Stefan Pierer (KTM): «Damit habe ich nicht gerechnet»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender der KTM Group, war die Genugtuung in Spielberg anzusehen. KTM ist gleich in der ersten MotoGP-Saison eine Macht geworden – mit zwei Top-Ten-Plätzen bisher.

Das neue Red Bull KTM Team hat in elf Grand Prix 2017 bereits zehnmal Punkte erobert. Zweimal kam Pol Espargaró ins Qualifying 2, Bradley Smith in Le Mans, bisher wurden zwei Top-Ten-Ergebnisse eingefahren: Pol Espargaró brauste im Brünn auf Platz 9, Testfahrer Mika Kallio in Spielberg auf Rang 10. Dazu kommt ein ansehnlicher elfter Rang von Pol Espararó bei der Dutch-TT in Assen/NL.

Kleiner Wermutstropfen: Bradley Smith steht bisher klar im Schatten von Pol Espargaró. Am Freitag beim GP von Österreich in der Steiermark lag der Brite zehn Plätze hinter dem Spanier.

Stefan Pierer, gebürtiger Steirer und Vorstandsvorsitzender der KTM Group, genoss die WM-Läufe auf dem Red Bull Ring in seiner Heimat Steiermark. In der Moto3-Klasse sicherte sich Phillip Öttl Platz 2 auf der KTM, in der Moto2 kämpfte Oliveira bis zum Sturz um Rang 3, in der MotoGP-Klasse hielt Kallio wacker mit.

Drei Jahre nach der Ankündigung des MotoGP-Einstiegs sind die Orangen aus Mattighofen und Munderfing zu einem Faktor in der «premier class» geworden, sie müssen sich hinter Aprilia und Suzuki nicht verstecken.

Dabei waren die Österreicher skeptisch beäugt worden: Kein anderes Werk wagt sich mit einem Gitterrohrstahlrahmen und WP Suspension in die Königsklasse. Alu-Chassis und Öhlins galten bisher als Maß der Dinge.

Herr Pierer, beim Saisonauftakt im vergangenen März in Katar hat sich abgezeichnet, dass KTM das geplante Lernjahr 2017 unbedingt brauchen wird, um sich in der MotoGP-Klasse zu etablieren. KTM stand am Grid weit hinten. Haben Sie damals mit so einer raschen Steigerung gerechnet?

(Er schmunzelt). Wir sind in Katar auf den letzten zwei Startplätze gstanden...

Ich habe damals nicht darüber spekuliert, wie rasch wir uns steigern.

Für mich war Suzuki die Benchmark, die haben zwei, drei Jahre gebraucht. Darauf habe ich mich eingestellt.

Ich habe damit gerechnet, dass das erste Jahr sehr hart wird.

Ich habe im März 2017 nicht gedacht, dass wir bei Halbzeit der ersten Saison schon so weit nach vorne kommen. Das sage ich ganz ehrlich.

Der Umstieg auf die Big-Bang-Motoren beim vierten Grand Prix der Saison in Jerez hat den ersten großen Fortschritt bewirkt?

Ja, die Big-Bang-Motoren haben uns ganz sicher sechs, sieben Zehntel gebracht. Aber wir haben vor zwei Jahren mit der Screamer-Version angefangen, weil damals die meisten Werke mit Screamer-Triebwerken gefahren sind.

Wir haben also die ersten Triebwerke fertig gemacht, damit wir sehen, wo wir stehen, dann haben wir die Zündfolge umgestellt.

Honda hat den ganzen Winter mit fünf, sechs Fahrern die neuen Big-Big-Motoren getestet. Zwei Wochen vor Katar wussten sie noch nicht, ob sie weiter mit dem Screamer fahren sollen. KTM hat am 2. Mai mit dem Big-Bang zwei Stunden in Le Mans getestet, drei Tage später wurden diese Motoren in Jerez eingesetzt – und waren standfest. Da muss man vor Motoren-Designer Kurt Trieb den Hut ziehen?

