Héctor Barberá: «Funk könnte gefährlich werden»

Von Isabella Wiesinger
MotoGP
Héctor Barberá: «Ich will weder meine Konzentration noch meine Energie an Gedanken an die Zukunft verschwenden»

Héctor Barberá: «Ich will weder meine Konzentration noch meine Energie an Gedanken an die Zukunft verschwenden»

Avintia-Ducati-Pilot Héctor Barberá spricht über den Vorschlag, den Funkverkehr in der MotoGP einzuführen, die neuen Michelin-Reifen und ihre Herausforderungen sowie seine Ziele für die zweite Saisonhälfte.

Héctor Barberá fuhr beim GP von Deutschland auf der Avintia-Ducati vom zweiten Startplatz los, das Flag-to-Flag-Rennen beendete er auf regennasser Fahrbahn auf der neunten Position. Jetzt spricht der 29-jährige Spanier über Funkverkehr, die Ziele 2016 und die Belohnung durch Ducati. Denn er erhält für den Valencia-GP eine Desmosedici GP des Jahrgangs 2016.

Nach dem Sachsenring-GP ist die Diskussion aufgekommen, möglicherweise Funk einzusetzen, um während solcher Rennen mit der Boxencrew kommunizieren zu können. Was hältst du davon?

Héctor Barberá: Ganz ehrlich, ich kann es mir nicht vorstellen zu sprechen, während ich auf dem Motorrad sitze. Aber wenn sie nur an einer Stelle auf der Strecke mit dir sprechen – zum Beispiel auf der Geraden – und dir erzählen, was sie dir auch auf dem Pit Board anzeigen, macht das Sinn in meinen Augen. Ansonsten sollte es limitiert sein. Das heisst, nur in gewissen Situationen wie Notfällen oder technischem Versagen. Weil manchmal sehen sie von der Garage aus Dinge, über die du keine Kontrolle hast, wenn du auf dem Motorrad sitzt. Jedenfalls kann es gefährlich sein zu quatschen, wenn man Motorrad fährt. Es kann deine Konzentration beeinflussen.

In diesem Jahr wurden auch die neuen Michelin-Reifen eingeführt. Viele Fahrer haben behauptet, sie wären schwierig zu verstehen. Und tatsächlich gab es viele Stürze in diesem Jahr. Nur Marc Márquez und du konntet in allen Rennen Punkte sammeln.

Ja, das ist wahr. Vor allem der Vorderreifen gibt dir kein Zeichen, wenn du das Limit erreicht hast. Auch wenn es glücklicherweise noch nicht während eines Rennens passiert ist, bin ich dieses Jahr schon öfter gestürzt als im Vorjahr während der ganzen Saison. Michelin braucht mehr Erfahrung um zu verstehen, was die Bikes und die Fahrer in der MotoGP brauchen. Alles in allem denke ich, dass sie gute Arbeit leisten. Alle haben die gleichen Voraussetzungen. Egal zu welchem Rennen wir dieses Jahr kommen; wir wissen nie, welcher Reifen besser oder schlechter ist. Nächste Saison werden wir mehr Informationen haben und wir werden nicht so viele Stürze sehen wie dieses Jahr. Ich betrachte das alles als normal und logisch, weil Bridgestone sehr lange in der MotoGP war und wirklich gute Reifen produziert hat. Aber wir müssen anerkennen, dass Michelin es geschafft hat, in kurzer Zeit gute oder vielleicht sogar noch bessere Reifen zu entwickeln.

Viele Leute sind überrascht, dass du ganz vorne mitfährst, obwohl du schon in der 125-ccm- und 250-ccm-WM gegen Typen wie Jorge Lorenzo, Dani Pedrosa und Andrea Dovizioso gekämpft hast. Warum war Barbera bisher in der MotoGP noch nicht so präsent?

Es ist ganz normal, dass die Leute überrascht sind. Der Grund ist, dass es in den anderen Kategorien nicht so krasse Unterschiede gibt wie in der MotoGP. In der 125 ccm und der 250 ccm konnte ich immer mit den anderen mitkämpfen. Manchmal mit einem besseren Bike, manchmal mit einem schlechteren. Manchmal haben die Anderen gewonnen, manchmal habe ich gesiegt. Dann sind wir in die MotoGP gekommen, mit einem ganz neuen Team in der Klasse und einer Ducati, die technologisch auf dem absteigenden Ast war.

