Willy Läderach: Ist der Schweizer Cross-GP in Gefahr?

Von Günther Wiesinger
Motocross-WM MXGP
Weil ein Teil der Schweizer Motocross-WM-Strecke in Frauenfeld-Gachnang in der Landwirtschaftszone liegt, laufen Umweltverbände und Nachbarn gegen den WM-Lauf Sturm. Bisher fehlt eine Bewilligung für 2018.

Willy Läderach ist inzwischen 76 Jahre alt, kam aber letztes Jahr mit seiner BMW K1200S zu den MotoGP-Events in Mugello und auf den Sachsenring. Denn er ist als Chefredakteur zusätzlich auch für das FMS-Verbandsmagazin «MOTOnews» verantwortlich, er fotografiert und verfasst Texte.

Dazu promotet er auf diesen Reisen seinen Schweizer MXGP-Event, der in diesem Jahr am 18./19. August stattfinden soll.

Der Schweizer war jahrelang KTM-Importeur und holte im Unruhestand vor drei Jahren erstmals seit 1998 die Motocross-Solo-WM wieder zurück in seine Heimat.

Warum tut man sich so eine Mammutaufgabe als Mittsiebziger noch an? «Das muss man machen, solange man jung ist», schmunzelt der unermüdliche Macher aus dem Thurgau.

Vor fünf Jahren kutschierte Läderach mit seiner BMW sogar zum Superbike-WM-Lauf nach Russland. Er meinte, dass er bei der Einreise keine Probleme hatte: «Ich bin dann noch zwei Wochen geblieben und darf sagen, dass ich nur freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen habe.»

Aber jetzt hat Läderach, der CEO der Firma MXGP Swiss AG und Veranstalter des «MXGP of Switzerland», mehr Ärger, als ihm lieb ist.

Bisher existiert für den WM-Lauf 2018 keine Bewilligung, der Fortbestand des Grand Prix, dessen Schauplatz wegen einer angrenzenden Zuckerfabrik «MX GP Parcours Schweizer Zucker» getauft wurde, ist ungewiss.

2016 und 2017 hat der Kanton Thurgau für den WM-Lauf in Niederwil bei Gachnang eine Ausnahmebewilligung ausgestellt.

Aber jetzt laufen die Gegner des Events, bestehend aus Grundstücksnachbarn, Pro Natura, dem WWF (World Wild Life Fund) und VCS (Verkehrsclub der Schweiz) Sturm gegen die Veranstaltung. Der Grund: Der Standort liegt teilweise in einer Landwirtschaftszone.

Die Gegner sind nicht zimperlich. Sie sprachen von «ohrenbetäubendem Lärm und bestialischem Gestank».

Müssen Willy Läderach und seine engagierte Mannschaft jetzt um die Austragung des Schweizer Cross-WM-Lauf bangen, nachdem bereits der Grand Prix von Schweden (vom 12. August) abgesagt werden musste? Sind alle bisherigen Investitionen und Anstrengungen für die Katz?

Im Interview mit SPEEDWEEK.com macht GP-Promoter Willy Läderach seinem Ärger Luft.

Willy, stellt die fehlende Betriebsbewilligung eine ernsthafte Bedrohung für den MXGP of Switzerland dar?

Das ist ein ernsthaftes Problem, ja. Es ist einfach so, dass eine Thurgauer Gruppe von Verhinderern, bestehend aus einigen wenigen privaten Ewiggestrigen zusammen mit Pro Natura, WWF und VCS, den schärfsten Rechtanwalt des Kantons organisiert hat, um ihre Interessen zu vertreten.

Dadurch kann die Bewilligung für den Grand Prix hinausgezögert werden?

Der Einwand, den dieser Anwalt jetzt geltend macht: Jede Veranstaltung im Kanton Thurgau, die außerhalb der Bauzone stattfindet, braucht zwingend eine Baubewilligung. Das ist die Ansicht dieser Leute.

Wenn das so wäre, würde es bedeuten: Es gibt im Thurgau kein Turnfest, kein Schwingfest, kein Musikfest, kein Schützenfest, kein Waldfest und kein Feuerwehrfest und gar nichts mehr. Nichts!

Für den Grand Prix wird Landwirtschaftsgebiet benötigt?

Ja, aber nur der Parcours liegt auf Landwirtschaftsgebiet.

Das ist eine andere Piste als beim traditionellen Ostermontag-Motocross in Frauenfeld. Für das Ostermontag-Motocross am Standort «Schollenholz» brauchen wir jedes Jahr 25 Hektar Fruchtfolgefläche. Und mit der neuen Anlage «Schweizer Zucker»  haben wir 20 Hektar befestigte Plätze in der Industriezone. Wir benötigen lediglich noch 5 Hektar Landwirtschaftsfläche, also nur noch 25 Prozent.

