Mahindra: Erster GP-Sieg, aber viel Schatten

Kolumne von Günther Wiesinger
Moto3
Der erste Moto3-GP-Sieg von Mahindra in Assen überstrahlt nicht alle Widerwärtigkeiten. Ausser Pecco Bagnaia fahren alle Markengefährten hoffnungslos hinterher, die Kundenteams sind verärgert.

Das Aspar-Mahindra Moto3-Werksteam tat sich bei den ersten Rennen in diesem Jahr manchmal schwer. Nur der überragende Fahrkünstler Francesco Bagnaia tat sich manchmal hervor und eroberte in Doha, Jerez und Mugello drei dritte Plätze.

Alle anderen Fahrer von Mahindra und Peugeot enttäuschten auf allen Ebenen.

Der indische Konzern ist seit 2012 in der neuen 250-ccm-Einzylinder-Viertakt-WM werkseitig dabei, die Fortschritte halten sich in Grenzen.

Da nützt das ganze Schönreden nichts, wofür im Auftrag von Mahindra Racing die englische Agentur HPS Jardine zuständig ist. Aber wenn die grossen Erfolge fehlen, tut sich selbst die professionellste Public Relations-Abteilung schwer.

«2016 erleben wir das beste Jahr von in der Moto3-WM. «Pecco» Bagnaia hat bei den ersten sieben Rennen 54 Punkte gesammelt. Das gab es bei Mahindra noch nie», verlautbarte ein HPS Jardine-Sprecher vor der Dutch-TT.

Ein Irrtum.

Miguel Oliveira kassierte 2013 bei den ersten sieben Rennen 56 Punkte ein.

Klar, Bagnaia hat 2016 vor dem WM-Lauf in Assen schon drei dritte Plätze erzielt. Der Rossi-Schützling kam als WM-Fünfter nach Assen. Aber auch das bildet keinen erheblichen Fortschritt ab. Denn Oliveira steuerte die Moto3-Mahindra 2013 einmal auf Platz 2, das ist 2015 und 2016 bis Assen nie gelungen. Und die Beteiligten klagen: Seit Mahindra Racing in Besozzo/Italien ein eigenes Kompetenzzentrum betreibt, mit den umstrittenen Technical Director Davide Borghesi an der Spitze, geht es technisch drunter und drüber.

Zur Erinnerung: In den ersten drei Moto3-Jahren 2012 bis 2014 war die Schweizer Firma Suter Racing Technology bei Mahindra für den Bau und die Entwicklung der MGP3O-Maschinen zuständig.

Mahindra Racing hat bereits 2013 beim Malaysia-GP Geschichte geschrieben, als der erste Podestplatz sichergestellt wurde – Platz 3 durch Oliveira. Estmals heimste ein indisches Fabrikat einen GP-Podestplatz ein. Das Motorrad schaffte 2013 bereits in 10 von 17 Rennen immerhin Top-5-Ergebnisse gegen Honda und KTM. Oliveira wurde WM-Sechster mit 150 Punkten. Mahindra errang damals Platz 3 in der Marken-WM.

2014 folgten drei weitere Podestplätze, darunter Platz 2 beim Sachsenring-GP mit Brad Binder. Der Südafrikaner wurde 2014 WM-Elfter – mit 109 Punkten, Oliveira WM-Zehnter mit 110 Punkten.

2015, im ersten Jahr unter der Regie von Borghesi, ging es stark bergab. Bagnaia schaffte 2015 in Le Mans einen einzigen Podestplatz. In der WM sackte er als bester Mahindra-Pilot im Vorjahr mit 76 Punkten auf den 14. Gesamtrang ab. Jorge Martin kam nur auf 45 Punkte – er wurde WM-17. Bei den Kundenteams regte sich Unmut wegen des schlechten Materials.

In diesem Jahr treten neben dem Aspar-Werksteam (Bagnaia, Martin) noch drei Kundenteams auf Mahindra an. Dazu kommt das Peugeot-Werksteam (McPhee, Masbou) mit baugleichen Maschinen. Aber ausser Bagnaia hat nur ein anderer Mahindra/Peugeot-Pilot einen Top-Ten-Platz erobert: Jorge Martin mit Platz 8 in Las Termas auf feuchter Piste.

Zuletzt in Assen gelang Bagnaia der zehnte Startplatz, die zweitbeste Mahindra (Darryn Binder) stand im 32-Fahrer-Feld an 20. Stelle.

Im Rennen sah es nicht anders aus: Der überragende Bagnaia sorgte für den ersten GP-Sieg von Mahindra, aber kein anderer Fahrer von Mahindra/Peugeot kam in die Punkteränge.