Ein Jahr später kam Valentino und die Probleme wurden offensichtlich. In der darauffolgenden Saison hat die Geschichte sich wiederholt, obwohl viel am Chassis und im Werk geändert wurde. Nichts hat so funktioniert, wie es hätte sollen. Danach bin ich ein paar Jahre mit Bikes gefahren, die mehr oder weniger Strassenmaschinen waren. Ich hatte nie ein Motorrad, mit dem ich Chancen auf Erfolge gehabt hätte. Aber das war halt so und wir können uns nicht beklagen. Jetzt haben wir ein Motorrad, mit dem wir um Top-10-Plätze kämpfen können, obwohl wir immer noch behindert werden, weil zwei Jahre in der Entwicklung des Motorrads viel bedeuten... Aber nächstes Jahr werde ich ein Motorrad haben, das auf einem viel höheren Level fahren kann.

Beim letzten Rennen in Valencia wirst du eine Werks-Ducati Desmosedici Baujahr 2016 haben. Gibt dir das Extra-Motivation für die übrigen WM-Rennen?

Ja, auf jeden Fall. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht darüber nachdenke, wie es wäre, dieses Bike zu haben. Vor allem, wenn ich auf der Strecke bin und sehe, wie gut es fährt. 
Ich will dieses Motorrad jetzt schon! Aber es gibt noch neun Rennen zu fahren. Ich will weder meine Konzentration noch meine Energie an Gedanken an die Zukunft verschwenden. Wir müssen auf das achten, was wir haben, am Boden bleiben und an die übrigen Rennen denken. Ich habe in den letzten paar Jahren in der MotoGP-WM die Erfahrung gemacht, dass man sich immer auf das nächste Rennen konzentrieren muss. Vom Freitag an, von Trainingsession zu Trainingsession, bis zum Rennen. Und dann auf das nächste Rennen. Man muss immer Schritt für Schritt vorangehen.

Welche Rolle spielte Avintia Racing bei deiner Entwicklung?

Eine fundamentale. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig die Arbeit im Team war, um das zu erreichen, was wir erreicht haben. Wir arbeiten und geniessen hier ein unglaubliches Umfeld – von den Jungs in der Hospitality bis hin zum letzten Mechaniker. Wir sind wie eine grosse Familie, und das entspannt mich und gibt mir ein gutes Gefühl, sodass ich mich ganz auf meine Arbeit auf der Strecke konzentrieren kann. Dank meines Teammanagers Bochs und meines Chefingenieurs Jarno bin ich so konkurrenzfähig. Sie sind tagein tagaus mit mir unterwegs, und haben es geschafft, etwas in mir zu verändern, das sich auch auf der Strecke widerspiegelt. Auch Raul und Antonio sind ein grosser Erfolgsfaktor, denn als sie die Entscheidung fällten, den Wechsel auf Ducati zu unterstützen, machten sie den heutigen Erfolg erst möglich.

Und welches Ziel verfolgst du in den verbleibenden Rennen 2016?

Ich will die Saison als bester Satelliten-Bike-Pilot abschliessen. Ich liege in der WM-Wertung nun sieben Punkte hinter Pol Espargaró. Aber wir müssen auch realistisch bleiben und uns bewusst machen, dass dieses Ziel nicht einfach zu erreichen ist. Wir müssen erst einmal Yamaha in den Griff bekommen, denn deren Bike ist sehr nah dran an den Werksmaschinen von Jorge Lorenzo und Valentino Rossi, und dann haben die auch noch einen Weltmeister als Fahrer. Das macht das Ganze sehr schwierig für uns. Aber wir halten an unserem Traum fest und ich bereite mich genaus wie das ganze Team jeden Tag so gut es geht auf den Kampf auf der Strecke vor, bevor nach dem letzten Saisonlauf der Vorhang fällt.

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