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Johann Zarco: WM-Punkt mit leerem Tank & Muskelkraft

Von Günther Wiesinger
Da war der Tank noch nicht leer: Johann Zarco

Da war der Tank noch nicht leer: Johann Zarco

Tech3-Yamaha-Star Johann Zarco sorgte mit seinem Zieleinlauf in Misano für ein besonderes Unterhaltungsprogramm: Weil ihm der Sprit ausging, musste er sein Bike ins Ziel schieben. Dafür wurde er mit einem Punkt belohnt.

Lange war Johann Zarco auf dem Misano World Circuit Marco Simoncelli auf Top-10-Kurs unterwegs, doch in der letzten Runde ging dem schnellen Tech3-Yamaha-Piloten der Sprit aus. Zarco unternahm alles, um die letzten Tropfen Benzin für den Zieleinlauf zu nutzen, doch in der letzten Kurve blieb ihm nichts anderes übrig, als abzusteigen und sein Bike mit purer Muskelkraft ins Ziel zu schieben.

Für diesen Kraftakt wurde der Franzose, der zwei Aufwärmrunden gedreht hatte, um sich mit den schwierigen Pistenverhältnissen vertraut zu machen, mit einem WM-Punkt belohnt. «Auf der letzten Runde ging mir dann der Sprit aus. So etwas sollte nicht passieren und wir sind enttäuscht», seufzte er hinterher. «Aber der Fehler kann bei mir, einem Mechaniker oder einem Ingenieur aus Japan liegen, das gehört zum Rennen dazu. Ich denke, letztlich ist ein WM-Punkt besser als nichts. Und ich sage mir, dass es Schlimmeres im Leben gibt, als am Ende des Rennens ohne Sprit dazustehen.»

Zarco schilderte: «In der elften Kurve der letzten Runde machte sich das Sprit-Problem bemerkbar und ich begriff sofort, dass der Tank praktisch leer war. Ich versuchte gleich, im sechsten Gang zu bleiben und das Bike so wenig wie möglich zu nutzen. Das ging bis zur 14. Kurve gut, doch in den letzten beiden Linkskurven war dann nichts mehr zu machen. In der letzten Kehre stieg ich schliesslich ab und schob mein Bike ins Ziel.»

«Das dauerte ziemlich lange, denn die Start- und Ziellinie sind nicht identisch und Letztere ist ziemlich weit weg», erklärte der 27-Jährige aus Cannes mit einem schiefen Lächeln. Und er tröstete sich: «Wenigstens habe ich den Zuschauern auf der Haupttribüne und zuhause vor den TV-Schirmen eine gute Show geboten, und darum geht es doch auch.»

Schon bevor sich das Sprit-Problem bemerkbar machte, hatte Zarco alle Hände voll zu tun, wie er im Ziel verriet: «Es war ein schwieriges Rennen, aber das ging wohl allen gleich. Am Anfang hatte ich ein gutes Gefühl, doch das elektronische Set-up, das wir gewählt hatten, war etwas zu viel des Guten. Deshalb musste ich etwas damit rumspielen, um eine bessere Beschleunigung zu haben. Das Bike rutschte erst zu viel rum, die Traktionskontrolle war einfach zu stark.»

«Es war wichtig, fokussiert zu bleiben», betonte Zarco weiter. «Ich sah erst Cal Crutchlow stürzen, dann den Crash von Jorge Lorenzo, und ich dachte auch daran, dass die beiden Jungs in der WM hinter mir liegen. Ich hatte einige Probleme, aber ich konnte sehen, dass alle Mühe hatten. Ich kämpfte mich also ins Ziel und konnte in den letzten Runden zwar nicht schneller werden – beim Versuch erlebte ich einige Schrecksekunden. Aber ich konnte meinen Vorsprung auf Redding halten – bis mir dann der Sprit ausging.»

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