Stefan Bradl: «Márquez, das ist der Wahnsinn»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Stefan Bradl wird bereits von Crutchlow attackiert

Stefan Bradl wird bereits von Crutchlow attackiert

Stefan Bradl erkämpfte einen höchst erfreulichen fünften Platz und liess Rossi hinter sich. Für Marc Márquez hat er viel Bewunderung übrig.

Nach dem Sturz beim Saisonauftakt in Katar brauchten Stefan Bradl und das LCR-Honda-Team von Lucio Cecchinello dringend ein Erfolgserlebnis. Der Moto2-Weltmeister brauste auf Platz 5 und liess den neunfachen Weltmeister Valentino Rossi hinter sich. In der Anfangsphase sah es so aus, als könne Bradl wie 2012 in Mugello einen vierten Platz nach Hause fahren. Aber Cal Crutchlow schnappte ihm diese Position weg. Schliesslich feierte das LCR-Honda-Team Stefans vierten fünften Platz in der MotoGP-WM nach Le Mans, Sachsenring und Brünn 2012.

Stefan, dein Start ist ziemlich vorbildlich gewesen. Du bist vom dritten Startplatz auf Platz 2 gestürmt.
Hm, ich habe eigentlich schon das ganze Wochenende über recht gute Starts hingebracht. Das hat mir unser Data-Recording-Spezialist Brian Harden erzählt. Der Start im Rennen war auch sehr, sehr gut. Meine Reaktion war perfekt. Lorenzo war aber auf der schmutzigen Seite drüben und hat ein paar Probleme gehabt, deshalb bin ich relativ leicht vorbei gekommen. Márquez hat dann in der ersten Kurve ein bisschen verbremst. Daher habe ich diesen guten Start erwischt.
Aber mein Start war trotzdem nicht so gut wie der von Sandro...

Was ging dir durch den Kopf, als plötzlich nur noch Dani Pedrosa vor dir lag?
Da habe ich mir gedacht: Jetzt bin ich Zweiter. Wir fahren weiter und schauen, was passiert. Ich habe gewusst, dass bald irgendwelche Spanier von hinten kommen werden. Das war dann auch so. Es kamen dann Márquez und Lorenzo.
Mein Problem war von Anfang an, dass ich nicht zuviel riskieren wollte. Ich bekam mit dem vollen Tank gewisse Probleme, es kam ein Rutschen ins Vorderrad rein, ich musste also aufpassen. Ich habe dann Gott sei Dank das Gegenteil von Katar gemacht. Ich habe weniger über das Vorderrad gepusht. Ich habe mich mehr auf die Beschleunigung konzentriert.
Dann ist Crutchlow vorbei gefahren. Ich habe gesehen, dass er extrem viel Kurvenspeed fahren kann. Er war in der Phase, als er mich überholt hat, fast der schnellste Mann auf der Strecke. Er hat viele Meter gutgemacht. Mir war das Risiko ein bisschen zu gross, mit ihm mitzufahren. Ich hatte auch im Hinterkopf, dass ich ins Ziel kommen will und nicht den zweiten Nuller nach Katar schreiben darf

Hast du mitbekommen, dass Crutchlow einmal tüchtig neben die Strecke geraten ist?
Nein, ich glaube, das war gleich am Anfang.
 
Rossi hat eine Zeit lang ein paar Zehntel aufgeholt auf dich, dann hast du ihn unter Kontrolle gehabt?
Ja, Rossi war nach Crutchlow meine nächste Baustelle. Ich musste schauen, dass ich den Abstand zu Valentino kontrollieren kann, was schon schwer genug war. Wenn du den Namen Rossi auf der Boxentafel liest und immer «plus 0,9», «plus 1,1 sec» und «plus 1 sec», dann muss man sich extrem zusammen reissen. Das ist mir gut gelungen; ich bin sehr konstant gefahren, habe wenig Fehler gemacht. Dadurch habe ich den Vorsprung vergrössern können.
Aber ehrlich gesagt, Platz 5 war ein bisserl das Maximum, was wir rausholen konnten. Von daher bin ich schon zufrieden.

Die Reifenwahl mit hinten und vorne hart war perfekt?

Die Reifenwahl war auf jeden Fall richtig. Mit dem weichen Hinterreifen hätte ich wahrscheinlich mehr Probleme am Kurveneingang gekriegt. Es sind aber die Streckenverhältnisse besser geworden. Deshalb hat auch der weiche Reifen besser funktioniert. Die Lebensdauer des weichen Hinterreifens war heute wesentlich höher als am Samstag und Freitag.

Platz 5 war heute das optimale Resultat? Oder trauerst du Platz 4 ein bisschen nach?

Ja, es hatte auch mit der Risikobereitschaft zu tun. Die anderen waren von Anfang an ein bisserl aggressiver. Ich wollte schon ein bisschen schauen, dass ich keinen Fehler mache. Generell habe ich mich ganz wacker geschlagen. Wir haben einen guten Job gemacht.
Was uns zu einer besseren Platzierung gefehlt hat, war Aggressivität.
Man muss realistisch sein. Ergebnisse zwischen 4 und 6 werden auch weiterhin unsere Platzierungen sein.

Top-5-Ergebnisse waren ja immer das Ziel für 2013. Und da musst du schon einen Rossi hinter dir lassen.

Ja, ich habe schon mehrmals gesagt, dass die MotoGP in diesem Jahr nicht leichter geworden ist. Es ist Wahnsinn, wie stark man fighten muss, um unter die ersten fünf zu kommen. Das ist schon beeindruckend. Aber darum ist es die MotoGP.
Trotzdem gibt es einen, der beherrscht das alles recht gut...

Du sprichst Marc Márquez an. Der überrascht uns jedes Wochenende aufs Neue?
Ja, das kann man so sagen. Es ist Wahnsinn, was der da auf die Reihe kriegt. Ich täte gern wissen, wie er es macht. Aber das wird er wahrscheinlich nicht verraten. Lorenzo hat zwar auch sein drittes MotoGP-Rennen gewonnen. Aber irgendwo hat Márquez schon etwas Besonderes.

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