Nicolas Goubert (Michelin): Ursachen der Explosion

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Nicolas Goubert

Nicolas Goubert

Michelin sieht nach dem Reifenplatzer von Loris Baz in Sepang bisher keinen Anlass, hitzebeständigere Reifen oder einen härteren Unterbau zu erzeugen. Aber der Phillip-Island-Test macht den Franzosen Sorgen.

Bridgestone erlebte beim Phillip-Island-GP 2013 ein Desaster, als die MotoGP-Hinterreifen auf dem neuen, aggressiven Asphalt in Australien nur zehn Runden überlebten und das Rennen quasi in zwei Teile geteilt werden musste – mit dem Zwang der Rennleitung zum Motorradwechsel nach maximal zehn Runden.

Bridgestone erzeugte danach für die Saison 2014 einen hitzebeständigeren Hinterreifen.

Wird Michelin nach dem 290-km/h-Reifenplatzer von Loris Baz ähnliche Konsequenzen ziehen?

Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com äusserte sich Nicolas Goubert, Technical Director von Michelin Motorsport, zu den Vorkommnissen in der MotoGP-Klasse.

Bisher ist Nicolas Goubert der Ansicht, es bestehe kein Anlass, andere Reifenkonstruktionen zu bauen, zum Beispiel solche mit einem härteren Unterbau.

«Ich kann nur wiederholen, dass in Sepang nur bei einem Team Probleme aufgetreten sind, zweimal beim selben Team und beim selben Fahrer, bei dem einmal ein Hinterreifen mit 1,45 bar zurückgegeben wurde, obwohl unsere Empfehlung bei mindestens 1,5 bar liegt», sagte Goubert. «Wir werden also sehr sorgfältig analysieren, was beim Avintia-Team mit diesen beiden Reifen passiert ist. Aber wenn wir nichts finden, sehe ich keinen Grund, unsere Strategie bei der Reifenkonstruktion zu ändern. Aber bisher ist das mit dem zu geringen Reifendruck nur eine Mutmassung. Vielleicht waren beide Reifen fehlerhaft, vielleicht hatte Loris Baz einfach viel Pech. Bisher kann ich nichts beweisen. So eine Analyse dauert einige Tage. So etwas kann man nicht in zwei Stunden prüfen.»

Doch der Hinterreifen von Baz wurde beim Platzer übel zugerichtet. Lässt sich trotzdem noch eine Ursache für diese Explosion ermitteln? «Wir haben trotzdem noch einiges, was wir uns anschauen können. Den Reifendruck können wir allerdings nicht mehr feststellen. Trotzdem werden wir uns einen guten Überblick verschaffen können.»

Ist Michelin jetzt wegen des Australien-Tests besonders verunsichert? Schliesslich zählt Phillip Island zu den Strecken mit dem grössten Reifenverschleiss im ganzen Jahr. «Ich mache mir wegen Phillip Island keine besonderen Sogen», betont Goubert. «Aber wenn du nach Australien gehst, bist du immer angespannt. Der Asphalt ist zwar seit dem neuen Belag 2013 schon etwas abgenutzt. Trotzdem ist Phillip Island immer eine grosse Herausforderung, ob der Belag neu ist oder nicht, besonders wenn du als MotoGP-Reifenhersteller sieben Jahr nicht in der WM dabei warst.»

Michelin hat sich zum Ziel gesetzt, auf allen GP-Pisten des 2016-Kalenders zu testen. Aber der Red Bull-Ring in Spielberg/Österreich (WM-Lauf am 14. August) ist für Michelin vorläufig noch ein unbekanntes Terrain. Dort existieren nur zwei Linkskurven, eine heikle Angelegenheit. «Wir waren noch nicht in Österreich. Aber einige Teams haben Tests eingeplant, glaube ich.»

«Australien ist wegen des einzigartigen Layouts eine Herausforderung für jeden Reifenhersteller. Auf Phillip Island kann sehr schnell ein Reifendefekt passieren... Die anderen Rennstrecken werden auch Herausforderungen bieten, aber die anderen Pisten machen uns keine Sorgen. In Spielberg müssen wir garantieren, dass das Aufwärmverhalten auf der linken Seite gut genug ist. Aber mit einem Test sollten wir das hinkriegen. Wir werden dort sicher einen Dual-Compound-Reifen einsetzen, aber am Anfang nur hinten. Wir werden sehen, ob wir auch vorne einen Dual Compound brauchen.»

Nicolas Goubert sagt, beim Reifendruck müsse man sich auf die Sorgfalt der Teams verlassen können. «Wir können nicht zu jedem Zeitpunkt jeden Reifen kontrollieren», hält der Franzose fest. «Wir werden noch einmal deutlich machen, wie wichtig die Einhaltung des unteren Limits von 1,5 bar Druck ist. Wir sind zuversichtlich, dass die Menschen im Zweiradsport vernünftig sind. Sie setzen die Sicherheit ihrer Fahrer nicht aufs Spiel. Es kann rasch ein Fehler mit 0,05 zu wenig Druck passieren, besonders wenn es sehr heiss ist wie in Malaysia.»

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