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Jan Witteveen: Heftige Kritik am BMW-Management

«Bei BMW gibt es nur Vollgas oder Stillstand», sagt Ingenieur Jan Witteveen, 16 Jahre lang Rennchef bei Aprilia. «Mit einem Zehntel des ehemaligen Budgets würden sie heute um den Superbike-WM-Titel kämpfen.»

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Ende 2013 hat BMW sein Werksteam in der Superbike-Weltmeisterschaft zugesperrt, seit letztem Jahr konzentrieren sich die Bayern auf Kundensport. Obwohl im Vergleich zu Kawasaki, Aprilia und Ducati Minimalaufwand betrieben wird, schlägt sich das Team BMW Italia mit seinem Fahrer Ayrton Badovini achtbar: Bereits zweimal düste der 28-Jährige in dieser Saison auf Rang 5 (in Imola und Donington Park), hinter den drei genannten Werksteams ist BMW aktuell vierte Kraft.

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SPEEDWEEK.com sprach mit Ingenieur Jan Witteveen, von 1989 bis 2005 Rennchef bei Aprilia (187 GP-Siege) und noch heute gefragter Fahrerlagerexperte, was er zur neuen BMW S1000RR und den Entscheidungen des Top-Managements in München meint.

BMW schlägt sich ohne Werksteam nicht schlecht?

Die BMW ist gut, aber sie haben keine Fahrer. Und auch die Unterstützung vom Werk ist minimal, die haben ein oder zwei Mann für die Elektronik vor Ort, sonst machen sie ja nichts.

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Ist es dann nicht erstaunlich, dass sie so weit nach vorne kommen?

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Sie haben ja auch ein neues Bike homologiert. Da haben sie alles reingepackt, was sie wussten. BMW hat geglaubt, dass die Evo-Regel durchgeht, damit wären sie noch besser gewesen.

Kannst du nachvollziehen, dass BMW sich so wenig engagiert?

Sportlich gesehen kann ich bei BMW gar nichts nachvollziehen.

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Sie hatten 2014 das erfolgreichste Geschäftsjahr. Sie fragen sich natürlich, weshalb sie Millionen für Rennsport ausgeben sollen, wenn sich die Bikes sowieso gut verkaufen.

Das stimmt schon.

Wenn BMW etwas macht, dann geben sie einen Haufen Geld aus und machen das zeitbeschränkt. In der Formel 1 kommen und gehen sie, auch bei den Superbikes. Auch im Offroad-Sport. Sie sind Dakar gefahren, dann haben sie Husqvarna gekauft und dann wieder alles mehr oder weniger verschenkt.

Es war richtig, dass sie aus diesem Segment ausgestiegen sind. Das Offroad-Geschäft ist nicht vereinbar mit den Kunden, die sie von den Straßenmodellen haben, das geht nicht zusammen.

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BMW hat immer Fünf-Jahres-Konzepte. Wenn ein Chef weg ist, kommt der neue. Er muss etwas zeigen, also wird gestrichen, dann machen sie guten Profit. Sein Nachfolger ist dann vielleicht etwas motorsportbegeistert und muss etwas ändern. Dann wird ein Marketingkonzept erstellt und gefragt, was sie brauchen. MotoGP zum Beispiel. Also machen sie MotoGP. Das wird dann auch nur kurze Zeit gemacht.

Superbike hätten sie nicht aufhören müssen. Sie hätten das nur runterfahren und vielleicht nur noch ein Zehntel von dem ausgeben sollen, was sie damals taten. Die Strukturen wären geblieben, das Know-how hatten sie. Ich gebe nur etwas aus, mache jedes Jahr etwas, bleibe auf dem Laufenden und bin wettbewerbsfähig. Wenn BMW ein Jahr weitergemacht hätte, hätten sie die WM gewonnen. So haben sie zehn Meter vor dem Ziel aufgehört.

Mit einer Investition von einer Million Euro hätte BMW heute in der Superbike-WM ein Topteam mit zwei Fahrern.

Genau. Aber bei ihnen gibt es nur entweder oder, Stillstand oder Vollgas.

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Um kostengünstig Racing zu machen, muss man jedes Jahr etwas tun. Dafür braucht es nur eine kleine Gruppe, die Entwicklung muss aber verfolgt werden, man muss dranbleiben.

Wenn du vorne bist, sind die Kosten gering. Wenn du aber nichts hast... Dann wird Geld freigegeben und du musst unter zeitlichem Druck so schnell wie möglich konkurrenzfähig werden, das kostet einen Haufen Geld.

Wenn du konkurrenzfähig bist, kannst du das Investment langsam runterfahren und du machst die Entwicklung step by step. Kawasaki macht das richtig. Sie sind vorne, sie sind gut und geben im Verhältnis wenig Geld aus. Viel weniger als BMW damals.

Was Kawasaki, Ducati und Aprilia tun, ist richtig. Das ist am Ende am kostengünstigsten – und man hat die Erfahrung, die Informationen und die Technik.

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