Eigentlich müssten uns sämtliche Umweltverbände umarmen für die um ein Mehrfaches bessere ökolgische Situation, die wir dadurch jetzt haben. Wir pflanzen jetzt an der Strecke demnächst eine neue Hecke, weil uns die Umwelt und der Lärmschutz am Herzen liegen.

Beim FIM-Award in Andorra habe ich den Funktionären des Motorradweltverbands sogar empfohlen, 2019 eine Klasse mit E-Motorrädern im Rahmen der Cross-WM fahren zu lassen.

Und wir haben die Cross-WM erst in die Schweiz zurückgeholt, nachdem die emissionsstarken Zweitakt-Maschinen von umweltfreundlicheren Viertaktern abgelöst worden waren.

In acht Monaten findet der Grand Prix statt. Wie lange kannst du auf die Bewilligung warten?

Wir haben alle Vorschriften eingehalten und gehen davon aus, dass uns der Regierungsrat des Kantons Thurgau die Veranstaltungsbewilligung wieder ausstellt, wie das auch in den letzten zwei Jahren der Fall gewesen ist.

Am gestrigen Freitag war im Radio zu hören, dass der Regierungsrat hinter der Veranstaltung steht.

Aber wenn die Einsprachen der Gegner bis vors Bundesgericht gezogen werden? Läuft dir dann die Zeit davon?

Wenn wir die Bewilligung bekommen, wird die Gruppe mit dem Anwalt Rekurs gegen die Bewilligung einlegen. Dann wandert die Beschwerde automatisch zum Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau, sie hat dann eine aufschiebende Wirkung.

Das heißt: Während der Rekurs behandelt wird, kann der Event nicht durchgeführt werden.

Der Regierungsrat des Kantons Thurgau hat jedoch die Möglichkeit, diese aufschiebende Wirkung aufzuheben. Dann kann man die Veranstaltung durchführen, und der Fall wird erst nach der Veranstaltung weiter besprochen.

Ihr rechnet mit 30.000 Zuschauern. Die lokale Wirtschaft darf also mit einer eindrucksvollen Umwegrentabilität rechnen. Welche Umsätze werden durch den Grand Prix in der Region erwirtschaftet?

Wir lösen in der Region und im Kanton Thurgau ein Umsatzvolumen von mindestens 3 bis 4 Millionen Franken aus, in Hotellerie, Gastronomie, Detailgeschäften, Tankstellen und in Handwerksbetrieben, die viele unsere Aufträge erledigen. Dazu kommen 25 befreundete Vereine, die uns gegen ein Entgelt helfen, unsere Organisation zu stemmen, die durch unsere Zuschüsse ihre Vereine finanzieren können.

Der MXGP von Switzerland hat in den letzten Jahren insgesamt ein Defizit von 700.000 Franken erwirtschaftet. 2018 soll erstmals eine schwarze Null rauskommen?

Aufgrund dieser befristeteten Veranstaltungsbewilligung haben wir den Parcours zweimal auf- und wieder zurückbauen müssen. Das ergibt jährliche Kosten von 250.000 bis 300.000 Franken. Das sind die Probleme.

Du gehst auf die 77 zu. Hängen dir diese Streitigkeiten nicht um Hals heraus? Warum tust du dir das an?

Das ist genau der Punkt. Alle Mitstreiter, die im Organisations-Komitee beteiligt sind, streben an, dass wir mit dem Rennen 2018 eine Nullrunde schreiben und in der weiteren Zukunft die bisherigen Verluste wieder zurückholen.

Das andere ist: Man darf gegenüber diesen Ewiggestrigen einfach nicht aufgeben, sonst ist alles verloren.

Deshalb kämpfen wir und sind uns alle einig: Wir machen weiter.

 

Der Motocross-WM Kalender 2018

04. März: Neuquen/Argentinien
18. März: Valkenswaard/Niederlande
25. März: Red Sand/Spanien
08. April: Pietramurata/Italien
15. April: Agueda/Portugal
01. Mai:: Orlyonok/Russland
13. Mai: Kegums/Lettland
20. Mai: Teutschenthal/Deutschland
03. Juni: Matterley Basin/Großbritannien
10. Juni: St Jean d’Àngély/Frankreich
17. Juni: Ottobiano/Italien
01. Juli: Pangkal Pinang/Indonesien
08. Juli: Semarang/Indonesien
05. August: Lommel/Belgien
19. August: Frauenfeld/Gachnang/Schweiz
02. September: Afyon/Türkei
16. September: Assen/Niederlande
30. September: Imola/Italie

Motocross der Nationen:
07. Oktober: Red Bud/USA

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