Brad Binder (KTM): «Ich muss diese Chance nutzen»

Von Isabella Wiesinger
Moto3
Brad Binder

Brad Binder

Brad Binder aus dem Red Bull KTM-Ajo-Team geht mit 47 Punkten Vorsprung in die zweite Moto3-WM-Saisonhälfte. «Die Pisten, die jetzt noch kommen, liegen mir am besten», meint der KTM-Star.

Brad Binder hatte nie zuvor ein Weltmeisterschafts-Rennen gewonnen, aber in diesem Jahr hat er es geschafft, drei Moto3-GP-Siege und vier Podiumsplätze in nur neun Rennen zu holen. Dadurch ist der Red-Bull-KTM-Ajo-Fahrer WM-Leader in der Moto3. Er führt in der Hälfte der Saison mit 47 Punkten Vorsprung auf Jorge Navarro (Honda). Das ist eine Chance auf den Moto3-WM-Titel, die sich der 20-jährige Südafrikaner in den nächsten neun Rennen nicht nehmen lassen will.

Brad, hättest du dir jemals vorstellen können, dass du nach der ersten Hälfte der Saison an diesem Punkt stehen würdest?

Es ist der Punkt, auf den ich in der Zwischensaison hingearbeitet habe. Es war mein Ziel, um den WM-Titel zu kämpfen. Die Wahrheit ist, dass bisher alles sehr gut gelaufen ist und wir jede Woche super Arbeit geleistet haben. Der erste Grand Prix, bei dem ich einen dummen Fehler gemacht habe, war in Assen. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis etwas schief läuft, weil es bis dahin grossartig funktionierte. Kurz gesagt: Ich bin sehr glücklich mit den bisherigen Resultaten und ich werde mich bis zum Schluss konzentrieren und so weitermachen, wie bisher.

Was hat sich im Vergleich zum letzten Jahr geändert?

Ich glaube, dass ich wirklich viel besser vorbereitet bin. Ich fühle mich stärker und ich musste diese Chance, die mir Red-Bull-KTM-Ajo gegeben hat, einfach nutzen.

Hat sich das Motorrad von KTM seit dem vorigem Jahr stark verändert?

Es ist eigentlich dasselbe, wie in den letzten vier bis fünf Rennen letztes Jahr. Vielleicht haben wir uns in der Konfiguration und im Set Up verbessert. Aber die grösste Veränderung liegt in der Arbeit, die das Team stetig leistet, und in der Erfahrung, die wir mit der KTM von Woche zu Woche erweitern.

Du hast sieben aufeinanderfolgende Podiumsplätze gesammelt in einer Klasse, die nicht ganz einfach ist. Es ist der Schlüssel zum Erfolg, regelmässig unter den Top 3 zu sein?

Ja, das versuche ich. Wenn ich merke, dass ich das Rennen gewinnen kann, will ich auch gewinnen. Aber wenn ich die Möglichkeit nicht sehe, will ich auf jeden Fall auf dem Podium landen. Die Saison ist lang und jeder Punkt zählt.

Was ist das Geheimnis, um in der Moto3 aufs Podium zu kommen?

Das Wichtigste ist es, seine Stärken und Schwächen zu kennen. Es geht darum, das Bestmögliche aus allem, was dich stärker macht, herauszuholen - vor allem, in den letzten Runden. Erfahrung beeinflusst alles. Je mehr Erfahrung man hat, desto mehr Respekt wir dir entgegen gebracht. Ich bin schon sehr lange in der Moto3 und das macht mich stark.

Was waren für dich bisher die besten und schlechtesten Grand Prix in dieser Saison?

Das beste Rennen war auf jeden Fall Jerez – es war das beste Rennen meines Lebens. Es war mein erster Sieg, den werde ich niemals vergessen. Ich musste vom letzten Platz losfahren, weil im Qualifying das Mapping nicht homologiert war, das wir einsetzten.
Das schlechteste Rennen war Assen. Ich hatte ein gutes Gefühl für das Wochenende. Ich dachte, dass wir es aufs Podium schaffen könnten, aber da habe ich mich getäuscht. Ich habe den Gasgriff zu früh geöffnet, dann den Grip verloren. Ich konnte einen Sturz verhindern, aber ich habe es nicht mehr geschafft, mich der führenden Gruppe anzuschliessen, weil das Gras nass war und es zwei bis drei Runden gedauert hat, bis ich die Reifen sauber gekriegt habe und ihre Temperatur wieder erhöhen konnte.

Letzte Saison hast du in der zweiten Hälfte der Saison gute Resultate erzielt. Passen diese Strecken besser zu deinem Fahrstil?

Meine Lieblingsstrecken kommen in der zweiten Hälfte der Saison. Ich geniesse es, auf ihnen zu fahren und ich komme dort auch immer gut platziert ins Ziel. Die einzige Strecke, die ich nicht so gerne mag, ist Silverstone. Die anderen mag ich alle. Misano ist grossartig, Aragón ebenso. Und ich bin gespannt, wie es in Österreich laufen wird. Der Test in dieser Woche war vielversprechend. Australien, Japan und Malaysia sind wahrscheinlich die Strecken, auf denen ich am stärksten sein werde.

Der Grand Prix in Österreich wird ein spezielles Rennen für Red Bull und KTM und es wird dein erstes Rennen dort. Was erwartest du? Wirst du dich anders darauf vorbereiten?

Wir werden mit einem kleinen Vorteil anreisen, weil wir schon zwei Tage dort getestet haben. Wir wollen alles gut machen, weil wir wissen, dass es ein besonderes Rennen für Red Bull und KTM ist, aber wir müssen ruhig bleiben und uns bewusst sein, dass es um weitere 25 Punkte geht, genau wie in allen anderen Rennen.

Denkst du, dass du im Kampf um den Titel bis zum allerletzten Rennen vorne mit dabei sein wirst?

Ich wünschte, ich könnte den Titel gewinnen. Aber noch besser wäre es, wenn ich das Ganze schon vor dem allerletzten Rennen unter Dach und Fach bringen könnte. Vorläufig fokussiere ich mich darauf, in jedem Rennen 100 Prozent zu geben. Wenn ich es schaffe, Weltmeister zu werden, ist das grossartig; wenn nicht, kann ich mir nicht vorwerfen, dass ich nicht alles dafür gegeben habe.

Was kannst du uns über deinen Teamkollegen, Bo Bendsneyder, sagen?

Bo ist ein sehr talentierter Fahrer. Die Moto3 ist eine schwierige Kategorie und je mehr Erfahrung du hast, desto einfacher ist es. Er schlägt sich aber sehr gut und ich bin mir sicher, dass er nächstes Jahr noch viel besser sein wird.

Wie siehst du deinen Kollegen im Ajo-Motorsport-Team in der Moto2, Johann Zarco, der erneut um den WM-Titel kämpft?

Johann Zarco ist einer der Fahrer, zu denen ich am meisten aufsehe. Wenn man ihn fahren sieht, scheint es, als habe er immer alles unter Kontrolle. Er ist immer sehr entspannt. Wenn ich in die Moto2 aufsteige, will ich so sein wie er. Es wird nicht einfach, aber ich würde es mir wünschen.

Bist du in Südafrika schon ein Star nach der ersten Hälfte der Saison?

Ich würde nicht «Star» sagen, aber seit diesem Jahr muss ich schon mehr Autogramme schreiben. (Er lacht). Das stresst mich nicht und macht mir auch keine Sorgen. Ich würde mir eher Sorgen machen, wenn es nicht so wäre, weil das bedeuten würde, dass ich meinen Job nicht gut mache.

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