Maschinen von 19 auf zwölf reduzierten und keine neuen Kunden akzeptiert wurden.

Für 2016 startet das Team Italia bei KTM einen neuen Versuch. Und Mastropasqua verriet im Gespräch mit SPEEDWEEK.com eine überraschende Neuigkeit. «Wir planen für 2016 eine neue Strategie. Das Team Italia wird nur einen Platz besetzen, zu 99 Prozent wird es sich um den 16-jährigen Marco Bezzecchi handeln, der beim Mugello-GP bei uns einen Wildcard-Einsatz absolviert hat, aber im Rennen gestürzt ist. Auf die zweite Maschine wollen wir 2016 einen Ausländer setzen, wahrscheinlich auch mit unterschiedlichen Sponsoren.»

Das Team Italia hält jetzt Ausschau nach einem geeigneten Fahrer, auch Philipp Öttl (19) gehört zu den Kandidaten.

Matropasqua: «Wir möchten neben Bezzecchi einen Fahrer, der noch jung ist, aber trotzdem schon WM-Erfahrung hat. Wenn er KTM willkommen ist, kommt uns das natürlich gelegen. Wir sind ein Team, das Erfahrung mit jungen Piloten hat und sie auch nicht unter Druck setzt.»

Der Team-Italia-Manager macht kein Geheimnis daraus, dass er mit einer Verpflichtung von Phillip Öttl (19) liebäugelt. Aber er kann sich ausmalen: Öttl kommt nur, wenn sich der italienische Rennstall endlich KTM-Material sichert. «Ich habe bereits einen Sponsor, der an Philipp Öttl interessiert ist», erklärte Mastropasqua beim Mugello-GP.

Das Team Italia ist auch mit einem anderen Problem konfrontiert. Valentino Rossi holt für seine VR46-Academy alle italienischen Talente unter seine Fittiche, Fausto Gresini schnappt sich den Rest, für das Team Italia bleiben nur die Brosamen übrig.

Das Team Italia und der Verband FMI wollen mit KTM auch auf anderen Gebieten zusammenarbeiten. Mastropasqua möchte einen italienischen Rookies-Cup mit sechs bis acht Rennen und vier bis sechs Testtagen inszenieren und herausfinden, ob KTM und Red Bull für solche Zwecke eventuell gebrauchte Moto3-KTM aus dem Red Bull-Rookies-Cup liefern würden. «Wir möchten auf echten GP-Pisten wie Imola, Misano und Mugello fahren und den 20 bis 24 Fahrern ein komplettes Paket mit Motorrad, Lederkombi und Helm anbieten», erklärte Mastropasqua. «Ausserdem überlegen wir ein Projekt für eine Sport-Production-Meisterschaft für Italien, daran hat auch die Dorna Interesse. Wir möchten da mit einem namhaften Hersteller zusammenarbeiten, die RC390-Maschinen von KTM wären eine Möglichkeit. Da der ADAC Erfahrung mit solchen Nachwuchsserien hat, die nicht zu kostenintensiv sein dürfen, habe ich am 10. Juni diesbezüglich ein Meeting in München.»

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