Joan Mir: «MotoGP ist meine Priorität»

Von Manuel Pecino
MotoGP
Überflieger Joan Mir

Überflieger Joan Mir

Moto3-Weltmeister Joan Mir mischt 2018 die Moto2-Klasse auf und stand in Le Mans zum ersten Mal auf dem Podest. Im Interview mit SPEEDWEEK.com sprach er über die aktuelle Saison und seine Zukunft.

Jeder glaubte, dass Joan Mir in der Moto2-Klasse einen guten Job machen würde, als der Mallorquiner als Moto3-Weltmeister in die mittlere Klasse aufstieg. Aber die meisten hätten nicht jene hervorragenden Leistungen erwartet, die er bereits gezeigt hat. Sein spektakuläres Rennen in Austin rückte ihn ins Rampenlicht und so wurde er in die Liste der zukünftigen MotoGP-Werksfahrer aufgenommen. In Le Mans stand er nun zum ersten Mal auf dem Moto2-Podest.

SPEEDWEEK.com sprach mit dem Spanier vor dem Rennen in Le Mans über die aktuelle Saison, aber auch über seine Zukunft und einen möglichen MotoGP-Aufstieg 2019. «Wenn ich ein MotoGP-Angebot bekomme, würde ich gerne aufsteigen. Ja, die MotoGP-Klasse hat Priorität», erklärte Mir. Mit ihm zu sprechen, fühlt sich ganz natürlich an. Er ist ein junger Mann, der sich gut ausdrückt und sehr klar macht, was er sagen will. Er vermittelt Ruhe und scheint alles unter Kontrolle zu haben. Ich denke, das nennt sich Reife.

Das Erste, wonach wir ihn fragten, war das Rennen in Austin, wo er schon zahlreiche Gegner in der ersten Runde schnappte und die Ziellinie als Vierter 5,3 sec hinter dem Sieger überquerte. «Die Wahrheit ist, dass ich nach zwei Rennen mit guten Fortschritten erwartete, in Texas an der Spitze kämpfen zu können», erklärte er ohne falsche Bescheidenheit. «In den Trainings war ich stark, stets auf den Plätzen 3, 4 oder 5. Was dann im Rennen passierte: Es kam zu Berührungen. Das zwang mich, von weit hinten wieder aufzuholen. Trotzdem zeigte ich, dass ich innerhalb weniger Rennen in dieser Kategorie konkurrenzfähig wurde.»

Nun bist du ein Anwärter auf den Titel?

Das ist wahr, ja. Aber es wird nicht einfach. Hier sind viele Piloten sehr erfahren. Aber es ist wahr, ich habe bisher in allen Rennen gepunktet. Das ist sehr positiv. Wir gehen in eine Richtung, die mir gefällt. Immer in den Punkterängen. Wenn du viel richtig machst, ist es normal, dass dich die Leute als Titelanwärter sehen.

Du schließt den Titel also nicht aus?

Ich schließe ihn nicht aus, wenn wir so weitermachen. In jedem Rennen werde ich stärker. Mein Gefühl auf der Maschine wird immer besser, wir sind nun eine Einheit. Nun fühle ich mich wie im letzten Jahr in der Moto3-Klasse. Warum sollte ich also nicht an den Titel denken? Meine Fortschritte sind noch immer groß.

Konstanz ist in der Moto2-Klasse entscheidend. Du darfst dir keine Höhen und Tiefen leisten?

Genau. In Jerez machten körperliche Probleme alles komplizierter, denn ich litt unter einer Magen-Darm-Grippe und zog es daher vor, Punkte zu sammeln, statt alles zu versuchen und zu stürzen.

Was ist bisher das Schwierigste in der Moto2-Klasse?

