Yamaha-Teamchef: «Wir haben niemanden gezwungen»

Von Gordon Ritchie
Superbike-WM
Michael van der Mark (li.) mit Yamaha-Teamchef Paul Denning

Michael van der Mark (li.) mit Yamaha-Teamchef Paul Denning

Für die Yamaha-Werksfahrer Alex Lowes und Michael van der Mark geht es in der Superbike-WM 2019 um Gesamtrang 3. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als das Skandalrennen am Samstagnachmittag zu bestreiten.

Als Vierter und Fünfter im ersten Superbike-Rennen in San Juan büßten Michael van der Mark und Alex Lowes in der Gesamtwertung erneut etwas von ihrem Vorsprung auf den hartnäckigsten Verfolger Toprak Razgatlioglu aus dem Team Puccetti Kawasaki ein, der hinter Alvaro Bautista (Ducati) und Jonathan Rea (Kawasaki) Dritter wurde und damit vorzeitig die Privatfahrer-Wertung 2019 gewann.

Der Stand vor dem Sprintrennen am Sonntag (Start 18 Uhr MESZ) im Kampf um den dritten WM-Rang: 3. Lowes, 290 Punkte. 4. Van der Mark 287. 5. Razgatlioglu 276. 6. Haslam 249.

Alle diese Piloten konnten es sich nicht erlauben, das erste Rennen am Samstag zu boykottieren, wie es sechs ihrer Konkurrenten taten – obwohl einige von ihnen dieselbe Überzeugung vertraten.

Yamaha-Teamchef Paul Denning versicherte im Gespräch mit SPEEDWEEK.com, dass er keinen Einfluss auf die Entscheidung seiner Fahrer nahm. «Niemand wurde von irgendjemandem zu irgendetwas gezwungen», hielt der Engländer fest. «Es ist schwierig, zu diesem Thema eine balancierte Aussage zu treffen. Ob ein Rennen gekürzt, abgesagt oder verschoben wird, liegt in den Händen der Organisatoren FIM und Dorna, nicht bei den Teams, Herstellern oder Fahrern. Die Bedenken der Fahrer führten dazu, dass das Schneerennen in Assen und das Regenrennen in Imola abgesagt wurden. Ich unterstütze vollkommen, dass die Fahrer ihre Sichtweise zum Ausdruck bringen, bin mir aber etwas unsicher, ob die Art und Weise, wie es in Argentinien getan wurde, dazu beitrug, die Situation zu entschärfen.»

Denning ist sich darüber im Klaren, dass das Reglement keine Lösung für jeden Fall parat haben kann. Ein Beispiel: «In Imola gibt es einige geringe Auslaufzonen. Wenn es dort fünf Runden vor Rennende zu regnen beginnt und alle Fahrer auf Slicks unterwegs sind, dann erlaubt es das Reglement, dass diese fünf Runden mit Vollgas auf Slicks gefahren werden. Die Strecke in Argentinien ist rutschig, neben der Ideallinie ist es unglaublich schwierig, wenn du einen kleinen Fehler machst, wirst du massiv bestraft. Wir sahen ein Rennen über 21 Runden mit zwölf Fahrern, nicht einer stürzte. Gegen Rennende fuhr Bautista noch 1:41er-Zeiten – ich meine, die Strecke war befahrbar, ja.»

Auf ein Treffen zwischen den Fahrern und Vertretern von FIM und Dorna folgte am Samstagnachmittag eine Besprechung zwischen Fahrern und Teams. «FIM und Dorna teilten den Teams mit, dass sie die Meinungen der Fahrer respektieren», erzählte Denning. «Wir diskutierten die Fakten und es wurde deutlich herausgestellt, dass die Sicherheit vor allem anderen kommt. Es wurde auch gesagt, dass die kommerziellen Ziele nur an zweiter Stelle stehen. Die Teams wurden um ihre Meinung gefragt. Es gab Teams, in denen ein Fahrer starten wollte und der andere nicht. Diese Teams hatten letztlich keine Meinung und waren nicht hilfreich. In unserem Fall war es so, dass ein Fahrer der Meinung war, dass die Strecke unsicher war und einer, der dieser Sichtweise zwar zustimmte, aber deutlich entspannter war. Die Fahrer sind eine Gruppe aus Freunden und Rivalen. Alex Lowes war in einer schwierigen Situation. Als er sich zehn Minuten bevor die Boxengasse öffnete die Lederkombi anzog, musste er sich von anderen Fahrern anhören, dass er sie hängen lässt und das Falsche tue. Er ist Profi. Das Rennen fand statt, also musste er es fahren. Seine Rivalen in der Meisterschaft fuhren auch.»

Denning abschließend: «Ich glaube, dass wir aus den Vorfällen viel lernen können, was die Kommunikation betrifft und wie man in so einem Notfall vorgeht. Das Wichtigste ist aber, dass die FIM sicherstellen muss, dass die Fahrersicherheit gewährleistet ist: Sechs Monate vor dem Rennen, drei Monate vorher, einen Monat vorher – nicht am Donnerstagabend vor dem Rennen. Das war der größte Fehler, darauf sollte man mit dem Finger zeigen.»

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