Die drei Mahindra Racing-Kundenteams Platinum Bay Real Estate (Danny Webb, Darryn Binder), CIP-Unicom Starker (Fabio Spiranellia, Tatsuki Suzuki) und 3570 Team Italia (Stefano Valtulini, Lorenzo Petrarca) haben bereits beim Jerez-GP in diesem Jahr Kontakt zu KTM und Honda aufgenommen. Denn mit Mahindra laufen ihnen die Fahrer und Sponsoren davon, klagen sie einstimmig.

Besonders arm dran ist das Peugeot-Team: Alexis Masbou, GP-Sieger in Katar 2015 auf Honda, ist nach der Dutch-TT noch punktelos. McPhee wurde in Assen 16. und liegt in der WM mit zehn Punkten nach acht Rennen nur an 22. Stelle.

Das hatte sich im Winter noch anders angehört. Enrico Pellegrino spukte bei der Peugeot-Teampräsentation am 3. März in Jerez grösse Töne. «Unsere Erwartungen sind hoch, aber für unsere Debüt-Saison 2016 ist der Lernprozess das oberste Ziel. Wir haben ein starkes Team. Teammanager Terrell Thien hat sehr viel Erfahrung in diesem Geschäft, Alexis Masbou ist ein erfahrener und starker Fahrer. John McPhee ist ein sehr talentierter junger Pilot. Wir haben uns für ein langfristiges Projekt in der Weltmeisterschaft entschieden. Natürlich ist es unser größtes Ziel, den WM-Titel zu gewinnen, in zwei oder drei Jahren werden wir mehr wissen. Mit KTM und Honda in dieser Meisterschaft kann Peugeot gegen die besten Hersteller der Welt antreten», posaunte Pellegrino damals.

Auch Mufaddal Choonia, seit 2011 gewichtiger CEO von Mahindra Racing, ist kein Mann der leisen Töne. «Wir konnten bei Pecco Bagnaia und Jorge Martin schon 2015 große Schritte beobachten. Es besteht absolut kein Zweifel daran, dass sie zu einem gewissen Zeitpunkt in ihren Karrieren Weltmeister werden können. Glücklicherweise haben wir in jedem Jahr Schritte nach vorne gemacht. Die Lücke zu den Gegnern wird in jeder Saison kleiner. Ich hoffe, dass wir sie 2016 gänzlich schließen können und Rennen gewinnen werden», sagte Choonia im Winter.

Die Fakten untermauern diese Behauptung leider nicht.

2013 holte Oliveira als WM-Sechster 150 Punkte, 2014 als WM-Zehnter 110, 2015 schaffte Bagnaia nur den 14.WM-Rang mit tristen 76 Punkten.

Danach verlangte dessen Teamchef Jorge Martinez, man müsse die Entwicklung wieder in die Hände von Suter-Ingenieur Alex Giussani legen. Sonst wäre er auf KTM oder Honda umgestiegen, trotz eines Mahindra-Vertrags bis Ende 2017.

Doch seit 1. April 2016 sind Suter und Giussani aus dem Spiel.

Natürlich ist der Assen-Sieg ein beachtlicher Erfolg.

Aber Mahindra hat noch einen weiten Weg vor sich. Es wird nicht reichen, das mässige Abschneiden aller anderen Fahrer ausser Bagnaia auf das Fahrkönnen zu schieben.

Denn John McPhee fuhr 2015 auf der Werks-Honda NSF 250RW zweimal vom besten Startplatz los, Teamkollege Masbou gewann im Vorjahr den Katar-GP. Jetzt ist er punktelos. Auch Karel Hanika versagt 2015 mit den Kunden-Mahindra. Mit der KTM stand er 2015 in der ersten Startreihe.

Die Spitzenteams wie SKY VR46 und Gresini wussten letztes Jahr, warum sie bei KTM und Honda blieben und sich nicht auf den Peugeot-Deal einliessen, obwohl das Materal kostenlos geliefert worden wäre.

Laut Reglement muss Mahindra alle Teams und Fahrer mit identischem Material ausrüsten.

Verlieren McPhee und Masbou wirklich fahrerisch 0,8 bis 1 Sekunde pro Runde auf Bagnaia? Oder beschweren sich die Teams zurecht, dass die Aspar-Mannschaft beim Material hoffnungslos bevorzugt wird – was nicht dem Reglement entspricht.

Gut möglich, dass Mahindra und Peugeot 2017 nur die zwei Werksteams einsetzen, weil die Kundenteams kein Interesse mehr haben.

Aber dann wäre das Konzept und der Sinn der Moto3-WM verfehlt, in der die Werke jeweils möglichst zehn bis zwölf Fahrer mit identischem Material ausrüsten sollten.

Mahindra und Peugeot könnten dann echte Prototypen bauen, während KTM und Honda Production-Racer für jeweils fast 15 Fahrer anfertigen müssten.

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