Kurt Trieb ist sicher ein wichtiges Spektrum in der ganzen Geschichte. Er ist einer der hervorragendsten Motoren-Konstrukteure. Er hat natürlich 2004 mit unserem ersten 990-ccm-V4-Motor seine Lernkurve gemacht. Jetzt ist er ein echter Guru. Der Motor ist sehr standfest! Dadurch kann man viele Dinge probieren.

Sie haben von Anfang an gesagt, bei KTM herrscht nicht der Olympische Gedanken vor, es geht nicht ums Mitfahren. Ihr wolltet innerhalb von drei Jahren um Podestplätze fighten.

Ja, an dieser Absicht hat sich nichts geändert.

KTM-Berater Heinz Kinigadner sagte im Februar: «In der zweiten Saisonhälfte 2017 wollen wir bei den Top-Ten anklopfen.» Jetzt habt ihr bei den letzten drei Rennen einen elften, einen neunten und einen zehnten Platz erobert. KTM liegt also im Plansoll?

Ja, Top-Ten, das ist erledigt.

KTM war im Qualifying in Le Mans mit beiden Fahrern im Qualifying 2, Pol Espargaró in Sachsen noch einmal. Die Konkurrenz und die Experten zeigen Respekt vor den Neulingen aus Österreich. Spüren Sie das?

Ja, ich spüre das auch, hoher Respekt von den Gegnern, weil keiner damit gerechnet hat. Auch wir selber haben nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht.

Unser Vorteil ist die schnelle Entscheidungsfähigkeit. Es ist wichtig, dass wir jetzt viele Komponenten selber beeinflussen und selber herstellen können, dadurch verfügen wir über eine enorme Entwicklungsgeschwindigkeit.

Aprilia war für KTM schon in den Zweitakt-Klassen 125 und 250 ccm ein starker Gegner. Sind die Italiener auch in der MotoGP eine Messlatte?

Ich mag Aprilia sehr. Sie machen in der MotoGP keinen schlechten Job.

Aber Aprilia geht meines Erachtens in der Piaggio Group unter. Die Marke an sich ist eine klasse sportliche Marke. Sie bauen gute Motorräder.

Und es freut uns natürlich, wenn wir von Aprilia und Suzuki als echte MotoGP-Neulinge nicht weit weg sind.

Wie sehen ihre Ziele für den Rest der MotoGP-Saison aus?

Jetzt heißt es, den Rückstand weiter runter zu schleifen, im Qualifying und in den Rennen. Das ist jetzt eine harte Arbeit. Das geht nur in kleinen Schritten. Pol ist ein extrem guter Testfahrer, er hilft uns dabei extrem.

Mika Kallio kann das alles als Testfahrer gegenbestätigen.

Bradley Smith ist natürlich von der Rolle. Wir müssen überlegen, ob wir seinen Crew-Chief austauschen. Das wird passieren. Wobei Bradley auch zu sehr in technische Details reinbohrt. Aber er hat als erster Fahrer an uns geglaubt, als wir in der MotoGP noch eine «black box» waren. Das rechne ich ihm hoch an.

In Texas wurden noch 52 Sekunden auf den Sieger verloren. Motorsport-Direktor Pit Beirer hatte das Ziel, diesen Abstand bis zum Saisonende auf 1 sec pro Runde zu reduzieren. In Spielberg hat Kallio in 28 Runden nur 19,7 sec eingebüßt. Dieses Ziel wurde also erreicht.

Ja, wir waren schon in Brünn knapp dran. Wir haben den Rückstand millimeterweise verkürzt.

Die Ziele für 2018 und 2019?

Im nächsten Jahr möchten wir versuchen, manchmal am Podest zu schnuppern. Im dritten Jahr 2019 sind dann Podestplätze unser Ziel.

Dazu wird man aber vielleicht einen Siegfahrer aus den Top-5 oder Top-6 brauchen. Das kann teuer werden?

Ja, das ist klar. Aber gemeinsam mit Red Bull werden wir auch dieses Problem stemmen.

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