Honda: Ohne Sponsor Pata mit Hayden statt Guintoli?

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Michael van der Mark ist bei Honda für die Superbike-WM 2016 gesetzt. Wer neben dem schnellen Niederländer fahren wird, und ob Hauptsponsor Pata weitermacht, ist unklar.

Weltmeister Sylvain Guintoli hat eine Offerte für das Yamaha-Werksteam 2016 auf dem Tisch, nach den Verbesserungen an der Honda CBR1000RR, zuletzt fuhr der Franzose in Sepang zweimal auf Rang 4, ist er jedoch ins Nachdenken gekommen, ob ihn ein Markenwechsel sportlich voran bringt.

Vieles wird davon abhängen, was Hauptsponsor Pata (Knabberzeug) macht. Firmenchef Remo Gobbi unterstützt Guintoli seit vielen Jahren. Wechselt Pata von Honda zu Yamaha, ist es gut möglich, dass ihm Guintoli folgt.

SPEEDWEEK.com sprach mit Honda-Racing-Manager Marco Chini über den Stand der Dinge.

Stimmt es, dass es im Vertrag zwischen Honda und Hauptsponsor Pata eine Klausel gibt, die es beiden Parteien erlaubt ohne Nennung von Gründen auszusteigen, obwohl ihr einen Vertrag bis Ende 2016 habt?

Unsere Beziehung zu Pata ist so gut, dass wir nur zusammenarbeiten wollen, wenn alles passt. Deshalb kann Pata aussteigen, wenn sie aus irgendwelchen Gründen nicht glücklich sind.

Wie bewertest du die Gerüchte, dass Pata Honda verlässt und neuer Hauptsponsor des zurückkehrenden Yamaha-Werksteams wird?

Das ist möglich. Alles hängt von Pata ab. Pata ist eine One-Man-Show, Remo Gobbi ist ein verrückt-hingebungsvoller Motorsportfan. Bis heute haben wir sehr gut zusammengearbeitet, er ist mit den diesjährigen Ergebnissen aber nicht so glücklich. Er will gewinnen, auf dem Podium stehen.

Glaubst du, dass Yamaha in der ersten Saison erfolgreicher sein wird als Honda?

Ich bin mir nicht sicher. Die Superbike-WM ist hart, der Level ist nicht so niedrig, wie viele Leute sagen. Die Yamaha ist auch ein neues Motorrad. An der R1 gibt es einige technische Details, die nicht perfekt zu den neuen Superbike-Regeln passen.

Honda ist der Spitze heute auch wesentlich näher, als ihr es zu Saisonbeginn wart. Sylvain Guintoli wurde in Sepang zweimal Vierter.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Sylvain zu Saisonbeginn einen schlimmen Sturz hatte, sein Nacken machte ihm anschließend schwer zu schaffen.

Dann stellte er fest, dass die Honda keine Aprilia ist. Eine Weile lang hat er in der Honda nach einer Aprilia gesucht. Erst dann fragte er nach Änderungen für die Fireblade und sagte uns, welche Richtung wir einschlagen müssen.

Jetzt bin ich mit der von ihm erledigten Arbeit wirklich glücklich. Das Motorrad heute ist ganz anders als jenes von Jonathan Rea, es ist für jeden leichter zu handhaben, auch für Michael van der Mark.

Fürchtest du, dass Guintoli zusammen mit Pata zu Yamaha geht? Die beiden verbindet eine lange Freundschaft.

Definitiv. Ich bin glücklich mit ihm, er ist einer der Professionellsten, die ich in meinem Leben getroffen habe. Er ist konstant, ein wirklich guter Testfahrer, ein Gentleman, der perfekte Botschafter für die Marke Honda.

Sylvain denkt seit Sepang darüber nach, was er tun soll, wir warten auf seine Entscheidung. So langsam eilt es.

Da hinter dem Aprilia-Werksteam ein dickes Fragezeichen steht, hat er nur zwei Möglichkeiten: Yamaha oder Honda.

Genau, zwischen uns beiden wird er sich entscheiden. Zu Yamaha zu gehen ist riskant: Auch wenn das Motorrad einen sehr starken Eindruck macht und es ein echtes Werksteam geben soll.

Hat Guintoli Honda um mehr technische Unterstützung oder ein besseres Gehalt gebeten?

Geld hatte für ihn nie Priorität. Was er möchte, ist gewinnen. Das ist sein Ziel. Klar hat er nach mehr Unterstützung gefragt, nach Änderungen am Motorrad. Die technischen Regeln erlauben aber nicht viel, man kann sich vom Serienbike nicht allzu weit entfernen.

Seit Saisonstart hat Sylvain große Schritte nach vorne gemacht, das Motorrad ist jetzt viel besser. Strecken wie Sepang und Jerez waren bislang ein Albtraum für uns. Das Motorrad ist heute anders, Sylvain hat einen wirklich guten Job erledigt.

Sollte euch Guintoli verlassen: Wie schaut der Plan B und C aus? Es gibt nicht mehr viele Piloten, die auf diesem Level fahren.

Bis jetzt haben wir mit keinen anderen Fahrern gesprochen, weil wir stark davon ausgehen, dass Sylvain bei uns bleibt. Weil er sich noch nicht entschieden hat, müssen wir uns Gedanken machen.

Überzeugte MotoGP-Fahrer zu bekommen ist nicht einfach. Jeder Fahrer will in der Topklasse starten.

Nicky Hayden verliert seinen Job bei im Team von Jorge Martinez und gehört bereits zur Honda-Familie.

Ihn bei uns zu haben wäre eine Ehre. Ein netter Typ und guter Fahrer, ein MotoGP-Weltmeister. Er wäre perfekt für die Superbike-WM. Bislang habe ich aber nicht mit ihm gesprochen, langsam wird es gefährlich für uns, weil sich Guintoli so lange Zeit lässt.

Es ehrt dich, dass du an deinem Fahrer festhältst, aber das ist sehr riskant.

Riskant und sehr Honda. Bei Honda sind immer alle sehr entspannt. Wenn du so eine große Firma bist, wird es immer einen guten Fahrer geben, der zum Team stößt.

Würde Michael van der Mark woanders fahren, wäre ich weniger entspannt. Aber wir haben ihn, er ist schon jetzt ein sehr starker Fahrer. Inzwischen hat er einige Superbike-Erfahrung, nächstes Jahr kann er die WM ganz anders angehen.

Wenn wir einen zweiten starken Fahrer im Team haben, wäre das perfekt. Wenn nicht, wählen wir einen jungen talentierten Fahrer. Wir werden sehen.

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