In den Bremszonen bin ich im Vergleich zu den anderen Fahrern sehr stark. Das war schon immer meine Stärke, obwohl ich mich noch nicht so wohl fühle, wie ich es sollte. Ich kann das Bike noch nicht richtig stoppen. In einer Kategorie wie dieser muss die Maschine perfekt auf dich abgestimmt sein. Wenn du in der Moto3-Klasse kein perfektes Bike hast, dann kannst du trotzdem noch im Kampf vorne mitmischen. Hier nicht. Hier muss alles perfekt sein. Innerhalb nur weniger Rennen ist es für das Team aber schwierig, zu hundert Prozent zu verstehen, was du brauchst. Ich weiß, dass ich es noch besser machen kann, aber im Vergleich zu anderen Fahrern befinde ich mich bereits auf einem guten Level. Im Moment fällt mir das Turning und das Herausfahren aus den Kurven am schwersten. Daran arbeiten wir. Wir testeten vor dem Frankreich-GP in Mugello, was sehr gut lief. Ich fühle mich immer besser.

Ist es wahr, dass du in deiner Box gesagt hast, dass du nur kurze Zeit in der Moto2-Klasse fahren wirst?

Nein, das habe ich nicht gesagt. Aber ja, ich würde die Zeit hier gerne kurz halten. Ich will mich in dieser Kategorie so schnell wie möglich wohlfühlen. Wenn ich schon im ersten Jahr gegen die Fahrer an der Spitze kämpfen kann… Wenn ich ein MotoGP-Angebot erhalte, würde ich gerne aufsteigen.

Ist es dir nicht wichtig, erst den Titel zu holen?

Nein, meine Priorität ist es, in der MotoGP-Klasse zu fahren. Um diesen Schritt zu wagen, muss ich mich aber stark fühlen.

Denkst du auch an den Fall von Jack Miller, der schnell den Schritt in die MotoGP-Klasse wagte und lange brauchte, um dort den Anschluss zu finden?

Das ist nicht dasselbe, denn er wechselte direkt von der Moto3- in die MotoGP-Klasse. Ich sehe mich eher auf dem Weg, den Maverick Viñales verfolgte. Ich denke, diesen Schritt muss man machen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. In der MotoGP-Klasse sind die besten Fahrer unterwegs. Dort anzutreten, ist mein Traum.

Entscheidest du selbst über deine Karriere oder hast du eine Vertrauensperson, die für dich entscheidet?

Nein, nein. Ich entscheide das. Mir ist bewusst, was ich unterschreibe, was ich leisten kann und was ich tun will.

Welcher Weg ist deiner Meinung nach der richtige Weg in die MotoGP-Klasse? Der von Viñales, der zwei Jahre in einem «Übergangsteam» wie Suzuki antrat, oder wie Márquez, der sofort bei Repsol-Honda für eines der besten Teams fuhr?

Naja… Das ist schwierig zu sagen. Als Maverick zu Suzuki kam, war das meiner Meinung nach ein Top-Team und nicht zweite Wahl. Ich denke nicht, dass das mit Pramac oder einem anderen Satelliten-Team vergleichbar ist. Suzuki war eine gute Möglichkeit. Mavericks Weg ist eine gute Idee.

Wie gut ist deine Beziehung zu deinem Marc VDS-Teamkollegen Alex Márquez?

Gut, gut. Dieses Team ist wie zwei Teams in einem. Wir arbeiten unabhängig voneinander, aber das bedeutet nicht, dass es keine Kommunikation zwischen den zwei Gruppen gibt.

Verfolgst du die Rennen der MotoGP-Klasse?

Ja, immer. Ich sehe, dass Marc in diesem Jahr alles im Griff hat.

In der MotoGP-Klasse ist es sehr wichtig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich sage das, weil Viñales beispielsweise seinen neuen Vertrag unterschrieben hat, bevor die Saison begann. Nun sitzt er auf einem Motorrad, das ihn verrückt macht.

Ja, das ist wahr. Die richtigen Entscheidungen sind wichtig. Aber so ist es nicht nur in der MotoGP-Klasse, sondern auch in den anderen Kategorien. Das Wichtigste in schwierigen Zeiten ist es, weiterzumachen und diese Momente zu überwinden. Dann kommen die Siege einfacher.

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