Exklusiv: Kommt Aprilia 2015 als MotoGP-Werksteam?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Marco Melandri bei Aprilia Reparto Corse 2014 mit der MotoGP-Maschine von Petrucci

Marco Melandri bei Aprilia Reparto Corse 2014 mit der MotoGP-Maschine von Petrucci

Aprilia hat die MotoGP-Rückkehr für 2016 angekündigt. Jetzt wird überlegt, das Comeback um ein Jahr vorzuziehen – aus triftigen Gründen.

Piaggio-Eigentümer Roberto Colannino hat bei der Mailänder Motorradmesse EICMA im Herbst angekündigt, dass seine Marke Aprilia 2016 werkseitig in die MotoGP-WM zurückkehren wird.

Damals sah es so aus, als würde Rennchef und Konstrukteur Gigi Dall’Igna bei Aprilia bleiben und die Weiterentwicklung der V4-1000-ccm-Maschine weiterbetreiben. Dieses Motorrad hat 2012 und 2013 mit Aleix Espargaró jeweils die Claiming-Rule-Wertung gewonnen.

Nach dieser Ankündigung überlegte der damalige Power-Electronics-Teambesitzer Jorge «Aspar» Martinez, ob er auch für 2014 auf ART-Aprilia-Maschinen setzen sollte, um weiter die MotoGP-Speerspitze für Aprilia zu bilden und dann 2016 das Werksteam zu betreiben.

Doch als Dall’Igna im Oktober seinen Wechsel zu Ducati verkündete, stieg Martinez auf den neuen RCV1000R-Production-Racer von Honda um.

Der Abgang von Dall’Igna hinterliess bei Aprilia eine Lücke. Der neue Aprilia-Rennchef Romano Albesiano musste die Rennabteilung Reparto Corse umkrempeln. Die radikalen Neuerungen (Seamless-Getriebe, pneumatischer Ventiltrieb, neue Aerodynamik, neues Chassis), von denen seit einem Jahr die Rede ist, haben bisher den Weg in die aktuellen MotoGP-Maschinen nicht gefunden.

Die Ursache: Die Aprilia-Kundenteams Octo Iodaracing (Petrucci) und PBM-Motorsport (Laverty, Parkes) sind schwach aufgestellt und können die Entwicklung nicht mitfinanzieren. Iodaracing musste vor dem Saisonstart sogar den Superbike-Piloten Leon Camier als zweiten Fahrer entlassen.

Im Sommer 2013 sagte Aspar-Sportdirektor Gino Borsoi: «Vielleicht bekommen wir die neue Verkleidung noch in dieser Saison. Sogar das neue Seamless-Getriebe könnte bald zum Einsatz kommen. Es wurde bereits an einem Standard-Motorrad getestet und hat tadellos funktioniert. Aber wir werden diese Neuerungen erst in den Rennen einsetzen, wenn sie völlig ausgereift sind. Wir wollen keinen Ausfall riskieren.»

Das Renndebüt des Motors mit Pneumatik sollte 2014 stattfinden. Daraus wurde nichts.

Nach der ersten Saisonhälfte 2014 wird klar: Mit den aktuellen Partnern (und Fahrern) wird Aprilia in der MotoGP-WM keine dicken Stricke zerreissen.

Deshalb überlegen Colannino und Albesiano jetzt, schon 2015 als offizielles Aprilia-Werksteam in die Königsklasse einzusteigen. Aprilia könnte dazu entweder eigene Startplätze anmelden (wie Suzuki) oder sich die Plätze eines existierenden Teams (Iodaracing) kaufen und übernehmen.

Bei der Dutch-TT in Assen war aus Dorna-Kreisen zu hören, dass Aprilia bereits einen Sponsor sucht und das Comeback am liebsten um ein Jahr vorziehen würde.

Aprilia gilt (wie Suzuki) als Neueinsteiger. Das heisst: Die Italiener könnten 2015 auch als Werksteam zwölf statt fünf Motoren und 24 statt 20 Liter verwenden, die Motorenentwicklung wäre nicht eingefroren, sie hätten weniger Testverbote und die weicheren Hinterreifen.

Aprilia könnte dann 2015 mit Vollgas entwickeln und wäre für die Saison 2016 (Einheits-ECU für alle, erstmals Michelin-Einheitsreifen) besser vorbereitet.

Aprilia Reparto Corse hat 2002, 2003 und 2004 mit einem offiziellen Werksteam an der MotoGP-WM teilgenommen, es wurde ein 990-cm-Dreizylinder-Reihenmotor gebaut – und zwar bei der Formel-1-Motorenschmiede Cosworth. In der Marken-WM wurden damals die WM-Ränge 5, 4 und 6 erzielt.

2002 sass Régis Laconi im Sattel, 2003 traten Colin Edwards und Noriyuki Haga an und schafften die WM-Ränge 13 und 14. In der Saison 2004 hielten Jeremy McWilliams und Shane Byrne die Aprilia-Flagge hoch. Dann folgte der Ausstieg, denn Aprilia schlitterte fast in die Pleite – und wurde von der Piaggio Group (Piaggio, Gilera, Aprilia, Derbi, Laverda, Moto Guzzi) übernommen.

Aprilia hat zuletzt 2010 und 2012 mit Max Biaggi die Superbike-WM gewonnen. Der dort eingesetzte und von Dall’Igna gebaute RSV4-Motor bildet die Basis für das 1000-ccm-MotoGP-Triebwerk.

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